Ägyptisches Boot-Crew-Mitglied zerstört meine Kamera und ich hab die Kosten zu tragen

11 August 2011 2 Kommentare Autor: Jürgen (jdo)
Tokina Fisheye 10-17mm

Das war mein Objektiv, bevor es der Idiot zerstörte.

Update: Die Ägyptische Botschaft in Deutschland hat sich mittlerweile gemeldet (heute 23.08.2011) und werden versuchen, etwas herauszufinden.

Dieser Artikel ist zuerst in meinem Tauchportal dive-hive.com erschienen. Ich will aber, dass so viele Leute wie möglich darüber erfahren.

Einige Dinge sind einfach nur noch unglaublich und ich bin immer noch stocksauer. Was ist passiert? Ich hab mich einem zweitägigen “Pro-Trip” bestehend aus Tauchlehreren und Divemastern angeschlossen.

Es geschah beim letzten Tauchgang und wir hatten etwas Wellengang zwischen Woodhouse und Jackson in Tiran (Nahe Sharm El Scheich) letzte Woche. Weil ich eine doch recht große Kamera habe, kann ich mit dieser nicht allein in das Boot steigen. Somit muss ich diese jemandem in die Hand geben. Dieser Typ, Ahmed, nahm mir die Kamera ab und ich fing an, in das Boot zu klettern.

Gerade oben angekommen sah ich meine Hugyfot-Gehäuse inklusive der Canon EOS 7D am Boden aufschlagen. Frage: Wenn Dir jemand eine teuere Kamera in die Hand gibt, was machst Du damit?

  • Du behältst diese in der Hand und gibst Sie dem Taucher zurück, sobald er aus dem Wasser ist.
  • Du legst sie irgendwo in Sicherheit auf den Boden.
  • Du platzierst sie dort (auf dem Bild unten beschrieben. Das Boot ist nicht die Tower 4, aber die Dinger schauen irgendwie alle gleich aus und man bekommt eine Idee, wo dort ist). Dort ist der 15cm breite Balken hinter der Stange, wo normalerweise die Flossen reinkommen.
Dort

Dort (zum Vergrößern Klicken)

Nun ratet mal, welche Option das Superhirn gewählt hat? – Genau! Dort! Die Kamera krachte aus zirka 1.5 Meter auf den Boden und schlug echt hart auf. Domeport kaputt und das Tokina-Objektiv ist an einer Stelle durchgeknackst. Das Objektiv fokussiert nun nicht mehr automatisch und eines der flachen Kupferkabel ist gerissen. Sollte das Gehäuse noch dicht sein, ist der Schaden zirka 1150 Euro.

Ein Ägyptischer Freund, der mit uns Tauchen und an Bord war hat den Manager der Tower 4 angerufen (Farid Mar’e oder so ähnlich +20106112338) und seine erste Antwort war: Das war der Wille Gottes, dass die Kamera heruntergefallen ist und er könne nichts für mich tun. Außerdem sei der Besitzer in Russland und er könne ihn nicht erreichen. Ich hab zwar acht Zeugen die bestätigen, dass dort der absolut blödeste Platz ist, wo man die Kamera oder irgendwas schweres platzieren kann, aber das stört denMmanager nicht. Ebenso will er den Besitzer des Bootes nicht herausrücken.

Ich würde aber gerne mit dem Besitzer selbst sprechen, weil der Schaden durch die Fahrlässigkeit eines seiner Crew-Mitglieder verursacht wurde und ich daher erwarten darf, dass er als Verantwortlicher dafür aufkommt.

Nach einigen Nachforschungen sah es zunächst so aus, als würden drei Brüder die Besitzer sein, denen auch die Hotels New Tiran in Naama Bay und Tower Beach Club Hotel (aber nicht sicher) und das Einkaufszentrum Tiran in Old Market gehören. Die Hotels sind in den Reise-Portalen sowieso nicht als besonders toll eingestuft.

Nach einigen weiteren Fragen sieht es aber so aus, dass die Brüder in den Korruptions-Skandal um Mubarak involviert sind. Angeblich haben sie ihr Hab und Gut an ein italienisches Konsortium verkauft und sind untergetaucht. Nach diesen Informationen sind also alle Besitzer in Russland oder der Manager hat ganz einfach gelogen.

Nun hatte ich die Idee die CDWS (Chamber of Diving and Watersports) anzuschreiben, die ja nach eigener Aussage die Kontrolle über die Wassersport-Aktivitäten haben. Ich bekam nach drei Tagen eine Antwort, dass die Tower 4 ein “Daily Boat” ist und daher nicht bei der CDWS registriert. Das Toursimus-Ministerium sollte es aber wissen. Warum die dort nicht nachfragen können, bleibt ein Geheimnis.

Der Reiseveranstalter aquatours.com bewirbt das New Tiran Hotel auf ihrer Webseite. So hab ich dort mal angefragt, ob die vielleicht wissen, wem die Tower 4 gehört. Keine Antwort.

Danach schrieb ich die Deutsche Botschaft in Kairo und die Ägyptische Botschaft in Berlin an. Die Deutsche Botschaft erzählte mir, dass sie mir lediglich mit einer Liste von Rechtsanwälten weiterhelfen könnte und hat mir darüber hinaus ein PDF mit irgendwelchem Juristendeutsch geschickt. Ich müsse das Problem vor Gericht bringen. Die Ägyptische Botschaft hat sich nicht mal gemeldet.

Fliegende Echte Karettschildkröte

Das kann man mit einer funktionierenden Kamera machen!

Tut Euch selbst einen Gefallen und bleibt ja von den Tower-Booten und deren anderen Geschäften fern. Es gibt in diesem Land viel ehrlichere Leute, wo Euer Geld viel besser aufgehoben ist. Außerdem ist der Service besser und die Leute kümmern sich um Euch. Ein paar Euro mehr für guten Service sind bestimmt gut angelegt. Geht zu Tauchbasen, die seit langer Zeit bestehen und einen guten Namen haben. Einige meiner Freunde arbeiten bei Poseidon Divers oder Sinai Divers. Wer technisch Tauchen gehen möchte ist bei Dahab Divers Technical gut aufgehoben.

Lange Rede kurzer Sinn: Ich muss nun für den Schaden aufkommen, den ein anderer verursacht hat. Wenn ihr mich hier unterstützen wollt, dann verbreitet diese Geschichte via Facebook, in Foren, Twitter, was auch immer.

War der Tag vorbei? Noch lange nicht … Nachdem wir die Anlegestelle in Sharm El Sheikh verlassen hatten, hielten wir an einem Supermarkt und kauften etwas Essen und Getränke. Einer meiner Freunde hat Chips außerhalb des Markts gegessen. Kam so ein Typ vorbei und nannte ihn einen Sünder (es ist Ramadan, aber behaltet im Hinterkopf, dass Sharm El Scheich mehr mit Disneyland als mit Ägypten zu tun hat). Er ging so zehn Meter weiter, drehte um, kam zurück und fragte uns ob wir Haschisch kaufen wollen (was die weit größere Sünde ist!).

Der Tag nun vorbei? Aber nicht doch … Wir haben noch einen Stopp bei McDonalds eingelegt und die verkaufen derzeit alle Gerichte doppelt so groß. Also man bekommt einen Big Mäc mit vier lagen Fleisch. Wir wussten das vom Vortag und haben somit ausdrücklich einfache Portionen bestellt, weil das einfach viel zu viel ist. Wir haben das Essen bekommen und schätzt mal. Genau – alles doppelte Rationen.

  • Wir: “Entschuldigung, wir haben einfache Portionen bestellt”
  • Antwort: “Ja, ich weiß.”
  • Wir: “Aber das sind doppelte.”
  • Antwort: “Ja, ich weiß.”
  • Wir: “Warum haben wir denn dann doppelte?”
  • Antwort: “Weil die nur fünf LE (Ägyptische Pfund) teurer sind.”

Mir machen fünf Ägyptische Pfund echt nichts aus (nicht mal 75 Cent), aber da war ich kurz vorm Explodieren.

Die gute Seite des Trips (Fotos) könnt ihr in den Artikeln Noch ein toller Tauchtag im Nationalpark Ras Mohammed, Sinai, Ägypten und Tauchen in Tiran oder Schildkröten so weit das Auge reicht. Vielen Dank an Nader, der alles versucht hat, um den Namen des Besitzers aus dem Manager zu quetschen. Kostenlose Hintergrundbilder (Schildkröten, Barakudas) von dem Trip in den Auflösungen 1900×1200 und 1280×1024 gibt es hier.



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2 Kommentare zu “Ägyptisches Boot-Crew-Mitglied zerstört meine Kamera und ich hab die Kosten zu tragen”

  1. Abu Zib sagt:

    Unterwassereinsatz ist generell hart für jede Kamera. Würde sich für die Ausrüstung eine Kameraversicherung lohnen? Frag doch einfach mal beim DJV nach.

    Link: http://vs.djv.de/Equipmentversicherung/

    • jdo sagt:

      Es ist vor allen Dingen dann hart für die Kamera, wenn man diese in die hand eines offensichtlichen Vollidioten gibt.

      Ich bin Mitglied im DFJV und schau bei denen gerade nach ...

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