Jono Bacons Reaktion auf Stallmans Ubuntu-Watschn

8 Dezember 2012 2 Kommentare Autor: Jürgen (jdo)

Ubuntu Logo 150x150Ubuntus Jono Bacon hat in einem persönlichen Blog-Eintrag auf die Schelte von Richard Stallman reagiert, der Ubuntu Spyware nennt *WOOOOHOOOOO Flamewar der Giganten! :)*

Bacon bezeichnet Stallmans Forderung, Ubuntu nicht zu empfehlen als FUD (Fear, Uncertainty and Doubt). Bacons Ziel in solchen Kontroversen sei nicht, die Kritiker vom Gegenteil zu überzeugen oder Ungläubige zu bekehren. Er stütze sich lieber auf Fakten und versuche flasche Informationen zu vermeiden. Es gebe bereits zu viele Fehlinformationen und FUD im Internet – da müsse man selbst gar nicht nachhelfen.

Wer bei den Fakten bleibe, Kritik ausübe und respektvoll bleibe, dann sei das in Ordnung. Das Ziel von Dash in Ubuntu sei, eine zentrale Stelle zu erschaffen, wo man einfach Dinge suchen und finden kann, die relevant sind. Das sei ein hochgestecktes Ziel und man sei noch nicht fertig, dies realisiert zu haben.

An dieser Stelle möchte ich auf einen Kommentar von Bacons Artikel verweisen, der mich schon sehr zum Schmunzeln gebracht hat: Er fände Bacons Position gegenüber Dash glaubhafter, wenn es keine Windows-Software zum Kauf anbieten würde, sobald der Anwender nach Games sucht. Er könne nicht genau erkennen, wie dieses Angebote mit “Software vorschlagen, die Anwender nutzen können” im Einklang steht.

Derzeit sei das Dash noch nicht perfekt. Man müsse an der Genauigkeit der Resultate arbeiten. In den 8 Jahren Canonical und Ubuntu sei Privatsphäre immer ganz oben auf der Agenda gestanden. Allerdings sei Privatsphäre auch eine komplett persönliche Angelegenheit und die Ansicht darüber würde sich von Person zu Person unterscheiden. Er vergleicht die Debatte mit der Privatsphären-Diskussion in Facebook. Hier gäbe es auch die Fraktion “ich will alles selbst kontrollieren” und die “wenn es im Internet ist, ist es mir egal, wer es sehen kann”.

Als man die Amazon-Suchergebnisse eingeführt hat, hätte man Fehler gemacht und dann aber auf die Community gehört. Einige würden die Ansicht von Stallman sicher vertreten und bacon wolle keinen vom Gegenteil überzeugen. Allerdings bemängelt er FUD in Stallmans Beitrag.

Die Argumente Dass man Ubuntu nicht weiterempfehlen soll und auch wenn Amazons Geld für die Entwicklung verwendet wird, schadet es freier Software würden Angst, Unsicherheit und Zweifel über Ubuntu heraufbeschwören. Das Projekt habe schließlich freie Software unter Millionen von Menschen gebracht (das klingt nun aber ein bisschen beleidigt). Aber so etwas sei nichts Überraschendes aus der Feder von Richard Stallman.

Bacon zolle Stallman hohen Respekt für seine Arbeit bei der Free Software Foundation und eine Open-Source-Welt, wie es sie in diesen Tagen gibt. Allerdings glaubt er auch, dass Stallman dann und wann ein bisschen kurzsichtig ist. Seine Sichtweise bezüglich Software sei binär – entweder sauber, oder verabscheuend. Bacon klopft noch einmal auf das Argument, dass Freiheit eine persönliche Ansicht sei.

Komplett freie Software sei umständlicher zu benutzen und bringe weniger Funktionen mit, als sich der Anwender das wünscht. Er verweist auf Apples Erfolge. Cupertino habe es geschafft, seinen Anwendern ein tolles Produkt zu liefern und es gibt keinen Grund, dass man dies nicht auch mit freier Software schaffen könnte (nun wird es mir gerade doch ein bisschen gruselig). Man wolle mit Ubuntu eine Plattform erstellen, die eleganter als die Apple-Oberfläche ist, sich aber freier Software bedient. Allerdings passe das nicht in Stallmans Ethik und deswegen solle man Ubuntu meiden. Das sei kindisch.

Bacon findet auch nicht alles toll, was die FSF tut – aber die grundsätzliche Arbeit sei fantastisch. Er würde niemals zu einem Boykott gegen die Free Software Foundation aufrufen. Man solle besser zusammenarbeiten und nicht gegeneinander.

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So einfach ist es anscheinend aber nicht und die Kommentare zu Bacons Eintrag sind eindeutig Richtung “Stallman hat Recht”. Einer schreibt sogar, Bacon soll die fadenscheinigen Entschuldigungen sein lassen. Und ich muss ganz ehrlich sagen, dass Bacons Beitrag nicht groß argumentativ etwas entgegenzusetzen hat. Hätte man auf die Community gehört, liese sich die Suche bei der Installation einstellen. Es gab mehr als genug Leute, die sich dafür ausgepsrochen haben. Außerdem sagt Stallman selbst, dass man die lokale Suche und die im Netzwerk trennen könnte (oder jedesmal aktivieren oder deaktivieren).

Die Argumentation, dass jeder andere Ansichten von Privatsphäre hat, wirkt fast ein bisschen verzweifelt. Was ist denn das bitte für ein Gewäsch? Auch wenn es natürlich sein mag, dass der eine mehr, der andere weniger paranoid in Sachen “Daten ins Internet schicken” ist, kann man noch lange nicht rechtfertigen, dass man dies auch tut. Damit tritt man ja praktisch die Ansichten der “Vorsichtigeren” mit Füßen.

Bacon hat Recht, dass Ubuntu Linux wesentlich populärer gemacht hat. Aber ich habe nach wie vor die Ansicht, dass man sich dann auch so benehmen soll. Den ganzen Ärger könnte man sich sparen, wenn man statt Opt-Out auf Opt-In umsteigen würde – aber man hört ja auf die Community. Auch wenn ich Stallmans Ansichten teilweise für zu harsch halte, geht dieser digitale Dialog für mich an Stallman. Richard 1 – Bacon 0.



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2 Kommentare zu “Jono Bacons Reaktion auf Stallmans Ubuntu-Watschn”

  1. Marcus Moeller sagt:

    AOL hat mit seinem CD Versand das Internet auch wesentlich bekannter gemacht. Ach, das war was anderes...

  2. heliishome01 sagt:

    Habe mich seit der Einführung von Unity eh mehr und mehr von Ubuntu entfernt. Im Moment läuft nur noch ein Rechner mit Xubuntu 12.04, aber nicht wirklich gut. Und da der erweiterte Arbeitsspeicher nicht erkannt wurde, wird diese Ära wohl auch bald zu Ende gehen.
    Dank der hervorragenden Ubuntuusers-Community ist mir im Herbst 2007 der Umstieg von Windows auf Linux auf Anhieb geglückt, sprich binnen eines Wochenendes. Von daher werde ich der Distri immer einen gebührenden Platz in meiner Computer-Historie einräumen, aber wohl keine Neuinstallation mehr vornehmen. Oder vielleicht doch über einen bislang unverdächtigen Fork: Bodhi-Linux ist der einzige Herausforderer für Fuduntu.

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