openSUSE-Entwickler: Unity ist ein Alptraum in Sachen Wartung

5 Februar 2012 22 Kommentare Autor: Jürgen (jdo)

Fedora Linux LogoAuf der Fedora-Mailing-Liste hat eine Diskussion gestartet, ob man Ubuntus Unity auf Fedora portieren kann oder sollte. Ein Argument war, dass es Unity-Pakete auch für openSUSE gebe. Nun habe ich bei Phoronix gelesen, dass sich die Sache nicht ganz so einfach gestaltet.

Zunächst gibt es wohl keine Freiwilligen, die die Pakete pflegen wollen. Unity bedient sich nicht der Upstream-APIs von GNOME, was Inkompatibilitäten provoziert. Somit scheint Unity für Fedora sowieso zunächst vom Tisch.

Viel interessanter ist aber, was der Entwickler Nelson Marques zu sagen hat. Er hat an der anfänglichen Unterstützung „Unity für openSUSE“ gearbeitet. Allerdings sei er nicht weit gekommen und auch für openSUSE sei Unity vom Tisch.

Marques hat sogar ein Anfrage gestellt, die Ayatana-Repositories für openSUSE komplett zu löschen. Ebenfalls schreibt er, dass Unity niemals ein Teil von openSUSE werden wird, solange die Desktop-Umgebung keine Upstream-APIs verwendet.

Das einzige, was unter openSUSE kurzfristig funktioniert hat, war sowieso nur die 2D-Version von Unity. Ubuntu Unity Desktoop mit Compiz und dem ganzen Schnickschnack habe nie richtig getan. Fedoras Pläne von Compiz wegzugehen, würden die Sache zusätzlich erschweren.

Nelson Marques schließt seine Meldung an die Fedora-Entwickler mit harten Worten. Persönlich finde er, dass Unity sehr intrusiv und ein Alptraum zu Warten ist. Er wünsche den Fedora-Entwicklern viel Glück dabei.

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22 Kommentare zu “openSUSE-Entwickler: Unity ist ein Alptraum in Sachen Wartung”

  1. UbuntuFlo sagt:

    Moin Jürgen, auch heise open fasst das ganz gut zusammen: http://www.heise.de/open/artikel/Die-Woche-Unity-geht-nicht-im-Alleingang-1427248.html

    Liebe Grüße, Flo

    • jdo sagt:

      Stimmt, ist ein guter Kommentar.

      Ich denke mir das auch schon länger, wollte es bisher aber nie so direkt sagen: Die Standard-Ubuntu-Distribution (Unity) schießt sich immer weiter ins Aus. Man bekommt immer mehr das Gefühl, dass Mark Shuttleworth um die Bohne seinen Willen durchsetzen möchte und er sich aber keinen Fehler eingestehen will.

      Dabei hab ich persönlich nicht einmal so viel gegen Unity selbst. Aber Ubuntu ist für mich seit dem Global Menu einfach gestorben. Auf nem 21"-Bildschirm will ich bei einer kleinen Applikation, die rechts unten läuft nicht quer mit der Maus über den Bildschirm fahren müssen. HUD ist ganz nett - aber das scheint irgendwie unter anderem eine Rechtfertigung für das Global Menu zu werden.

      Ich weiß ja nicht, wie der Herr Shuttleworth drauf ist. Aber je mehr negativ über Unity gesprochen wird, desto sturer könnte der werden und mit einer "Jetzt erst Recht, denen zeig ichs"-Mentalität an die Sache gehen. Das beste Heilmittel wäre wohl ein totales Ignorieren. Selbst schlechte Presse ist Aufmerksamkeit - die größte Strafe für einen Menschen ist Ignoranz.

      Viele Grüße,
      Jürgen

      • burli sagt:

        Das Global Menu ist eher die Vorbereitung für das HUD

        • jdo sagt:

          ... womit es das Global Menu rechtfertigt? Im Endeffekt ist es auch egal, weil das meine persönlichen Probleme mit der Störung des Arbeitsflusses unter Unity nicht beseitigen wird.

          Ich hab derzeit Cinnamon am Laufen und bin davon wirklich angetan. Es ist zwar noch nicht ganz perfekt, aber gibt mir im Prinzip genau das, was ich bei Unity oder auch GNOME 3 vermisst habe. Nun ist allerdings auch mein schöner Plan dahin, auf Xfce zu wechseln ... macht aber nichts 🙂

          Herr Levebfre scheint mehr mit den Augen eines Anwenders sehen zu können als Herr Shuttleworth. Zumindest trifft er meinen Geschmack besser und vereinfacht mir den Arbeits-Alltag.

          • burli sagt:

            Über persönliche Vorlieben muss man nicht streiten. Hätte jeder den gleichen Geschmack gäbe es nur ein Auto, ein Musikstück und eine Desktopumgebung.

            Mark Shuttleworth hat denke ich eine Vision für die Zukunft. Sein Ziel ist es, diese Vision Wirklichkeit werden zu lassen. Und ich bin mir sicher, er ist sich der Probleme und Kritik bewusst. Aber wenn er auf alle Wünsche der Community eingehen würde könnte er vermutlich seine Vision nicht realisieren.

            Siehe dazu auch

            http://www.codinghorror.com/blog/2012/02/listen-to-your-community-but-dont-let-them-tell-you-what-to-do.html

            Da ist finde ich viel wahres dran

          • jdo sagt:

            Sehr schöner Link und gut zu lesen. Aber auch da steht drin, dass 10 Prozent des Feedbacks gut sind. Spiegelt man das auf Unity finde ich das den entscheidenden Satz: "Always try to identify what the underlying needs are, and come up with a sensible roadmap."

            Und gegen diese Needs gibt es einfach sehr viele Proteste. Ich bin ja nicht alleine mit der Meinung, dass das Global Menu auf einem großen Bildschirm einfach nur grausam ist. Warum kann ich nicht irgendwo einfach einen Haken setzen, der mir das Global Menu ganz abschaltet, beziehungsweise für bestimmte Applikationen deaktiviert? Schon hätte man allen Unity-Nutzern mit großen Bildschirmen den Wind aus den Segeln genommen.

          • burli sagt:

            Du kannst es ja immer noch deinstallieren. Der "Haken" ist halt nicht in einer schönen GUI sondern nur in Synaptic zu finden.

            Und wie gesagt, Mark hat ein Ziel. Und dieses Ziel beinhaltet vermutlich keine klassischen Menüs.

            Ich sehe das einfach pragmatischer. Würde ich immer an altgewohntem festhalten hätte ich nie den Wechsel von Windows zu Linux gemacht sondern würde immer noch XP verwenden. Den Wechsel von Windows zu Linux fand ich schlimmer als den Wechsel von Gnome 2 zu Unity. Von daher verstehe ich den Aufruhr nicht.

          • jdo sagt:

            Versteh mich bitte nicht falsch. Es ist seine Distribution und er kann damit machen, was er möchte. Aber gar nicht auf die Community zu hören darf er sich nicht wundern, wenn ihm die Anwender weglaufen. Ist auch eigentlich egal, weil es mehr als genug Alternativen gibt.

            Die Option via apt-get zu deinstallieren ist aber nicht wirklich eine Option für den normalen Anwender.

            Ich finde es nur schade für Ubuntu. Da bauen sie so eine tolle Community auf und ich habe einfach das Gefühl, dass sie sich diese derzeit wieder zerstören.

            Die Zeit wird es zeigen ...

          • burli sagt:

            Wie gesagt, was käme dabei heraus, wenn er auf die Community hört? Ein System, das ER nicht will. Ein System, was nicht zu seiner Vision passt. Ein System, was es in ähnlicher/vergleichbarer Form noch gefühlt 1000x gibt.

            Um Erfolg zu haben muss man manchmal unbeliebte Entscheidungen treffen. Ob es zum gewünschten Ziel führt wird die Zukunft zeigen.

    • Tom sagt:

      Das ist ein echt guter Artikel auf Heise und für mich ist die entscheidende Stelle folgende:
      Die Mint-Macher haben begriffen, dass es im Alleingang nicht geht: Deren kürzlich freigegebene Desktop-Oberfläche Cinnamon 1.2 lässt sich auch bei anderen Distributionen ohne größere Umstände nachrüsten.

      Cinnamon liegt genau auf meiner Schiene und zielt in seinen Ansätzen genau das auf die Probleme ab, die viele langjährige Gnome-User mit Unity und auch mit Gnome 3 haben. Es nutzt modernere Technologie von Gnome 3 und gibt dem dem User nicht nur die "alte" Oberfläche zurück, sondern auch - vor allem im Falle von Unity - die Kontrolle über sein Panel!

      Ich finde auch die Philosophie der Mint-Macher wesentlich besser und vor allem auch anwenderfreundlicher. Sie sind IMO näher an der besseren Usability dran als Ubuntu und sie öffnen sich vor allem auch allen Distributionen und nicht nur für die eigene!

  2. burli sagt:

    Ich bin auch gespannt, wie es mit Compiz weitergeht. Ich mag zwar Unity, aber ob Compiz eine gute Entscheidung war bezweifle ich langsam.

    • Lucas sagt:

      Ich denke sie werden schlussendlich voll auf Unity 2D mit Qt setzten.
      Beim Ubuntu TV setzten sie ja auch auf die 2D-Variante.

  3. Vegeta sagt:

    Tja, sieht ja insgesamt nicht rosig aus für Unity, sich als weiterer Desktop zu etablieren. Dass die Masse an Programmierer ihre Anwendungen extra für Unity anpassen, ist damit dann noch unwahrscheinlicher geworden. Wenn der Support für Trayicons irgendwann komplett abgeschaltet wird (ab Ubuntu 12.04 kann man nicht mehr alle Trayicons freischalten, sondern nur noch für einzelne Anwendungen), dann können plötzlich viele Anwendungen von einem zum nächsten Ubuntu-Release nicht mehr richtig oder garnicht mehr benutzt werden.

    Sollten da noch mehr bewusste Inkompatibilitäten seitens Canonical kommen, umso mehr drückt man sich selber ins Abseits.
    Bin echt gespannt wie es weitergehen wird, die Entscheidung mit Compiz dürfte früher oder später jedenfalls für Kurskorrekturen führen.

    • jdo sagt:

      Ich würde gerne bei Linux Mint Mäuschen sein, ob es da Überlegungen gibt, die Basis "Ubuntu" gegen eine andere zu tauschen.

  4. Didi sagt:

    Mir gefällt Unity sehr gut. Noch besser gefällt mir jedoch Gnome 3. Was nicht heißen soll, dass mir andere Oberflächen missfallen. Der ganze Aufmarsch um Pro und Kontra inklusive Schmähkritik sowohl gegen die eine als auch die andere Oberfläche ist nicht nachvollziehbar. Allein die zunehmende Kommerzialisierung Ubunbtus bereitet mir Sorgen.

  5. Igby sagt:

    Laut dieses Posts im fedoraforum.org dürfte compiz im Mai (mit dem Erscheinen von Fedora 17) Geschichte sein:
    http://forums.fedoraforum.org/showpost.php?p=1545279&postcount=2

    Es bleibt also nicht beim Plan. Es wird in die Tat umgesetzt.

  6. k1l sagt:

    Schade, dass auf die 30-40 Mails warum gnome sich so gegen Crossplatform Entwicklungen und Standards stellt unter den Teppich gekehrt werden.
    http://lists.fedoraproject.org/pipermail/devel/2012-January/161806.html < zeigt sehr gut, wo eigentlich das Problem mit UNity liegt. Auch der KDE Entwickler Martin Gräßlin hat damals zur Überlegung zu Unity diesen Teil schon angesprochen: http://blog.martin-graesslin.com/blog/2010/11/unity-herausforderung-und-chance-fur-den-freien-desktop/ Da hat sich gnome (RedHat) bisher nicht kooperativ gezeigt.

    Compiz hingegen ist ein opfer seines eigenen Erfolgs geworden. Die Ideen, die Compiz eingebracht hat wurden von den großen DE übernommen und selbst umgesetzt (Kwin, Mutter) und macht somit Compiz selbst überflüssig. siehe http://www.phoronix.com/scan.php?page=news_item&px=MTA1Mjc
    So bleibt eigentlich fast nur noch Unity übrig, die auch grade die Hauptentwicklung betreiben.

  7. [...] wirklich einfach in andere Distributionen integrierbar zu sein, wie Jürgen von bitblokes.de heute passend zusammengefasst [...]

  8. UbuntuFlo sagt:

    „Gerade die unter Linux-Fans heiß umstrittene neue Unity-Arbeitsoberfläche ist es, was das System für Normal-User interessant macht: die ist einfach, übersichtlich und intuitiv zu bedienen - das kann locker auch mit Apple konkurrieren.“ (http://www.spiegel.de/netzwelt/gadgets/0,1518,812304,00.html)

  9. Fabian sagt:

    Wie ich schon gaaaaaaaaaanz zum Anfang von Unity mal sagte: Mal hätte lieber KDE Plasma als Basis für Ubuntu nehmen sollen. So hätte man zukünftige Techniken ohne Inkompatiblität und Qt wär auch super in der Unterstützung. Man hätte sich den Mist, Compiz auf GLES2 zu Portieren sparen können, wenn Kwin kann das schon. Man hätte jetzt eine Tablet Oberfläche fertig die auch auf Tablets gut funktioniert und wär näher an der Community. Natürlich erfindet man aber das Rad lieber 3 mal neu..

    • 4m sagt:

      Es wird nicht versucht das Rad neu zu erfinden, sondern neue Reifen auf zu setzen. Bloss, statt welche zu nehmen, von denen man weiss, dass sie passen, versucht man welche zu erfinden, die effektiver laufen und laenger halten.

      Neu erfinden muss man das Rad ja nicht, aber es waere schoen, wenn man es um die neu verfuegbaren Dimensionen erweiterte.

      Nokias Qt Lizensierung ist moeglicherweise etwas zu speziell fuer Canonical um sie als Grundlage fuer Ubuntus Oberflaeche zu verwenden.

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