Frau und Herr SEO-Spezialist würde gerne Artikel auf meiner Seite buchen – ich habe mich mal anscheinend darauf eingelassen

22 Januar 2013 2 Kommentare Autor: Jürgen (jdo)

Ich bekomme gut ein bis zwei Mal pro Woche eine Anfrage, ob man denn Artikel auf meiner Webseite buchen kann. Normalerweise hatte ich mehr oder weniger freundlich geantwortet, dass ich kein Interesse daran habe. Nun habe ich mich mal auf einige der Anfragen scheinbar eingelassen und es sind schon erstaunliche Fakten, die da zum Vorschein kommen.

Die Masche ist immer gleich. In der Regel wird Dir ein Artikel angeboten, der dann Links auf eine Firma und so weiter enthält. Die Firmen lassen sich das ganz offensichtlich einiges kosten. Zwischen 40 und 150 Euro sind die Angebote für Artikel mit bezahlten Links. Diese Artikel müssen allerdings permanent auf Deiner Webseite bleiben und Du darfst sie eigentlich nicht mehr löschen – da sind noch mehr Dinge, die man nicht darf – zum Beispiel die Links mit nofollow kennzeichnen.

Wie gesagt, hatte ich diese Woche mal mitgespielt und auch immer nach Beispielen verlangt. Da kommt ja Interessantes zum Vorschein 🙂 … Im Prinzip wäre gegen diese Art von Werbung auch gar nichts zu sagen, wenn es sich um einen guten Artikel handelt, der zur Webseite passt und der Link eben sinnvoll rein passt. Das eine mir zu gesandte Beispiel war der Hammer. Der Link sollte auf eine Pokerseite gehen und der Artikel war über die XBOX 360 und Kinect. Mitten im Artikel aus heiterem Himmel: Wüsstest Du, dass man mit der XBOX auch pokern kann? Viel offensichtlicher und dämlicher geht es kaum noch. Die Seite auf der das veröffentlicht ist, ist gar nicht mal so unbekannt.

Auf die Nachfrage, ob das nicht Schleichwerbung sei und somit illegal, bekam ich von einem der Anfragenden zumindest die ehrliche Antwort, dass das so gut wie unmöglich nachzuweisen sei. Man könne aber auch als Werbung kennzeichnen, was sich aber negativ auf die Buchungen auswirken würde.

Am Schlimmsten an der Geschichte ist allerdings, dass man eigentlich keinen Artikel ablehnen darf. Man würde ja schließlich auf den Kosten für die Texterstellung sitzen und die Firma hätte den Link darin auch schon bezahlt. Grundsätzlich hätte ich nichts gegen „Gesponserter Beitrag: blablabla“, aber was auf meiner Webseite veröffentlicht wird und was nicht, ist schon meine Sache und nicht die der SEO-Heinis.

Hier noch eine E-Mail-Ping-Pong mit jemandem, der mir gleich ganze 40 Euro geboten hätte.

Guten Tag,

mir ist heute Ihre Internetseite http://www.bitblokes.de aufgefallen und ich würde Ihnen gerne einen Vorschlag unterbreiten.

Mein Team von <SEO-Heinis Webseite> betreibt nun schon fast 4 Jahre lang Artikel-Marketing und ich würde auf Ihrer Internetseite gerne regelmäßig Artikel buchen!

Die Bezahlung beträgt pro Artikel, je nach Qualität der Internetseite, zwischen 20 – 200 Euro netto. In Ausnahmefällen auch mehr. Im Schnitt buchen wir etwa fünf bis zehn Artikel pro Monat, dies hängt allerdings vom Themengebiet der Internetseite ab. Selbst eine relativ kleine Internetseite kann so schon mal 100 bis 200 Euro monatlich verdienen, größere auch schon mal mehrere tausend Euro monatlich.

Wie funktioniert es?

Das Prinzip ist denkbar einfach: Wir haben viele große Kunden wie Verlage, Online-Shops, Auto-Hersteller etc. welche gerne auf die eigenen Produkte aufmerksam machen wollen.

Handelt es sich also beispielsweise um eine Internetseite zum Thema Ernährung, könnte die Überschrift eines Artikels auf Ihrer Seite etwa so aussehen: „Die Vor- und Nachteile von Kokosöl“, wo das Produkt kurz beschrieben wird und darauf aufmerksam gemacht wird, dass man Kokosöl im Online-Shop von unserem Kunden kaufen kann. Handelt es sich um eine Internetseite zum Thema Lifestyle könnte die Überschrift des Artikels folgendermaßen lauten: „Der neue SL 500 – Ein reinrassiger Sportwagen“.

Sie müssen also keineswegs uninteressante „Werbung“ veröffentlichen, sondern es wird exklusiv von einem unserer Redakteure ein Artikel für Ihre Internetseite erstellt.

Was haben Sie davon?

– Wie bereits erwähnt, werden Sie für die Veröffentlichung des Artikels bezahlt!

– Sie erhalten kostenlose, exklusiv für Ihre Internetseite erstellte, Inhalte zur Verfügung gestellt!

– Die Artikel werden NICHT vom werbenden Unternehmen erstellt, sondern von einem unserer professionellen Texter, welcher neutral über die Vor- und Nachteile des Produkts, Shops, Angebots etc. einen Artikel erstellt. Eines unserer wichtigsten Ziele ist es, dass der Artikel für den Leser interessant, informativ und ehrlich ist.

– In unserer Kundenliste befinden sich nur 100% seriöse Unternehmen, unter anderem haben unsere Redakteure bereits Artikel für den Weltbild Verlag, Axel Springer oder die Hexal AG erstellt.

– In der Regel ist es für kleine Webseiten unmöglich an solche Werbekunden heran zu kommen! Für solch große Unternehmen ist es einfach zu aufwändig auf dutzenden, kleinen, Internetseiten Werbung zu buchen. In der Regel buchen diese nur Werbung mit einer Deutschlandweiten Reichweite, wie es etwa bei Fernsehwerbung der Fall ist. Da wir allerdings hunderte Internetseiten betreuen, können wir eine solche Reichweite auch mit kleinen Internetseiten realisieren.

Im Endeffekt profitieren alle dabei: Die Unternehmen zahlen bei uns in der Regel weniger als beispielsweise für teure Fernsehwerbung. Die Webseitenbetreiber hingegen verdienen meist mehr als mit jeder herkömmlichen Werbeform möglich wäre!

Wo ist der Haken?

Wie bereits erwähnt: Die Unternehmen profitieren durch günstigere Werbepreise im Gegensatz zu anderen Medien. Die Webseitenbetreiber profitieren durch höhere Einnahmen!

Sie gehen keinerlei Risiko ein! Im Falle einer Kooperation würden Sie regelmäßig passende Artikel per E-Mail erhalten, welchen Sie lediglich auf Ihrer Internetseite online stellen müssten. Die einzige Bedingung besteht darin, dass der Artikel dauerhaft online bleibt und nicht etwa nach einer Woche wieder gelöscht wird.

Sollten Sie noch Fragen bzw. Interesse haben, würde ich mich sehr über eine Rückmeldung freuen!

Mit freundlichen Grüßen
SEO-Heini

Meine Antwort:

Hallo,

das ist ja spannend. Gibt es denn da Beispiele?

Freundliche Grüße,
Jürgen Donauer

SEO-Heini

Hallo Herr Donauer,

wir haben natürlich schon so einige Artikel veröffentlicht. Ein Beispiel wäre der hier: http://<Link zu Beispielseite>

Jeder Artikel enthält mindestens einen gebuchten Link und und einen Trustlink. Ein Bild wird immer mit geliefert.

Für weitere Fragen, stehe ich gerne zur Verfügung.

Meine Antwort

Hallo Herr/Frau SEO-Heini,

Aber müsste man Werbung nach deutschem Gesetz nicht als solche kennzeichnen, da es sonst als Schleichwerbung gilt? Außerdem ist mir das in ihrem Beispiel gezeigte Bild mit dem Verweis auf Flickr nicht geheuer bezüglich der Bildrechte …

Was würden Ihnen denn auf meiner Webseite veröffentlichte Artikel wert sein? Mein Publikum halte ich für ausgesprochen intelligent und die riechen so einen bezahlten Braten doch recht leicht.

Bekomme ich denn keine Abstrafung von den Suchmaschinen, wenn die bei mir gekaufte Links entdecken?

Was ist denn, wenn mir ein von Ihnen zu gesandter Artikel meiner Meinung nach nicht auf die Seite passt? Kann man da mal eine Probe haben, was Ihre Redakteure bezüglich meiner Seite anzubieten hätten?

Freundliche Grüße,
Jürgen Donauer

SEO-Heini

Hallo Herr Donauer,

mit Ihrer Vermutung haben sie grundsätzlich recht. Der Nachweis, dass es sich um Schleichwerbung handelt ist aber generell recht schwierig, weil man von außen hin keinen Zahlungsfluss nachvollziehen kann, zudem haben wir bereits Tausende Artikel, für unter anderem Große Unternehmen, veröffentlicht und wir hatten noch nie den Fall, dass es zu einer Abmahnung gekommen ist. Wenn sie allerdings nicht auf die Kennzeichnung verzichten möchten, können sie dies gerne tun. Es würde sich aber voraussichtlich auf die Anzahl der Artikelbuchungen auswirken.

Google arbeitet ja mit Bots, die durch das Internet schwirren und sich die Qualität der Seiten anschauen. Selbstverständlich kann kein Bot die Inhalte eines Artikels so beurteilen wie ein Mensch das kann. Sie können allerdings ein paar Parameter erkennen die Rückschlüsse auf die Qualität eines Textes geben. So werden bestimmte Keywords registriert. Wenn jetzt ein Artikel über Beispielsweise Training mit Hanteln handelt und dort die Keywords. Laufband, Langhanteln, Kurzhanteln usw., stehen, wird ein Link der auf eine Versicherungs-Seite zeigt eher negativ auffallen. Im schlimmsten fall wird dann Ihre Seite abgestraft.

Wenn wir uns darauf einigen, dass wir die Artikel erstellen und Ihnen einer mal nicht gefällt, können sie selbstverständlich gerne selber ein paar kleine Änderungen vornehmen oder uns Ihre Anmerkungen zukommen lassen und wir werden dann die Änderung vornehmen. Einen Artikel komplett abzulehnen ist da allerdings etwas problematisch weil wir zum einen auf den Kosten der Texterstellung sitzen und zum Anderen haben wir zum Zeitpunkt, wenn sie Bescheid bekommen, schon einen Deal mit unseren Kunden geschlossen. Wenn er dann im nachhinein eine absage bekommt wirft dies ein äußerst schlechtes Bild auf uns.

Wir versenden generell nur Bilder mit einer Creative Common Lizenz, wobei wir nicht im geringsten Interesse daran haben, dass unsere Webmaster abgemahnt werden.

Für Ihre Seite würde ich mal 40 Euro pro Artikel in den Raum schmeißen, wenn wir diese erstellen und 60, wenn die Artikel von Ihnen kommen.

Ich hoffe, dass ich Ihnen alles beantwortet habe, ansonsten stehe ich für weitere Fragen gerne als Gesprächspartner zur Verfügung.

Viele Grüße
SEO-Heini

Meine nächste Antwort war dann eine Absage mit der Begründung, dass ich alleine entscheide, was auf meiner Webseite veröffentlicht wird oder nicht. Die Katze im Sack zu kaufen/veröffentlichen.

Man sollte sich gut überlegen, sich auf sowas einzulassen. Hin und wieder wäre sicher kein Beinbruch und eine willkommene Einnahme. Wenn ich aber keine Artikel ablehnen darf, könnte es durchaus unschön enden. Im Prinzip könnten Dir die SEO-Heinis alles unterjubeln und das könnte zu Abstrafungen seitens der Suchmaschinen führen. Ob es das wert ist, musst Du selbst entscheiden.

Wie gesagt hätte ich nichts dagegen, gute Berichte oder Artikel zu veröffentlichen und wenn dann ein bezahlter Link auf eine entsprechende Webseite drin ist, der aber gut passt – OK. Aber so sieht mir das wie eine miese Praktik aus, mit denen man einen schnellen Euro machen möchte – die Konsequenzen sind allerdings nicht so leicht absehbar.

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2 Kommentare zu “Frau und Herr SEO-Spezialist würde gerne Artikel auf meiner Seite buchen – ich habe mich mal anscheinend darauf eingelassen”

  1. Michael sagt:

    Richtig so. Das Risiko ist zu groß das dies sich für den Webseitenbetreiber alleine negativ auswirkt und die SEO Fuzzis sind über alle Berge. So ein Angebot stinkt zum Himmel.

  2. Oh, da geht es Dir wie mir. Ich bekomme auch jede Woche zahlreiche Anfragen bezüglich Kooperation, Anfragen zum langfristigen Linktausch, Redaktionelle Kooperationen, Anfragen zu meinem Webauftritt, Angebote zwecks Artikelplatzierung usw.

    Du gibt Ihnen den kleinen Finger und dann wollen Sie die ganze Hand 🙂 Ich hab mir angewöhnt, gar nicht mehr darauf zu antworten, sondern solche Mails gleich in den Papierkorb zu befördern. Schont meine Nerven und Arbeitszeit...

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