wikio-experts.com und die-experten.com sind reiner SEO-Spam und moderne, legale Sklaverei

10 Mai 2011 9 Kommentare Autor: Jürgen (jdo)

Ich habe eine Einladung von Wikio-Experts bekommen – hui, was für eine Ehre! Da kann man schreiben und dann zwischen fünf und 15 Euro „absahnen“. Klingt super, oder? Bisschen was texten und Kohle einsacken. Themengebiete sind auch alle abgedeckt, sogar Oma Schaluppke fände da irgendetwas zu berichten. Da kann es doch keinen Haken eben …

So, ich hab mir deren Geschäftsbedingungen durchgelesen. Kürzt man das ganze Juristendeutsch weg kommt heraus:

  • Du hast Deine Seele mit Einreichung des Artikels verkauft. Du darfst diesen nicht weiter verwenden, publizieren oder weiter verkaufen. Wikio-Experts darf das aber und gibt diese auch brav an das eigene Portal die-experten.com weiter.
  • Witzigerweise haftet aber der Nutzer für die Inhalte, die er bei Wikio-Experts einstellt. Das gilt auch für Bilder, Videos und so weiter. Irgendwie ist das eine ganz schöne Doppelmoral. Wenn mir das Ding nicht mehr gehört, dann ist schon der Publisher verantwortlich, oder? Andernfalls gehört das Ding immer noch mir und ich mach damit, was ich will.

Für mich ist das schon wieder ein Fall von moderner Sklaverei und grenzenloser SEO-Spam oder SEO-Poisoning. Ganz viel Zeug in ganz kurzer Zeit bekommen, damit man schön in den Suchmaschinen mit vorn dabei ist. Dabei ist das Zeug auf die-experten.com schon komisch. Ich hab die Seite besucht und auf den ersten Artikel geklickt, der mir ins Auge gestochen ist:

Festplatte reparieren: Was man beachten sollte (http://www.die-experten.com/article-119509-festplatte-reparieren-was-man-beachten-sollte.html) <- kein direkter Link, sonst haben die noch einen Backlink von mir!

Der selbst ernannte? Computer-Experte schreibt also anscheinend, wie man eine Festplatte reparieren kann. Das Teaser-Bild zeigt auch noch einen geöffneten Datenträger. Ich bin gleich in den Keller und hab entsprechende Schraubenzieher gesucht. Das muss ja ein Hammer-Tipp sein. Fängt man aber zu lesen an, hat der Artikel mit der Überschrift ar nichts zu tun und ist darüber hinaus noch totaler Humbug.

Sollte eine Festplatte nicht mehr ansprechbar sein, sei Panik unangebracht. Wer nicht ausbauen will könne ja eine Linux-CD verwenden und dd zum klonen verwenden. Eine andere Möglichkeit sei, dass man die Festplatte mit entsprechenden USB-Adaptern an einen anderen Rechner hängt.

Jetzt bin ich aber platt. Dass dd gut ist, wusste ich. Dass das Tool aber Hexen kann, war mir unbewusst. dd kann also eine Festplatte klonen, die nicht mehr ansprechbar ist? WOW? Die Überschrift ist komplett irreführend und der Artikel sinnlos. Es gibt zwar einen Link zu dd, aber nicht wirklich hilfreiches in diesem Werk. Ist aber auch egal, der Schreiber hat sein Kohle und die-experten.com mehr Inhalt.

Gut einen Artikel schau ich mir noch an: Trojaner entfernen, richtig und sauber (http://www.die-experten.com/article-130511-trojaner-entfernen-richtig-und-sauber.html)

  • Wichtig sei hier ein gutes Anti-Viren-Programm. (echt jetzt? WOW, danke für den Tipp … wenn ein Virus bereits auf meinem Rechner ist, dann wird der schon unterbinden, dass ich einen Virenscanner installiere, Chef)
  • Immerhin verweist Schreiber Jonny, bewährt in Computer, auf diverse Live-CDs mit digitalen Kammerjägern und das Trojaner-Board (die kriegen nen Backlink!)
  • Würde sich der Wurm so hartnäckig zeigen und gar nicht mehr verschwinden wollen, könne man immer noch die Festplatte formatieren und das Betriebssystem neu einspielen. Wichtig sei allerdings ein Backup! (ja, da hat er Recht. Dass sich aber der Wurm auf dem Backup auch eingenistet haben kann und dies vorher geprüft werden sollte, wäre unter Umständen ein wertvoller Tipp. Sonst ist der Leser auf Lebenszeit damit beschäftigt, seine Festplatte zu formatieren und das OS neu zu installieren)
  • Vielen Dank Jonny für diesen wahrlichen (die-)Experten-Tipp.

Zwei Klicks, zwei Volltreffer. Nun hab ich keine Lust mehr – das ist ja Augenkrebs-verdächtig. Außerdem hab ich mir erlaubt, ein bisschen zu hinterfragen und dem Team folgende Meldung geschrieben:

Hallo,

ich habe eine Einladung zu Wikio-Experts bekommen und weiß gar nicht, was mir diese Ehre verschafft? Vor einer eventuellen Anmeldung hätte ich allerdings ein paar Fragen.

1. Wenn ich das richtig gelesen habe verkaufe ich meine Artikel an Wikio-Experts und darf diese dann nicht mehr, zum Beispiel auf einer eigenen Webseite, publizieren? Wikio-Experts darf aber damit machen was sie wollen und könnte die Werke auch an andere Publikationen verkaufen?

2. Wie schaut es mit der VG-Wort aus? Ich bin Mitglied der VG-Wort und könnte mir Artikel über 1800 Zeichen vergüten lassen. Fügt Wikio-Experts das VG-Wort-Pixel ein?

Danke und viele Grüße,
Jürgen Donauer

Ich warte mal auf eine Antwort und werde die dann hier verfügbar machen. Außerdem möchte ich dann nachbohren, wie das mit der Verantwortlichkeit ist, wenn mir das Werk doch gar nicht mehr gehört. Ich wollte das Experten-Team aber nicht gleich komplett überfordern.

Antwort 1:

Zu Ihrer ersten Frage: Sie haben das so richtig verstanden. Eine Anmerkung, die sich aber eigentlich natürlich von selbst versteht: Die Beiträge werden, auch wenn wir sie an andere Publikationen weiterverkaufen sollten, immer unter dem Namen des Autoren veröffentlicht.
Zur VG Wort: Den Zähler der VG Wort können Sie bei uns leider nicht einfügen. Wenn ich richtig informiert bin, können Sie Ihre Beiträge trotzdem über die Sonderausschüttung der VG Wort registrieren und vergüten lassen.

Bei weiteren Fragen melden Sie sich gern bei uns.

Und ob ich weitere Fragen habe! Zum Beispiel:

Eine Sache verstehe ich aber trotzdem nicht: Warum bin ich für die Inhalte meiner Artikel verantwortlich, wenn sie mir gar nicht mehr gehören? Sobald ich diese bei Wikio eingestellt habe, sind mir ja die Rechte daran entzogen. Also kann ich doch eigentlich auch nicht mehr dafür verantwortlich sein, oder? Das geht mir gerade nicht ganz ein.

Was man den Mädels und Jungs beim Support das lassen muss, sie antworten schnell (oder haben nicht viel zu tun <- reine Mutmaßung!). Die Antwort:

Ihre Nachfrage ist sehr verständlich. Diese in der Tat etwas schwierige Situation ergibt sich rechtlich aus der Unterscheidung zwischen Nutzungsrechten und Urheberrecht. Auch wenn wir Ihnen das Nutzungsrecht abkaufen, bleiben Sie zwangsläufig weiterhin der Urheber und somit verantwortlich für Ihre Werke.
Allerdings: Unsere Autoren haben jederzeit die Möglichkeit, ihre Artikel auch nach der Veröffentlichung zu verändern – eine E-Mail an uns mit dem Änderungswunsch reicht.
Ansonsten bleibt mir nichts anderes übrig, als Ihnen zuzusichern, dass es mit Sicherheit nicht in unserem Interesse liegt, die Beiträge unserer Autoren in einem falschen Kontext zu veröffentlichen oder sonstwie auf problematische Weise darzustellen.

Aha, ihr wollt nen Reibach damit machen, ich bin aber verantwortlich. Naja, wie wir gesehen habe übernehmen die Autoren das veröffentlichen im falschen Kontext oder die Darstellung in problematischer Weise von ganz alleine. Ich will aber noch nicht locker lassen und versuch mal ein bisschen bissiger zu bohren:

Vielen Dank für die schnelle Antwort.
aber überprüfen tut die Artikel auch keiner irgendwie, oder?
Ich habe micht mal in der Rubrik, die für mich in Frage käme – Computer – umgesehen und bin ziemlich schnell wieder gegangen.

In diesen beiden Artikeln – danach hats mit schon gereicht – (http://www.die-experten.com/article-130511-trojaner-entfernen-richtig-und-sauber.html, http://www.die-experten.com/article-119509-festplatte-reparieren-was-man-beachten-sollte.html) ist nicht nur oberflächlicher Blödsinn enthalten, sondern auch komplette Falschaussagen und gefährliches Halbwissen.

dd ist zwar gut, kann aber nicht Hexen. Wenn eine Festplatte nicht mehr ansprechbar ist, kann auch die beste Software nichts mehr retten. Und mit „Reparieren einer Festplatte“ hat das schon mal gar nichts zu tun, wie die Überschrift vermuten lässt, sonst höchstens mit dem Versuch einer Datenrettung.

Zum Entfernen eines Trojaners auf einen guten Virenscanner zu verweisen braucht man heutzutage auch kein Orakel mehr. Das wird sogar in den Öffentlich Rechtlichen verbreitet und die sind ja bekanntlich nicht die Schnellsten. Zumindest verweist der „Experte“ noch auf Live-CDs und das Trojaner-Board. Aber der Schluss-Absatz ist unglaublich. Die Festplatte formatieren und das Backup einszuspielen, ohne darauf hinzuweisen, dass sich der Schadcode auch auf dem Backup befinden kann – da fällt mir nichts mehr dazu ein.

Von daher habe ich mich entschlossen, Ihrem Portal fern zu bleiben, weil ich als tatsächlich freischaffender IT-Journalist sonst Angst um meinen Ruf haben müsste.

Ich wünsche Ihnen trotzdem viel Erfolg, auch wenn das Ganze mehr einem SEO-Poisoning als einer ernsthaften Plattform gleicht.

Nun wurde mir zugesichert, dass man sich in Zukunft um die Qualität der Artikel kümmern möchte. Warum man das nicht von Beginn an tut, bleibt das Rätsel der Experten.

vielen Dank für Ihr Feedback.
Wir stehen noch relativ am Anfang unserer Plattform und eines unserer Ziele ist es, die Überprüfung der Artikel noch weiter auszubauen.
Für den Moment schauen wir uns schon mal die beiden von Ihnen verlinkten Beiträge an.

Melde ich mich also bei Wikio-Experts an? Den Teufel werd ich tun. Klingt der Beitrag hier arrogant? Ich hoffe es. Mir geht es selbst wahnsinnig auf den Geist, wenn ich was in einer Suchmaschine eingebe und die erste wirklich nützliche Antwort taucht auf Seite Vier auf. Betreiber wie wikio-experts.com und die-experten.com sind für mich Zeit-Diebe.

… ah übrigens, wenn einer für BitBlokes.de schreiben will, der kann 30-40 Euro pro Artikel verdienen! Dazu muss er aber Mitglied der VG-Wort sein, der Artikel gut sein und mindestens 1800 Anschläge beinhalten.

jetzt hab ich noch einen Backlink „übrig“, weil die-experten.com ja keinen bekommen haben … hmmm … ach ich spendier den einfach meinem Taucherportal dive-hive.com – kann nie schaden …

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9 Kommentare zu “wikio-experts.com und die-experten.com sind reiner SEO-Spam und moderne, legale Sklaverei”

  1. Ashmodai sagt:

    Na, da bin ich ja mal gespannt, was sie antworten.
    Ich habe auch diese "Einladung" erhalten und wusste überhaupt nicht, was ich davon halten sollte - das ganze kam mir doch was seltsam vor.

    • jdo sagt:

      Hallo Ashmodai,

      Antworten oder besser gesagt die ganze Konversation ist nun auch da - Artikel aktualisiert 🙂

      Viele Grüße,
      Jürgen

      P.S: Auch nach deren Zusicherungen werde ich mich trotzdem nicht anmelden ...

      • Ashmodai sagt:

        Hallo, Jürgen!

        Das ging ja tatsächlich schnell.
        Erstaunlich; aber andererseits wollen sie ja auch etwas von einem.
        Ich werde wohl doch lieber sowohl Nutzungs- als auch Urheberrechte an meinen Artikeln behalten und irgendwann vielleicht mal für eine weniger windig wirkende Sache schreiben.

        Viele Grüße und einen schönen Tag,
        Ashmodai

  2. Alex sagt:

    Ich finde den Beitrag nicht sehr gut und ziemlich oberflächlich.

    Allein die Aussage, dass der Support schnell antwortet, bedeutet für den Autor, dass die dort nicht viel zu tun haben. Und wenn der Support für Antworten viel länger braucht, ist der Anbieter bestimmt unseriös, oder?
    Dein Standpunkt hast du klar gemacht, aber der Rest ist reine Schlechtmacherei, dass kann man lesen.

    Übrigens, wie kann ich denn auf BitBlokes.de Artikel veröffentlichen??

    • jdo sagt:

      Dass die dort nicht viel zu tun haben war ironisch gemeint. Daher steht dahinter auch reine Mutmaßung.

      Das mit der Schlechtmacherei geb ich Dir Recht, weil das ganze Ding einfach schlecht ist und muffelt. Ich versuch es mal zu erklären:

      Ich schreibe seit Jahren für seriöse Magazine wie TecChannel.de, Computerwoche.de und die PC-Welt Linux. Gebe ich da Mist ab, bin ich ganz schnell wieder raus. Die bezahlen aber auch, dass sich Recherche und Investition von Zeit lohnt.

      Diese in dem Beitrag hier angesprochenen Portale interessiert der Inhalt aber nicht. Die wollen möglichst viel Inhalt in möglichst kurzer Zeit, um in den Suchmaschinen aufzusteigen. Viele Besuche bedeuten viele Einnahmen durch Werbung. Die Autoren werden nicht nur durch die geringe Bezahlung abgezockt, sondern setzen sogar ihren Ruf aufs Spiel, wenn sie für so ein Portal arbeiten, dass Halbwissen zulässt.

      Ich finde, wie in dem Artikel erwähnt, die Beiträge auf deren Portalen veröffentlicht ziemlich oberflächlich und das Warum habe ich nach meinem Ermessen auch deutlich dargestellt.

      Auf BitBlokes.de kannst Du keine Artikel veröffentlichen, außer ich lasse Dich als Autor zu. Wenn das eine ernste Frage war,dann kontaktier mich einfach über presse@bitblokes.de.

      Grüße,
      Jürgen

  3. Carrie sagt:

    Hast du für dieses Portal geschrieben, um behaupten zu können, dass jeder Inhalt angenommen wird? Wahrscheinlich nicht! Nicht jeder Inhalt wird veröffentlich. Außerdem, wie soll ein Portal alle Fakten überprüfen? Der Autor ist dafür verwortlich und das ist gut so. Wenn jemand die selbstgemachten Medikamente einnimmt und davon noch mehr krank wird, beschwert man sich beim Autor. Das ist und war immer schon so. Glaubst du in ernst, in einer Tageszeitung stehen lauter Wahrheiten? Es wird niemand gezwungen dort zu lesen oder zu schreiben. Viele Tipps sind wirklich brauchbar. Aber du musst ja nur das schlechte erwähnen!

    • jdo sagt:

      Wenn Du genau liest ist meine Beschwerde in erster Linie, dass sich die schlechte Bezahlung auf die Qualität der Artikel auswirken kann, was es auch offensichtlich tut.

      Ich hab zwei Artikel aus meinem Gebiet aufgemacht und beide waren Humbug.

      Ich geb Dir Recht, dass in der Zeitung auch nicht immer die Wahrheit steht. Und in erster Linie regt mich bei diesen Portalen eigentlich die Ausbeutung der Autoren auf, weil die Bezahlung der totale Witz ist.

  4. GabyR sagt:

    Wie sagt man so schön: nach deinem Artikel schweben zwei Seelen in meiner Brust.
    Einerseits stimme ich den vorangehenden Kommentaren zu, dass du etwas arg hart mit den Betreibern ins Gericht gehst.
    Andererseits ärgert es mich gleichfalls, dass man Artikel für Online-Portale schreibt und im Cent-Bereich verdient, während für die Recherchen zahlreiche unbezahlte Stunden Lebenszeit vergehen...

    Deshalb eine Frage an dich, zumal du ja recht erfahren im Internet-Journalismus erscheinst:
    Wo kann man sich anmelden, wenn man Artikel veröffentlichen - UND dafür fair bezahlt werden möchte?

    PS.: Bin nämlich auch bereits von zwei Plattformen "missbraucht" worden - wenig Geld für viel Arbeit.

    Vielen Dank für Deine Antwort!

    • jdo sagt:

      Hallo,

      Du könntest Deine eigene Seite starten, brauchst aber ein gewisses Durchhaltevermögen, bis sich das auszahlt. Vor allen Dingen darfst Du Dich nicht frustrieren lassen, wenn anfangs nur wenige Leute Deine Seite besuchen. Natürlich ist auch die Themenauswahl entscheidend, wie gut die Seite besucht ist.

      Persönlich schreibe ich für keines dieser Portale, weil es sich einfach nicht lohnt. Allerdings habe ich das Glück, für diverse Computer-Magazine schreiben zu können, die anständig bezahlen.

      Manchmal siegt einfach Frechheit. Schreib doch mal die Magazine an, die zu Deinen Themen passen und frag, ob sie keine freiberuflichen Schreiber brauchen.

      Viel Glück!

      P.S: Mit Ausbeutung kann man nicht hart genug ins Gericht gehen

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