Open-Source in der Schweiz mit hohem Stellenwert: 93% der befragten Organisationen nutzen Open-Source aktiv

23 Oktober 2012 2 Kommentare Autor: Jürgen (jdo)

Open-Source OSS Logo 150x150Mich hat gerade eine E-Mail mit einer Pressemitteilung erreicht, die ich doch ziemlich interessant finde. Alle 3 Jahre führen die Swiss ICT und die Swiss Open Systems Group (/ch/open) eine Studie zum Stand von Open-Source-Software durch. Der diesjährige Bericht ist beeindrucken: 93 Prozent der 202 befragten Unternehmen profitieren irgendwie von Open-Source-Software. Laut der Mitteilung erwarten sich vor allen Dingen die 120 befragten IT-Unternehmen durch vermehrten Open-Source-Einsatz in den nächsten Jahren deutliche Einsparungen. Von 10 bis 30 Prozent des Entwickler- und IT-Budgets ist die Rede. Eine eigene Strategie sei Priorität, weil man dadurch unkontrollierten Wildwuchs im Unternehmen und auch rechtliche Risiken mit Lizenzen vermeiden kann. So eine eigene Strategie haben derzeit nur 17 Prozent der IT-Unternehmen.

Der Umgang mit freier Software ist integraler Bestandteil des Technologie-Managements und keine isolierte Aktivität mehr

schreibt Stefan Arn in seiner Einführung zur Swiss Open Source Studie 2012. Als Informatikchef der UBS für die Schweiz und EMEA, aber auch Vorstandsmitglied von ICTswitzerland, der Dachorganisation der wichtigsten Verbände und Organisationen des schweizerischen Informatik- und Telekomsektors, sollte er das wissen. Da die Studie belegt, dass 93 Prozent der Unternehmen aktiven Umgang mit Open-Source haben, fügt er an:

Unternehmen tun deshalb gut daran, sich mit dem Thema auf strategischer Ebene auseinanderzusetzen

Die vermehrte Nutzung von Open-Source-Software führt inzwischen bei vielen IT-Anbietern dazu, mehr Gewicht auf eine durchgängige Open Source Strategie zu legen, um Probleme durch unkontrollierte Verbreitung von OSS in ihren Entwicklungsabteilungen zu vermeiden. Und besonders IT-Anbieter (ganze 42%) sorgen sich um Compliance-Risiken, was Open Source Lizenzen angeht.

Tatsächlich sollte eine klare, dem Unternehmen angepasste Open Source Strategie ein wichtiges Thema sein ebenso wie ein effizientes OS Management und die verlässliche Compliance-Kontrolle aller verwendeten Komponenten.

Black Duck Software, einer der Sponsoren der Studie, ist davon überzeugt, dass eine effektive und sachkundige Nutzung von Open-Source in der Softwareentwicklung nicht mehr wegzudenken ist. Das Unternehmen hilft nicht nur Entwicklerteams ihre Ziele mittels OSS schneller und besser zu erreichen, sondern stellt auch Werkzeuge zur Verfügung, die sicherstellen, dass der Code der fertigen Software allen rechtlichen Auflagen und Verpflichtungen genüge tut.

Dazu sagt Dr. Matthias Stürmer, Studienleiter und Manager bei Ernst & Young:

Die Studie zeigt deutlich, dass Unternehmen und Behörden das Potential von Open Source Software noch nicht ausgeschöpft haben. Firmen wie Black Duck können dabei unterstützen, Open Source Software professionell in geschäftskritischem Umfeld einzusetzen.

Die Studie gibt es hier als PDF: Open Source Studie Schweiz 2012

Natürlich ist die Studie sowohl ein bisschen Werbung für Open-Source als auch für Black Duck Software – was auch nicht verwerflich ist – niemand behauptet, mit Open-Source kein Geld verdienen zu dürfen. Aber ich wäre nicht ich, wenn ich nichts zu motzen fände :) … an der Studie selbst nicht – ich freue mich ja, wenn Open-Source an Gewicht gewinnt, aber … Lieber Absender der Studie – wenn man schon ein Dokument über eine Open-Source-Studie verschickt, muss das wirklich nicht im docx-Format sein, oder?



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2 Kommentare zu “Open-Source in der Schweiz mit hohem Stellenwert: 93% der befragten Organisationen nutzen Open-Source aktiv”

  1. Didi sagt:

    Ich führte dazu kürzlich eine Diskussion über Twitter. Der Teilnehmer meinte tatsächlich, die Durchsetzung von Open Source in Unternehmen würde Kosten produzieren, die jene durch proprietäre Software entstehenden übersteigen dürften. Aus diesem Grunde möge man doch bitte kurzerhand bei Windows bleiben.
    Ich behaupte das Gegenteil, jedenfalls langfristig. Kurzfristig dürfte man allerdings auf heftige Widerstände der Mitarbeiter stoßen, was in der Tat Kosten produzieren wird. Man wird alles tun, Veränderungen, die Mehrarbeit bedeuten, zu verhindern. Dies zu unterbinden und Open Source durchzusetzen, ist in erster Linie ein Führungsproblem. Offensichtlich eines, welches etwa das Auswärtige Amt Deutschlands nicht bewältigen konnte. Aber wenigstens war man nicht zu feige, die mangelnde Akzeptanz der Mitarbeiter zuzugeben. Wobei man allerdings nicht zögerte, in einem Atemzuge technische Probleme vorzuschieben.
    Ich sehe mich jetzt durch die Schweizer in meiner Auffassung bestätigt.

    • jdo sagt:

      Ich sehe es in vielen Gebieten ähnlich - es ist das "Was der Bauer nicht kennt, frisst er nicht"-Problem. Dabei bin ihc mir sicher, dass 75% an Mitarbeitern nicht mal merken würden, ob sie nun mit LibreOffice oder MS Office einen Brief tippen. Klar gibt es ein paar Spezilisten, die alle Dokumente so mit Excel zusammengebastelt haben, dass diese eben nur mit MS-Produkten laufen. Aber die meisten Anwender nutzen ja nicht einmal 5% der Möglichkeiten der heutigen Office-Produkte (mich eingeschlossen).

      Selbst wenn man Windows einsetzte, könnte man auch durch Open-Source Geld sparen. Ich sehe den Einsatz von plattformübergreifender Software auf Windows sogar als Sprungbrett zu einem freien Betriebssystem. Wenn eine Schreibkraft dann mal mit LibreOffice vertraut ist, dann könnte man ihr auch PC-BSD mit LibreOffice vor die Nase setzen - es macht keinen Unterschied.

      Ich sage seit Jahren, dass eines der größten Hindernisse weg von Windows (im Business-bereich) das Quasi-Monopol der Office-Welt aus Redmond ist. Sollte dieser Pfeiler fallen, wäre viel gewonnen. Wie gesagt finde ich es sehr seltsam, dass eine Open-Source-Ankündigung als docx verschickt wird - gut LibreOffice hat es ohne motzen aufgemacht - aber gebraucht hätte es das nicht - vor allen Dingen erwarte ich von einer Firma, die Open-Source-Strategien als Geschäftsmodell anbietet, dass man dies dann auch entsprechend lebt ...

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