Bruce Schneier: Verschlüsselung beschützt uns und macht das iPhone nicht zum Smartphone für Pädophile

7 Oktober 2014 Ein Kommentar Autor: Jürgen (jdo)

Verschlüsselung schützt uns. Das ist die Grundaussage in einem aktuellen Blog-Beitrag von Bruce Schneier. Er ist einer meiner favorisierten Security-Experten. Erstens hat Schneier unglaublich Ahnung vo was er spricht und zweitens bringt er seine Argumente immer auf den Punkt.

In einem aktuellen Beitrag zerfetzt er die Argumentation der US-Behörden, die mit unglaublich „wilden Geschichten“ die Leute dazu bringen wollen, sich in ihren Smartphones und anderen Geräte beschnüffeln zu lassen. Zumindest wollen sie rechtfertigen, dass Backdoors gut sind.

Schneier spricht von einem neuen Crypto-Krieg. Stein des Anstoßes ist, dass Aple kürzlich eine brisante Security-Lücke im iPhone geschlossen hat. Kurz gesagt, werden nun alle Daten verschlüsselt und nicht nur ein Teil davon. All Daten sind also geschützt. Cyberkriminelle, böswillige Mitarbeiter und Behörden kommen also nicht mehr ran an die Daten. Schneier sagt, dass das iPhone nun sicherer ist. Das ist schön.

Hört man laut Schneier den US-Behörden zu, trägt Apple aber nun zu einer nicht aufhaltbaren Verbrechenswelle bei. Das FBI hat die Sicherheitslücke ausgenutzt, um sich in die iPhones der Anwender zu hacken.

Das Dumme an der Sache ist, dass es keine Backdoor für nur die guten Jungs gibt. Schneier zählt mehrere Beispiele auf, bei denen Cyberkriminelle Backdoors erfolgreich ausgenutzt haben. Ob das nun Geheimdienste anderer Staaten oder andere digitale Verbrecher waren, ist zunächst egal. Halten wir fest: Backdoor ist Backdoor und macht keine Unterschiede.

  • Im Jahre 2005 hat eine unbekannte Gruppe die Abhör-Moglichkeiten ausgenutzt, die in das Mobilfunksystem Griechenlands eingebaut war.
  • Das gleiche passierte in Italien 2006
  • 2010 haben böswillige Hacker aus China das Google-System ausgehebelt, dass der Suchmaschinen-Gigant in GMail implementieren musste, um die Abhör-Abfragen der US-Behörden zu befriedigen.
  • Derzeit würden Hintertüren in den Mobilfunk-Systeme vom FBI und unbekannten anderen ausgenutzt.

Toll.

Das FBI, Staatsanwälte und die US-Behörden erzählen aber schrecklich Geschichten von Kidnappern, Sexualstraftätern und Terroristen, um das Volk weich zu klopfen oder besser die eigenen Interessen damit durch zu pauken.

Am besten gefällt mir diese Aussage, die von der Polizei aus Chicago stammt: „Apple wird DAS Smartphone für Pädophile“. Ob man da nun lachen oder weinen soll, ich weiß es wirklich nicht.

Schneier sagt, dass es 3576 genehmigte Beschnüffelungen im Jahre 2013 gab. Genau eine davon habe mit dem so oft von den Behörden zitierten Kidnapping zu tun. Verschlüsselung habe die Polizei im Jahre 2013 lediglich neun Mal gehindert. Im Jahre 2012 waren es noch vier und die Untersuchungen sind dann irgendwie anders weiter gegangen. Es gibt also nicht mal einen Beweis, dass Verschlüsselung mit Weltuntergang gleichzusetzen ist.

Das FBI selbst hat Geschichten erzählt, dass man einen entführten Mann nur befreien konnte, weil man ein iPhone entschlüsseln konnte. Später nahm man den Unsinn wieder zurück.

Schneier warnt, dass man diese Crypto-Krige bereits in den 1990ern gesehen hat. Man verwende immer wieder die selben Beispiel, um zu untermauern, wie wichtig das Abhören ist. Damals nannte man sie (der ist auch gut): Die vier Infocalyptischen Reiter: Pädophile, Kidnapper, Drogenhändler und Terroristen. Bis heute hat sich daran nichts geändert.

Verschlüsselung ist gut

Schneier weist darauf hin, dass man sich gegen diesen Blödsinn wehren muss. Starke Verschlüsselung beschützt uns vor Angriffen von böswilligen Hackern und Cyberkriminellen. Es schützt unter anderem das Business, sowie Menschen in totalitären Regimes. Bizarrerweise empfiehlt auch das FBI das Verschlüsseln von Daten – eben wegen Security.

Verschlüsselungs-Optionen gibt es für eigentlich alle Betriebssysteme (Linux – encfs, Apple FileVault, Windows – BitLocker) und auch Android-Smartphones haben mittlerweile eingebaute Verschlüsselung.

Android: Verschlüsselung möglich

Android: Verschlüsselung möglich

Dennoch bekäme das FBI sehr einfach Genehmigungen, die Cloud (auch iCloud) zu durchstöbern. Schneier nennt es das „goldene Zeitalter der Überwachung“.Heutzutage hätten es die Regierung so einfach wie nie zuvor, in unsere Privatsphäre einzudringen. Somit brauche man technologische Security und rechtliche Restriktionen, um die Balance zwischen Zugriff seitens der Behörden und unserer Security / Privatsphäre wieder in den Griff zu bekommen. Laut Schneier sollten mehr Firmen Apple in der Sache Verschlüsselung folgen. Erst einmal sollte die Polizei bBeweise erbringen, dass Verschlüsselung der Arbeit tatsächlich schade und nicht sofort unsere Privatsphäre beschneiden.Ein weiterer toller Beitrag von Bruce Schneier, der zugegeben nicht ganz auf Deutschland zutrifft. Aber Verschlüsselung geht uns alle an und jeder sollte sich so gut wie möglich schützen.

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Ein Kommentar zu “Bruce Schneier: Verschlüsselung beschützt uns und macht das iPhone nicht zum Smartphone für Pädophile”

  1. Martin Zabinski sagt:

    Bitte den Beitrag noch mal Korrektur lesen.
    Da sind ein paar Tippfehler drin.

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