Wenn das Whitepaper Spam als Spam deklariert, landet es zurecht im Spam!

29 Januar 2014 3 Kommentare Autor: Jürgen (jdo)

Ich habe gerade ein so genanntes „Whitepaper“ in meinem elektronischen Posteingang gefunden, das mich etwas verwirrte. Ich serviere das „Whitepaper“ mal und gebe meinen Senf unter den einzelnen Absätzen dazu.

In der EU landen jährlich 19,4 Milliarden Euro Umsatzpotential im Spam-Ordner

19,4 jährlich – merkt Euch diese Zahl!

 

Berlin, 29.01.2013 – Ca. 15 – 20% der rechtmäßig versendeten E-Mails landen im Spam-Ordner. Mailjet (…), der weltweit agierende Cloud-basierte E-Mail-Dienstleister, evaluierte dazu renommierte Studien, um den Verlust herauszufinden, der EU-weit durch gewerbliche E-Mails, die im Spam-Ordner landen, darzustellen.

De Bello Gallico fängt kürzer an, glaube ich.

E-Mailversand in Europa
Rund 8,28 Milliarden rechtmäßig gesendeten E-Mails werden tagtäglich in Europa abgeschickt. Etwa die Hälfte aller versendeten Mails sind dabei persönliche Nachrichten, die seltener davon betroffen sind versehentlich im Spam-Ordner zu landen. Diese Art von Mails wurde daher in der Studie nicht betrachtet.

OK. Also nur die Hälfte der E-Mails – kapiert.

Die anderen 50% der gesandten Nachrichten betreffen kommerziell versendete E-Mails. Von diesen geht in der Europäischen Union bis zu jede vierte durch Zustellbarkeitsprobleme verloren. Insgesamt lässt sich für die EU dadurch ein Umsatzverlust in Höhe von 19,42 Milliarden Euro pro Jahr feststellen.

Also: 8.28 / 2 = 4.14;

4.14 / 4 = 1.035

-> 19.42 / 1.035 = 18.76 ->

Jedes E-Mail macht potentiell 18.76 Euro Umsatz?!

Unterteilung der kommerziell versendeten E-Mails
Die täglich 4,14 Milliarden rechtmäßig gesendeten kommerziellen E-Mails wurden in der Studie ihrem Zweck entsprechend in drei Kategorien aufgeteilt. Marketing-Mails machen demzufolge den Hauptteil der versandten E-Mails aus. Zu einem Drittel handelt es sich bei kommerziell versandten E-Mails um Benachrichtigungen (z.B. Alerts). Transaktions-E-Mails, die unter anderem bei Bestellbestätigungen eingesetzt werden, machen 2,5% aus.

Also ein Drittel sind so oder so Spam – kapiert.

Transaktions-E-Mails bieten größtes Umsatz-Potenzial
In Transaktions-E-Mails lassen sich z.B. Empfehlungen für Produkte einbinden, die den soeben gekauften Waren ähneln. Damit besitzt diese Mail-Form in der Regel das größte Potenzial, um den Umsatz zu steigern. Während Marketing-E-Mails im Durchschnitt nur um die 0,07€ generieren, können Transaktions-Mails bis zu 0,10€ durchschnittlichen Umsatz hervorbringen.

OK. Transaktions-Mails lassen sich somit in Marketing-Mails umwandeln und sind damit auch wieder Spam. Beziehungsweise verstehe ich das Trommeln nicht, wenn ich bei 2,5 Prozent 0,03 Euro mehr Umsatz produziere. Außerdem stimmt dann irgendetwas an meiner Rechnung oben nicht – oder den Zahlen, mit denen hier jongliert wird.

Schlussfolgerung
Weltweit gehen täglich mehr als 292 Millionen Euro durch E-Mails verloren, die nicht im Posteingang landen. Auf die Europäische Union gesehen, beträgt der Schaden 40 Millionen Euro täglich. Diese Summe addiert sich über das Jahr gerechnet auf 14,7 Milliarden Euro Umsatzpotential, welches im Spam-Ordner verschwindet und daher in den allermeisten Fällen nicht umgesetzt werden kann.

40 Millionen Euro Schaden täglich -> 40 * 365 ist in meinem Taschenrechner 14,6 Milliarden oder im besten Fall (Schaltjahr) 14,64, was gerundet auch wieder 14,6 ist. Erinnert sich noch jemand an die 19,4 jährlich (weiter oben)?

Wie zum Teufel kommen die auf 40 Millionen Euro täglichen Schaden? Abgesehen davon fehlt in der Studie, was für ein Schaden Marketing-Mails oder die verkappten Marketing-Mails (Transaktions-Mails) verursachen, indem sie die Zeit der Empfänger verschwenden. Oder wie viel würde man sich sparen, wenn man den Schwachsinn (inklusive dieser E-Mail) erst gar nicht versenden würde?

Meine Schlussfolgerung:

Hier hat man einfach große Zahlen wild zusammengewürfelt, weil

  1. es keinen interessiert
  2. es keiner liest
  3. man kann
  4. irgendwer seine Existenz rechtfertigen muss
  5. man den ersten April vorgezogen hat

Oder anders gesagt: hätte der Hund nicht geschissen, hätte er den Hasen erwischt. Auf jeden Fall sind diese angesprochenen E-Mails wohl eher zu Recht als zu Unrecht im Spam-Ordner!

Über die Studie
Diese Studie wurde von Mailjet (…) zusammengestellt. Dazu evaluierte der weltweit agierende Cloud-basierte E-Mail-Dienstleister renommierte Studien, um den Verlust durch gewerbliche E-Mails im Spam-Ordner in Deutschland darzustellen.

„renommierte Studien“ … ah ja

Die komplette Untersuchung ist unter dem folgenden Link zu finden und für die Veröffentlichung unter Angabe der Quelle Mailjet freigegeben: http://de.pressking.com/press-room/mailjet-de

muss sich wohl um eine Satire-Magazin oder um eine Aktion „Links, die die Welt nicht braucht“ handeln …

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3 Kommentare zu “Wenn das Whitepaper Spam als Spam deklariert, landet es zurecht im Spam!”

  1. Justux sagt:

    "-> 19.42 / 1.035 = 18.76 ->
    Jedes E-Mail macht potentiell 18.76 Euro Umsatz?!"
    du vergleichst täglich mit jährlich:
    19.42 / 365 / 1.035 = 0.0514
    also 5 Cent pro Mail

  2. Dirk Haar sagt:

    Nett:-)

    Wenn ein Werbemailer über Spam schreibt, muss doch so was heraus kommen.

    Das "Whitepaper" liest sich ja fast wie eine Mail mit dem Tenor
    "Liebe EU-Abgeordnete/r, bitte verbietet Spam-Filter!".

    Dirk

    (Typos: ersteR April; Foder, zu Recht, StudieN)

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