Unity 8, Konvergenz und Ubuntu Phone eingestampft – Ubuntu 18.04 geht zurück zu GNOME

3 Kommentare Autor: Jürgen (jdo)

Hmmm … also wenn das nun der 1. April wäre …aber es wurde am 5. April 2017 veröffentlicht.

Der Beitrag fängt an, dass Canonical und Ubuntu ein sehr gutes Jahr für die Firma verzeichnen konnten. Danach lässt es Mark Shuttleworth aber ordentlich krachen.

Die Entwicklung für Unity 8, das Ubuntu Phone und die Konvergenz werden eingestellt. Der Standard-Ubuntu-Desktop wird künftig ab Ubuntu 18.04 mit GNOME ausgeliefert.

Ubuntu 18.04 per Standard wieder mit GNOME (Quelle: gnome.org)

Ubuntu 18.04 per Standard wieder mit GNOME (Quelle: gnome.org)

Man will ja nicht unken, aber der Alleingang hat sich am Ende wohl nicht ausgezahlt. Sehr eigen ist allerdings die Interpretation in der AnkündigungKonvergenz sei die Zukunft und die Community freier Software würde das auch so sehen und Ubuntu oder Canonical dabei unterstützen, da man über die geschlossenen Alternativen nicht glücklich sei. Shuttleworth habe sich aber getäuscht und die Community habe die Anstrengungen als Fragmentierung und nicht Innovation gesehen. Hmmmm … vielleicht aus dem Grund, weil es genau das war. Canonical hat meiner Meinung nach an zu vielen Stellen versucht, das Rad neu zu erfinden, anstelle bestehende Anstrengungen zu unterstützen und Teil der großen Community zu sein. Innovation per se ist ja nicht verkehrt, aber einfach grundsätzlich dagegen schießen ist halt auch suboptimal.

Nicht falsch verstehen!

Versteht mich an dieser Stelle nicht falsch. Canonical und Ubuntu haben unglaublich viel für Linux geschafft. Aber die dauernden Alleingänge und immer wieder die Spitzen gegen die Community … Ich mochte Ubuntu immer wegen den PPAs, der Anwenderfreundlichkeit und so weiter, aber nie wegen der Firmenpolitik. Deswegen verwende ich in erster Linie Linux Mint – oder das beste aus beiden Welten.

Mir und Wayland?

Was Mark Shuttleworth überhaupt nicht erwähnt, ist Mir. Es lässt sich aber erahnen, dass Mir ebenfalls als Fehlschlag gewertet wird und Ubuntu mit der Umstellung auf GNOME ebenfalls Wayland einsetzt.

Anders gesagt gibt es mit der Einstellung der Konvergenz und dem Ubuntu Smartphone gar keinen Grund mehr, Mir weiter zu entwickeln.

Cloud und IoT

Künftig werde man sich für Ubuntu  verstärkt auf die Cloud und IoT (Internet of Things / Internet der Dinge) konzentrieren. Das ist mit Sicherheit kein schlechter Schachzug, denn beide Bereiche setzen sehr auf Linux und eben zum Großteil auf Ubuntu.

Linux auf dem Desktop ist eine Nische und wird in absehbarer Zeit eine bleiben. Allerdings ist die Anwenderbasis solide und Canonical hat sich meiner Meinung nach in den letzten Jahren wenig Freunde mit den Alleingängen gemacht. Sich auf die Cloud und IoT zu konzentrieren, gleichzeitig einen von der breiten Community angesehenes Desktop-OS zur Verfügung zu stellen … klingt irgendwie gut. Anders gesagt ist es vielleicht doch leichter, mit dem Strom zu schwimmen.

Beim Desktop hört das aber noch nicht auf. Wir werden immer noch sehen müssen, welchen Container-Plattform sich durchsetzt. Snaps, Flat Pack, AppImage?

Schlechter Verlierer?

Auf der einen Seite rechne ich es Mark Shuttleworth an, dass er sagt, er müsse in Bereiche investieren, die die Firma vorwärts bringen. Das sind eben Cloud und IoT. Auf der andere Seite lese ich auch einen schlechten Verlierer.

Im Endeffekt sagt er ja, dass seine Entwickler Großartiges geliefert hätten, dies von der restlichen Linux-Community aber nicht entsprechend gewürdigt wird. Man könnte sich aber auch mal bei der eigenen Nase packen und sich eingestehen, dass man in Sachen Mir, Konvergenz, Smartphone und so weiter nicht ein einziges Mal geliefert hat, was versprochen wurde. Das ist Fakt! Funktionierte es so gut, dann würden es die Nutzer auch einsetzen. Mehr als ein erweitertes Proof of Concept ist bisher aber nicht wirklich dabei rausgekommen.

Persönlich bin ich Alles Andere als böse, wenn sich Ubuntu der restlichen Community wieder nähert. Ein Quertreiber weniger und vor allen Dingen mit diesem Kaliber kann wirklich nicht schaden. Für mich ist das Eingeständnis des Scheiterns in diesem Gebiet sogar ein gutes Zeichen. Es wäre sehr wünschenswert, wenn mehr Leute am sleben Strang ziehen – vor allen Dingen, wenn Du eine Nische bist.




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3 Kommentare zu “Unity 8, Konvergenz und Ubuntu Phone eingestampft – Ubuntu 18.04 geht zurück zu GNOME”

  1. Arne says:

    Hehe, ich habe auch als erstes auf das Datum geguckt, wann der Artikel erschienen ist.

    Die Rede ist die ganze Zeit von Unity 8, aber was ist mit Unity 7, was ich schon mag? GNOME wird der Standarddesktop und ich vermute mal, dass Unity auch noch nachinstallieren werden kann, aber wird das weiter angepasst? Sicherheitsaktualisierungen durchgeführt? Etc.

    Deine Aussage zum erweiterten PoC unterschreibe ich voll. Ich war auch immer wieder enttäuscht von den "Awsome" Ankündigungen von Shuttlewörth, die dann aber nie so wirklich genommen sind bzw. dessen Zeitplan nie eingehalten wurden.

  2. understater says:

    Fuer mich war Unity nicht wirklich relevant.
    Mein Kopf (und die Haende) funktionieren halt mehr Gnome maessig.
    Interessant fand ich dass meine Toechter schnell auf Unity gewechselt haben, weil sie es intuitiv bedienen koennen(konnten).

    Wirklich traurig ist, dass das Ubuntu-Phone damit gestorben ist! Ich hatte gehofft irgendwann nicht mehr zwischen Pest und Colera (Apple / Android) haengen zu muessen.

  3. Patrick says:

    Ubuntu hat sich mit den Eigenentwicklungen schlichtweg übernommen. Hoffentlich werden die freiwerdenden Ressourcen jetzt in die Qualitätssicherung gesteckt.