Kommentar: ownCloud – sollte man nicht zunächst das Sync-Problem bereinigen, bevor man sich dauernd als Dropbox-Ersatz aufspielt?

28 März 2013 22 Kommentare Autor: Jürgen (jdo)

ownCloud Logo 150x150Wer meine Seite regelmäßig liest, weiß, dass ich eigentlich ein großer Fan der ownCloud bin. Ich benutze die Open-Source-Software, um Kalender und Kontakte zwischen Android, ownCloud und Thunderbird zu synchronisieren. Weiterhin gefällt mir auch das neue Design der ownCloud sehr gut.

Was ich absolut nicht nachvollziehen kann, dass man sich immer und immer wieder zu der Alternative zu kommerziellen Cloud-Anbietern aufspielt – in erster Linie Dropbox als Buzzword nimmt. Hier ein weiteres Beispiel eines solchen Artikels. Blafasel – wir lösen das Dropbox-Problem für Firmen und findige Firmen nutzen die ownCloud aus, um sogar Gewinn draus zu schlagen. Kann sein, weiß ich nicht und auf das will ich auch gar nicht raus.

Es stimmt zwar, dass man einem geschenkten Gaul nicht ins Maul schaut und ich sehr sehr dankbar bin, meine Daten in meinem eigenen Bereich speichern zu können.

Allerdings funktioniert der Sync-Client ganz einfach nicht zufreidenstellend. Wenn man schon immer auf der Dropbox-Welle reitet, dann sollte man auch funktionierende Software zur Verfügung stellen. Der ownCloud-Sync-Client ist im internen Netzwerk grottenlangsam, vor allen Dingen, wenn man viele kleine Dateien damit synchronisieren möchte – gut das betrifft nur die erste Synchronisation – aber die kann echt ewig dauern.

Das wäre irgendwie irgendwo noch zu verschmerzen. Aber das Ding funktioniert einfach nicht. Ich hatte über einen Bug geschrieben, der sich reproduzieren lässt und nicht nur 110.000 _conflict-Dateien auf meinem Server erzeugt, sondern auch knapp 50.000 davon auf den Mac meiner Freundin zurücksynchronisiert hat. Und wie ich in einem Kommentar dieses Artikel erfahren habe, bin ich nicht alleine mit dem Problem.

Liebe ownCloud-Entwickler: Seid stolz, auf was ihr da bisher geschaffen und was für eine Welle ihr damit ausgelöst hat. Ich bin sehr auf den RSS-Reader gespannt, weil Google Reader eingestellt wird und das eine Alternative werden könnte. Und Eure Software hat vielen anderen Cloud-Anbietern etwas voraus, weil ich hier auch Kontakte und Kalender speichern kann und mir die Galierie-App sehr gut gefällt. Aber bitte bitte bitte nehmt Dropbox erst wieder in den Mund, wenn Euer csync funktioniert. Ich möchte nicht wissen, was Kunden von Banken sagen, deren Rechner über die ownCloud mit _conflict-Dateien zugemüllt werden. Das ist kein kleiner Bug, das ist ein hausgemachter Showstopper für den Einsatz des Sync-Clients. Unter Dropbox kann ich keinen Kalender pflegen, aber deren Sync-Applikation funktioniert erste Sahne.

Es tut mir leid, das als großer Fan der ownCloud so direkt sagen zu müssen. Aber das Dropbox-Gereite ist im Moment reine Trollerei – sorry für meine Ehrlichkeit.

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22 Kommentare zu “Kommentar: ownCloud – sollte man nicht zunächst das Sync-Problem bereinigen, bevor man sich dauernd als Dropbox-Ersatz aufspielt?”

  1. Marcus sagt:

    Hattest du einen Bugreport im offiziellen Bugtracker:

    https://github.com/owncloud/

    erstellt?

  2. Sascha Joswig sagt:

    Applaus.

    @Marcus: Die conflict-Thematik ist bekannt. (https://github.com/owncloud/mirall/issues/search?q=conflict)

  3. Marcus Moeller sagt:

    seems to be fixed in nightly: http://download.owncloud.com/download/nightly/

    • jdo sagt:

      Das kann gut sein, aber ich werd kein Nightly auf meine produktiven Daten loslassen. Und das ist auch nicht das Problem. Sondern es wird gebetsmühlenartig als "Lösung des Dropbox-Problems" gesprochen, wo man keine funktionierende stabile Sync-Lösung hat.

      • Marcus sagt:

        Eine neue Version des Clients wird wohl schon bald folgen. Ich denke dir geht es doch auch in erster Linie um die Behebung des Problems, oder ist dir das Marketing blabla wichtiger?

        • jdo sagt:

          Ja klar tut es das. Aber es ärgert mich, dass ein bekanntes Problem besteht und dann trotzdem solche Geschichten in den Mund genommen werden - und zwar immer und immer wieder. Warum kann man nicht erst das Problem beheben und dann Werbung machen? Das ist ja nicht unbedingt ein kleiner Bug.

          Das Problem ist einfach, dass Leute auf den "Weg von Dropbox / Google Drive"-Zug und so weiter begeistert sind und dann stinksauer wieder dorthin zurückkehren mit dem Gefühl "ah, die Open-Source-Frickler bringens halt doch nicht hin".

          Das ist nicht der erste Bock, der bei ownCloud geschossen wird. Bei der Ausgabe von 4.5 hat man einfach vergessen zu erwähnen, dass man einen neuen Sync-Client braucht, weil sich Daten sonst vom Server wieder auf den Client zurückschreiben können. Ich hatte das hier berichtet. Dann wurde ich von einem Entwickler kontaktiert: "Neee, das ist kein Bug - Du musst Client 1.1.0 nehmen" - der wohl gemerkt weder erwähnt wurde, noch zum Download bereit stand. Meine Kristallkugel befand sich aber in der Reparatur. Ohne dieses Wissen hätte man übelst Datenverluste produzieren können.

          Ich mag die Software echt gern, aber ein bisschen mehr Sorgfalt und weniger "Auf die Kacke haun, wenn es nicht angebracht ist" würde ich mir schon wünschen. Dafür ist schließlich Canonical zuständig 😉

          • Marcus sagt:

            Die von dir genannten Marketing Sprüche beziehen sich in erster Linie auf die kommerzielle Owncloud Version und nicht auf die Community Variante.

            Dort tritt das von dir beschriebene Problem soweit ich es gesehen habe nicht auf.

          • jdo sagt:

            Ich bezweifle, dass im Großen und Ganzen wahrgenommen wird, dass es eine kommerzielle und eine Communty-Variante gibt. ownCloud ist ownCloud - wenn einer nach Dropbox-Ersatz sucht, wird er wohl bei einem Treffer nicht erst untersuchen "hmmm ... ist das nun die kommerzielle oder ...". Der lädt das Ding runter und es funktioniert nicht wie es soll. Da ist egal, welche Partei auf den Putz gehauen hat. Meine Meinung.

            Edit: Es hat schon seinen Grund, warum Fedora und Red Hat getrennt ist, so wie auch SUSE und openSUSE - vielelicht wäre das Modell bei der ownCloud auch etwas schlauer.

  4. David sagt:

    Firmen, die Dropbox oder ähnliches brauchen und dann auf so eine Frickellösung wie Owncloud umsteigen, ist eh nicht zu helfen, die verdienen nichts anderes. Dafür, dass Owncloud auch immer eine Frickellösung bleiben wird, haben die Entwickler ja schon nachhaltig gesorgt, indem das ganze Projekt auf PHP aufgebaut wurde.

    • Stefan sagt:

      Wer programmieren / Software Software entwickeln kann, wird auch in php ein Gutes Produkt liefern. Wer es nicht kann, der versaut es auch in anderen ...
      Nur weil php schlampiges Arbeiten ermöglicht, ist php nicht gleich schlampiges arbeiten a->b != b->a

    • jdo sagt:

      Bizarr ist nur, dass die einzige Komponente die derzeit nicht funktioniert, nicht in PHP geschrieben ist ...

    • Georg sagt:

      Genau, PHP = Frickellösung.
      Darum nutzen Firmen auch CMS wie Drupal oder Typo3.
      Darum basiert Wikipedia auf MediaWiki, andere Wikis oft auch auf Dokuwiki.
      Darum ist WordPress das erfolgreichste Blog-CMS.

      Dieses nervige Programmiersprachen-Bashing findet man oft genug auch zu Ruby, Perl, Java etc. In der Regel können die Meckerfritzen die betreffende Sprache selber nicht...

      @jdo: Was bietet denn die kommerzielle Version mehr? Muss man diese auch für kommerzielle Zwecke erwerben?

      • jdo sagt:

        Hi Georg,

        Hier gibt es eine Übersicht: https://owncloud.com/overview, die Code-Basis ist die selbe. Es geht mehr um Support, Möglichkeit für prorpietäre Plug-Ins. Für Firmen wird wohl weiterhin auch Oracle-Unterstützung und Dynamic User Storage interessant sein. Bei letzterem kann man Anwender auf unterschiedliche Speicher-Medien umleiten.

      • David sagt:

        Hi Georg,
        gut dass du im Kontext Frickellösungen dem Zusammenhang Typo3 und Drupal nennst.
        Mehr muss ich dazu nicht sagen, Q.E.D.

        • jdo sagt:

          <°++++< ...

          • Sebastian sagt:

            So ganz unrecht hat er ja nicht. Gerade Typo 3 ist wirklich kein Paradebeispiel höchster Ingenieurskunst und auch die Kritik an PHP kann ich gut verstehen. Die Sprache ist zu schnell in zu viele Richtungen gewachsen, da hat in meinen Augen ein grundlegendes Konzept gefehlt.

            Aber natürlich kann man auch mit PHP große Projekte aufziehen. Auch wenn ich es auch nicht mehr machen wollen würde.

  5. Silencer sagt:

    Ich kann mich nur anschließen: Erst wenn das eigene Produkt tadellos funktioniert, kann (!) man Vergleiche zu Konkurrenten anstellen. Man kann das aber auch komplett lassen und statt dessen mit innovativen oder extra Features überzeugen.

    Danke für dein Blog; sehr hilfreich!

  6. PTT sagt:

    Ich bin leider auch vollkommen vom Windows SyncClient 1.2.5 enttäuscht. Der arbeitet und arbeitet die ganze Zeit das LogWindow stürzt fast immer ab und loggt alles mögliche aber gesynct wird fast nix und wenn dann Tage später. Sicher versuche ich ein große Menge Datein zu syncen aber es funktioniert nichts!
    Eine ganz andere Geschichte ist die erste Syncronisation, Stunden sind hier garnichts - Tage schon eher. Pro Datei benötigt OwnCloud hier ca. 1 Sekunde+ und dann darf der Rechner auch nicht ausgeschalten werden, denn dann fängt alles von vorn an und Fehler beim csync treten auf.
    Alles andere Termine, Kalender etc. ist echt der Hammer, denke auch das nur der Client nicht perfekt ist.
    Bitte arbeitet dran OwnCloud-Team!

  7. Kirley sagt:

    6 Monate später, Sync Client Version 1.4.2 und keinen Deu besser. Unter 7 GB mit 42 tausend Dateien, 12 Stunden Sync Zeit (internes Netzwerk mit 1GB) weils halt für jede einzelne Datei ewig braucht.

    Einfach nur schade.

  8. shooter sagt:

    Ich habe für 10 GB nun ca 2 Tage ununterbrochen meinen Rechner laufen lassen müssen.
    habe auch festgestellt, dass der Client ewig braucht um überhaupt zu merken das eine neue Datei hinzugefügt wurde. Ich schiebe eine neue Datei in meinen ownCloud Ordner und ca 5 min. später fängt der Client an diese zu syncen -.-
    Oder kann das damit zusammen hängen dass mein ownCloud Ordner auf einem Netzlaufwerk liegt!?

    • jdo sagt:

      Dann waren es wohl viele kleine Dateien, oder?

      Mein Client merkt Änderungen sofort. Es dauert nur wenige Sekunden.

      Das mit dem Netzlaufwerk kann sein, aber ich weiß es nicht sicher. Du kannst es möglicherweise ausprobieren, wenn Du im Client einen neuen Ordner hinzufügst und diesen lokal legst.

    • Rufer in der Wüste sagt:

      inotify (so heisst das unter Linux, mit dem man Änderungen an lokalen Dateien erkenen kann) funktioniert auf Netzlaufwerken nicht. Da kann ownCloud auch nicht viel dabei machen, versuchs mal auf nem lokalen Verzeichnis, und auch Deine Dateien werden instantan hochgeladen werden.

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