Kauderwelsch: Drei Wochen Internet-Sperre für Piraten

27 September 2011 9 Kommentare Autor: Jürgen (jdo)

Jolly Roger Pirat 150x150Unsere Politiker sind schon putzig. Da will nun der Herr CDU-Politiker Siegfried Kauder per Gesetzesentwurf verlangen, dass Internet-Nutzer bei wiederholten Copyright-Verstößen für drei Wochen der Netzzugang abgedreht wird.

Dass dieses völlig absdruse Gebrabbel laut Tagesschau bei der Musikindustrie auf großen Beifall gestoßen ist, wundert einen da wenig. Ein Sprecher des Justizministeriums sagte bereits, dass dies verfassungsrechtlich zumindest bedenklich sei. Ein Wohngemeinschaft oder eine Familie das Internet zu sperren, nur weil sich jemand nicht benommen hat, sei unverhältnismäßig.

Außerdem würde man plötzlich den Providern eine Art Rechtsspreechung überlassen, weil die für die Überwachung und Sperre zuständig sind.

Abgesehen davon würde mich interessieren, wie das umgesetzt werden soll, den Schuldigen zu finden. Kostenlose WLAN-Zugänge gibt es überall. Selbst bei McDonalds darf man eine Stunde kostenlos surfen. Wenn da einer nun was dummes macht, fliegt dann die Fast-Food-Kette für drei Wochen? Das macht dem Downloader aber gar nichts, der geht einfach in das nächste Internet-Cafe.

Oder muss eine große Firma bald ankündigen, drei Wochen keine E-Mails beantworten zu können, weil ein Mitarbeiter sich ein paar Musikstücke illegal besorgt hat? Oder gibt es künftig eine Datenbank von Download-Sündern und mittels BRD-weitem Login muss man erst seinen Zugang zum Internet vor jeder Surf-Sitzung freischalten? Ich halte lieber die Klappe, sonst kommt Big Brother nur noch auf dümmere Ideen.

Und diese CDU-Experten sollen nun ja nicht mit Filtern kommen. Das BitTorrent-Protokoll muss auf Layer-7-Ebene untersucht werden. Die Ports blocken bringt nichts. Verwenden die Clients Verschlüsselungen kann man es sowieso nicht filtern. Dann weiß übrigens auch der Provider nicht, was man sich da runtergeladen hat. Und dann gäb es ja auch noch gewisse Anonymisierungs-Dienste wie TOR. Diese sind zwar nicht unantastbar, würden aber das Aufspüren der Download-Sünder wesentlich schwieriger machen – und somit den Aufwand extrem erhöhen.

Von daher fordere ich drei Wochen Redeverbot für Politiker, die nicht wissen, wovon sie sprechen und nur populistisches Gewäsch von sich geben.

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9 Kommentare zu “Kauderwelsch: Drei Wochen Internet-Sperre für Piraten”

  1. Janu sagt:

    Moin!

    Erstmal mir gefällt deine Seite sehr gut, immer schöne Informationen über Linux. Mich interessiert das, weil ich von Windows 7 zu Xubuntu gewechselt bin.

    Zu den Lobbyisten(unseren Politikern) braucht man nichts mehr zu sagen. Aus Gorleben den Atommüll raus und unsere verstrahlten Politiker rein!

    Tor soll ja nicht so das Wahre sein, da dort auch die DARPA die Finger mit drin hatte. Und alles wo die Geheimdienste ihr Finger mit drin hatten ist mir suspekt.

    http://www.anonym-surfen.de/jondofox.html JonDo soll besser sein. Keine Ahnung ob das zutrifft.

    Das man unserem System nicht trauen kann zeigen folgende Videos gut(bei Youtube): Robert Stein - 9 - 11 Megaritual
    Robert Stein - 9 - 11 Nuked Into Reality

    Und Deutschland GmbH ist auch sehr aufschlussreich. Das hilft einen das Handeln der Lobbyisten zu verstehen.

    Was ich mich frage, als "stiller" Mitleser, warum hast du bei deinen Post keine Kommentare, ich jedenfalls finde die Sachen die du schreibst interessant.

    • jdo sagt:

      danke für die Komplimente 🙂

      Keine Kommentare werte ich höher als viele Kommentare. Oftmals ist es doch so, dass nur die sich zu Wort melden, die etwas zu motzen haben. Von daher sehe ich keine Kommentare als stilles Kompliment 😉

      Grüße,
      Jürgen

      • tux. sagt:

        Ich kommentiere hier auch nur, wenn ich etwas zu motzen habe. Ich nutze Linux nur nebenbei, finde Ubuntu zum Speien und bin auch sonst nicht oft mit dem Autor einer Meinung, aber ein Blog lebt auch von kritischen Stimmen. 😛

        • jdo sagt:

          Wenn Du Linux nur nebenbei nutzt, dann ist tuxproject.de mit Verlaub ein ziemlich dämlicher Domänen-Name 😛

          • tux. sagt:

            Ganz ehrlich: Ja. - Aber wenn ich ihn nun in irgendwas anderes ändere (andere, sehr gute und witzige Domänen habe ich ja inzwischen registriert), könnte das wieder kompliziert werden beim WordPress-Umzug. Der letzte hat mir schon gereicht. Also bleibt es jetzt dabei. 😉

            BitBlokes ist auch nicht toll. Muss immer an Schafe denken. Bit blökt?

          • jdo sagt:

            ist nicht toll, aber microsoft.de war schon vergeben ...

          • tux. sagt:

            Gleich verklagen, den Haufen.

  2. berli sagt:

    BitTorrent via Tor oder JonDonym ist nicht das wirklich Wahre. Dafür sind diese Anon-Dienste nicht konzipiert. Es gibt aber anonyme P2P-Alternativen. Ein paar Vorschläge findet man hier: https://www.awxcnx.de/handbuch_24m.htm

    Dort ist auch eine Analyse verlinkt, warum BT via Tor nicht richtig anonym ist.

    In den anonymen Netzen ist das Angebot nicht so groß, aber das wächst mit der Userbasis.

  3. [...] passiert, über das man eben am übernächsten Tag schreiben könnte, aber Pustekuchen. Stattdessen erreicht mich die Frage, wieso ein Nichtblog, das thematisch mit Linux nur sporadisch zu tun hat, auf [...]

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