Gefälschte USB-Sticks auf Amazon – Problem: Datenverlust!

Kein Kommentar Autor: Jürgen (jdo)

Eigentlich kann man sich denken: Klingt es zu gut, um wahr zu sein, ist es das wahrscheinlich auch. Gefälschte USB-Sticks auf Amazon sind wohl ein Problem. Zumal es das Angebot mehrmals gibt und Rezensionen mit Beweisbildern nicht dazu führen, dass die Angebote vom Markt genommen werden. Das größte Problem bei den gefälschten USB-Sticks ist, dass sie die beworbene Kapazität nicht haben und das zu Datenverlust führt.

Also angeblich hat dieser USB-Stick 1 TByte Speicherplatz und ist USB 3.0 – für knapp über 30 €. Bin ich da skeptisch, wenn Konkurrenzprodukte über 100 € kosten? Scheißt der Bär in den Wald?

Gefälschte USB-Sticks – von wegen 1 TByte
Gefälschte USB-Sticks – von wegen 1 TByte

Wichtig: Das Problem scheint nicht nur Flash-Speicher mit 1 TByte zu betreffen. Ähnlich aussehende USB-Sticks, die scheinbar sehr günstig sind, lassen sich ebenfalls auf Amazon finden. Ich kann es nicht beweisen, vermute allerdings, dass es sich um die gleiche Masche und den gleichen Betrug handelt.

Ich habe ihn dennoch bei Amazon bestellt, weil ich es genau wissen wollte. Äußerlich macht der Stick einen soliden Eindruck. Beim Einstecken meldet er sich auch mit 1 TByte Speicher FAT und ich habe ihn aber als ext4 formatiert. Auch hier meldet sich das Ding mit 1 TByte Storage. Um die Fälschung etwas perfekter zu machen, wird vorn mit etwas blauer Farbe angemalt. Blaue Farbe beschleunigt aber die Schreibgeschwindigkeit nicht.

Das Kopieren auf den Stick ist aber quälend langsam, wobei ich damit noch leben könnte. Der Einsatzzweck wäre langfristiges Storage und hierbei ist mir Geschwindigkeit nicht ganz so wichtig.

Ich war trotzdem skeptisch und habe Daten natürlich nicht verschoben, sondern kopiert. Lange Rede … der USB-Stick hat sich komisch verhalten und nach dem Neustart des Computers wurde gemeckert, dass etwas mit dem Dateisystem nicht stimmt und so weiter. Da schrillen die Alarmglocken und das ist ein Fall für f3 – Fight Flash Fraud.

Auf Amazon werden derzeit krass gefälschte USB-Sticks verkauft – kann zu schlimmen Datenverlust führen
Auf Amazon werden derzeit krass gefälschte USB-Sticks verkauft – kann zu schlimmen Datenverlust führen

Das Problem ist: Scheinbar nimmt der USB-Stick mehr als 32 GByte Daten auf (das System denkt, er hat 1 TByte), aber alles, was darüber ist, landet im digitalen Nirwana! Kopierst Du mehr als circa 32 GByte auf den USB-Stick, sind die Daten einfach verloren! Wir sprechen hier also nicht von ein paar MByte, sondern das Produkt hat nur circa 3 % der angegebenen Kapazität und ist auch nicht USB 3.0. Das ist schlicht und einfach Betrug.

Das Problem ist auch kein Einzelfall. Suche ich nach USB Stick 1 TByte, bekomme ich gleich auf der ersten Seite drei von diesen Fälschungen angeboten.

Gleich drei Fälschungen auf der ersten Seite
Gleich drei Fälschungen auf der ersten Seite

Ich habe die Fälschungen bei Amazon angeprangert und man wolle sich bei mir wieder melden, hat es geheißen.

Gefälschte USB-Sticks erkennen

Meine Daten hatte ich weiterhin und der gefälschte USB-Stick wurde via Amazon bestellt – somit kann ich ihn jederzeit zurückschicken, was ich auch gemacht habe. Also keine Panik an dieser Stelle. Allerdings habe ich mir schon die Zeit genommen, den gefälschten USB-Stick etwas zu untersuchen. Ich benutze das auf Ubuntu basierende Linux Mint und die Installation von f3 ist ein Kinderspiel, weil es im Repo ist:

sudo apt install f3

Das Programm ist nicht groß und ziemlich schnell installiert.

Installiere f3, um gefälschte USB-Sticks zu erkennen
Installiere f3, um gefälschte USB-Sticks zu erkennen

Nun kannst Du Deinen USB-Stick testen. Du führst etwa dafür folgenden Befehl aus:

sudo f3probe --destructive --time-ops /dev/sdb

Da es sich bei dem Datenträger um einen USB-2.0-Stick handelt, dauerte der Test natürlich etwas länger. Mit etwas Geduld sieht das Ergebnis wie folgt aus:

Gefälschte USB-Sticks entlarvst Du mit f3 (Fight Flash Fraud)
Gefälschte USB-Sticks entlarvst Du mit f3 (Fight Flash Fraud)

Das Programm f3 sagt mir, dass es sich um einen gefälschten USB-Stick handelt, dessen benutzbare Größe bei circa 30 GByte liegt.

Im Endeffekt ist die von Amazon verkaufte Ware kein USB-Stick 3.0 mit 1 TByte, sondern ein USB-Stick 2.0 mit 32 GByte. Es gibt sogar schon mehrere Rezensionen, die auf das Problem hinweisen – auch mit Beweisbildern. Trotzdem werden die Datenträger unter verschiedenen Links bei Amazon weiterhin verkauft – sogar als Prime-Versand.

Ich habe auch schon gefälschte Puma-Unterhosen bei Amazon gekauft (wusste ich natürlich nicht), die sich dann nach 4 Monaten in ihre Einzelteile aufgelöst haben. Das ist zwar ärgerlich, führt aber nicht zu Datenverlust. Aber diese USB-Sticks können richtig Schaden anrichten und das ist ein Problem.

Das steckt in f3 – Fight Flash Fraud

Das Tool f3 besteht nicht nur aus f3probe. Es gibt f3brew, f3fix, f3probe, f3read und f3write.

f3 – verschiedene Programme
f3 – verschiedene Programme

Für jedes dieser Programme gibt es eine sogenannte man page, Beispiel: man f3write

Das machen die Programme – kurzer Überblick:

  • f3probe: schneller Kapazitätstest
  • f3read und f3write: Test der echten Flash-Speicherkapazität
  • f3fix: die Partitionstabelle eines gefälschten Flash-Speichers bearbeiten – Kapazität auf die tatsächliche Größe korrigieren.
  • f3brew: hilft Entwicklern, die Funktionsweise gefälschter Speichergeräte zu verstehen

Wie kann ich testen, ob mein USB-Stick gefälscht ist?

Du kannst ziemlich einfach testen, was wirklich in Deinem USB-Stick steckt.

Time needed: 15 minutes.

So überprüfst Du mit f3, ob Dein USB-Stick auch das ist, wofür Du bezahlt hast.

  1. Finde den Gerätenamen

    Unter Linux findest Du den Gerätenamen ziemlich einfach mit dem Befehl lsblk. Also in meinem Fall ist der USB-Stick als /dev/sdb im System.

  2. Mit grafischem Tool den Gerätenamen finden

    Du kannst auch ein grafisches Tool nehmen, sollte Deine Distribution das anbieten.

  3. Installiere f3

    Unter Linux Mint oder Ubuntu ist f3 schnell installiert: sudo apt install f3

  4. Teste den USB-Stick

    Nun führst Du einfach diesen Befehl aus und wartest: sudo f3probe –destructive –time-ops /dev/sdb

Mit nur wenigen Schritten hast Du nun getestet, ob es sich bei Deinem USB-Stick um eine Fälschung handelt oder nicht.

FAQ – gefälschte USB-Sticks

Es gibt ein paar Punkte, auf die Du beim Kauf eines USB-Sticks achten solltest.

Wie erkenne ich, dass ein USB-Stick gefälscht ist?

Auf den ersten Blick ziemlich schwer. Beim Kauf selbst gibt der Preis wohl einen Hinweis darauf, ob das mit rechten Dingen zugehen kann oder nicht. Ansonsten musst Du mit einem Tool wie f3 selbst testen und schickst den USB-Stick notfalls wieder zurück.

Kann ich testen, ob mein USB-Stick oder Flash-Speicher gefälscht ist?

Ja, das kannst Du. Mit Linux und dem Programm f3 ist das ziemlich einfach. Du installierst einfach das Programm, findest die Gerätebezeichnung Deines Flash-Speichers heraus und testest danach mit diesem Befehl: sudo f3probe –destructive –time-ops /dev/sdX (wobei sdX für Dein Gerät steht, etwa sda oder sdb)

Warum sind gefälschte USB-Sticks ein Problem?

Wäre nur die Geschwindigkeit falsch angegeben, wäre das nervig, aber kein schlimmes Problem. In meinem Fall hat sich aber ein Flash-Speicher mit realen 32 GByte als 1 TByte ausgegeben. Alles, was Du über 32 GByte auf den Flash-Speicher oder USB-Stick schreiben würdest, ist verloren – realer Datenverlust und das ist ein Problem.

Läuft f3 auch mit Windows oder macOS?

Auf der Website des Projekts steht, dass Du die Software unter Windows oder Cygwin kompilieren kannst. Auf einem Mac kannst Du es mit HomeBrew installieren. Aber derzeit setzen f3probe, f3fix und f3brew Linux voraus.




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