Devuan: Debian-Fork ohne systemd

29 November 2014 11 Kommentare Autor: Jürgen (jdo)

Es gibt derzeit ein gewaltiges Unwetter im Debian-Lager. Die Gemüter haben sich über systemd so erhitzt, dass einige gleich einen Fork von Debian ins Leben gerufen haben, der sich Devuan nennt.

Warum Devuan entstand

Kurz gesagt ist man sich in die Haare geraten, ob man nun systemd, Upstart oder SysVInint verwenden soll. Es ist wohl so, dass man sich bei Debian für systemd entschieden hat und einigen hat dies gar nicht geschmeckt. Nun ist die Ankündigung für den Fork, Devuan, da.

Man glaubt, dass dieser Umstand Teil eines längeren Prozesses ist, bei dem die GNOME-Projekt-Agenda langsam aber sicher Debian übernehmen möchte.

Das ganze Drama ging sogar so weit, dass einige Debian-Entwickler (darunter Ian Jackson) das Handtuch geworfen haben.

Durch systemd sei man um die Freiheit des Debian-Projekts besorgt und eine Annahme würde weitreichende Konsequenzen mit sich bringen. Man kann das alles in der Ankündigung nachlesen.

Allerdings will man nicht mehr über systemd diskutieren, da dies zu viel Energie und Drama verursacht habe. Man sehe keinen anderen Ausweg mehr und konzentriert sich lieber auf einen Fork des Projekts. Die gemeinnützige Organisation Dyne.org hat schon Unterstützung versprochen. Der Fork nennt sich Devuan.

Devuan: Der Debian-Fork

Devuan: Der Debian-Fork

Das mittelfristige Ziel ist es, eine zuverlässige und minimale Basis-Distribution zu erstellen, die von Homogenisierung und dem Lock-In von systemd entfernt bleibt. Diese Linux-Distribution sollte fertig sein, wenn auch Debian 8 „Jessie“ das Licht der Welt erblickt.

Derzeit würden sich nur Slackware und Gentoo wehren. Man bräuchte aber auch eine apt-get-basierte Distribution, die diesen Weg geht.

Es gäbe bereits einen interessanten Ansatz für diesen Plan (http://without-systemd.org/debian-jessie/). Dort erklärt man, wie ein 64-Bit-Installer von Debian TEsting ohne systemd funktioniert. Bei Devuan würde man das Konzept bereits umsetzen. Weitere Informationen gibt es auch im entsprechenden Wiki: http://without-systemd.org/wiki/index.php/Main_Page.

Weiterhin habe man angefangen, einen Kern-Infrastruktur zu erschaffen. Zusätzliche Materialien gibt es unter https://github.com/devuan und diese Seite möchte man auch als Entwicklungs-Plattform nehmen. Das gelte zumindest für den Anfang.

Wer sofort mithelfen möchte, kann sich bei der Konfiguration eines BTS (Bug Tracking System) beteiligen. Damit kann man viele nützliche Tools verwenden, die von Debian entwickelt wurden.

Ich weiß ehrlich gesagt gerade nicht, was ich damit anfangen soll. Vielleicht hat es auf den Anwender an sich auch gar keine Auswirkungen. Die Frage ist, ob es nun mehr Auswahl geben wird oder ob man Ressourcen splittet, die man besser auf ein Projekt konzentrieren sollte – was nicht mehr funktionierte, da man sich zu sehr zerstritten hat. Mal sehen, was Devuan so bringen wird.

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11 Kommentare zu “Devuan: Debian-Fork ohne systemd”

  1. axt sagt:

    Allein schon diese üble Plakatschrift hat was von trotzigem Füßestampfen und erreicht zumindest bei mir schon mal das Gegenteil, ebenso die hochtrabende Eigenbezeichnung im ersten Abschnitt.

    Wenigstens hat man dazugeschrieben, wie der Fork ausgesprochen wird. Soll ja nicht gleich jeder Italienisch können.

  2. chris_blues sagt:

    Schade! Ich hatte gehofft, daß diese Diskussion zu einem vernünftigen Ende führen würde. Das ist ein schwerer Schlag für freie Software... 🙁

    Dieses Jahr scheint kein Jahr des Miteinanders zu sein...

  3. Didi sagt:

    Soweit ich weiß, wird das nützliche Zeug unter /etc und /var/log überwiegend ersetzt durch Oberflächen für das, was systemd mir davon zeigen will.
    Oberflächen als Alternativen gefallen immer, als Ersatz natürlich nicht, was hier wohl aber der Fall sein wird.

  4. Brutus sagt:

    Mal zu Forken ist natürlich generell okay...

    Ob es Sinn macht bezweifel ich ein wenig aber das ist ja nicht der Punkt. Ziemlich schwach finde ich es hingegen, nach langwieriger Diskussion, inklusiver mehrere Dramen, Votes usw. eine recht deutliche gemeinschaftliche Entscheidung einfach zu ignorieren und beleidigt ab zu ziehen 🙁

    Auf mich wirken viele der Argumente der Devuan Crew nach FUD und die selbstverliebten Ansagen wie "The Veteran Unix Admin Collective" usw. sind schon ein wenig peinlich. Mal schauen was draus wird — wirk auf mich aber erst mal sehr unsymatisch und wichtigtuerisch.

  5. Tux. sagt:

    Lennart hat sein Konzept "One Linux" dann ja bald umgesetzt. Mehr gibt es bald nicht mehr.

  6. Georg sagt:

    So wie sich das Ganze in der Debian-Community entwickelt hat, sehe ich Devuan nur als einen beleidigten Stingefinger in Richtung Debian-Community und gebe dem Projekt nicht allzu lange. Ist der Hass erstmal abgekühlt, ist Devuan gestorben.

    Abgesehen davon gibt es weiterhin eine Vielzahl weiterer Distributionen ohne systemd, es gibt noch *BSD etc. etc. Ein Nutzer, der in Linux so tief drin ist, dass er sich über die Wahl des init-Systems Gedanken macht, sollte aber auch in der Lage sein, in seinem Debian das init seiner Wahl zu installieren.

  7. Matthias sagt:

    Derzeit würden sich nur Slackware und Gentoo wehren. Man bräuchte aber auch eine apt-get-basierte Distribution, die diesen Weg geht.

    PCLinuxOS verwendet apt-get für RPMs, genauer: apt-rpm.

    Pisi Linux ist auch ohne systemd. 🙂

  8. Martin Zabinski sagt:

    Gentoo ist das Betriebsystem der "wahlen". Du bist da nicht auf OpenRC angewiesen, du kannst also auch SysVInit oder SystemD wählen. Ein wechsel zu SysVInit ist da einfach, weil es die selben Scripte verwendet.
    Zu SystemD ist etwas schwerer weil deren Konfiguration nicht in den "normalen" emerges drin sind (aber dafür gibts glaub ich ne umwandlung bzw Adapter oder so).

    ...OK hab nochmal nachgesehen mitlerweile geht auch SystemD problemloser.

  9. chris_blues sagt:

    Vielleicht entgeht mir hier ja irgendwas, aber ich habe vorhin aus Jux mal SysVInit installiert (apt-get install sysvinit), nach nem reboot SystemD entfernt (apt-get remove systemd) und noch kurz aufgeräumt (apt-get autoremove) und schon war mein Debian Unstable auf SysVInit umgestellt. Warum gleich wird da diskutiert und geforkt??? Weil die Leuts solchen Zweizeiler nicht hinbekommen?

  10. Al CiD sagt:

    @chris_blues
    Es geht um mehr als nur das Init-System bei Debian... wenn du nämlich in Zukunft GNOME installieren willst, kannst du es ohne SystemD gar nicht mehr realisieren, es setzt nämlich in Teilen SystemD voraus...
    Dadurch entstand ja die Diskussion und auch die vorherige ob man auf XFCE4 als Standard-Desktop umschwenken sollte...

  11. chris_blues sagt:

    Verstehe! Das ist natürlich ziemlich fies, wenn die großen DEs ohne systemd nicht mehr installierbar sind, dann bleibt die Frage; wie konnte GNOME & Co es so weit kommen lassen? Dann liegts ja nicht mal an Debian, die natürlich ihre Distro lauffähig behalten wollen, auch mit GNOME... Wahrscheinlich wird keine Distro GNOME aus den Quellen schmeißen wegen harten systemd-Abhängigkeiten.

    Sieht ja wirklich düster aus im Linux-Alternativen-Land...

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