Ernüchterndes Review über Ubuntu Touch – Tablet und Smartphone

24 Juli 2016 2 Kommentare Autor: Jürgen (jdo)

Dass der Schreiber des Reviews kein Fan von Ubuntu ist und KDE unter Fedora nutzt, schreibt er relativ früh. Dass er sich aber auch von den Versprechen Canonicals angezogen fühlt und vor allen Dingen nach einem Gerät giert, dass Desktop und Tablet in einem ist (Konvergenz), das gibt er offen zu. Außerdem ist er ein Fan von Open Source und würde einer offenen Lösung immer den Vorzug geben (wollen). Android sei verglichen mit Ubuntu Touch komplett dicht. Deswegen hat er sich ein Bq Auaris M10 Ubuntu Edition und ein Meizu PRO 5 angesehen.

Das Ding mit den Apps

Um es kurz zu machen hat sich der Schreiber in diesem Bereich wesentlich mehr erhofft. Möglicherweise hat er sich auch vom Marketing blenden lassen. Auf jeden Fall gibt er die Hoffnung noch nicht auf, denn die Geschichte befindet sich noch in der Entwicklung.

Ein Problem ist, dass Canonical bei Ubuntu Touch den Android-Weg mit einem Read-Only-Dateisystem geht. Dabei kannst Du zwar einfacher root-Rechte erlangen als unter Android, aber permanente Änderungen sind nicht so einfach möglich. Anders gesagt ist das Installieren von weiterer Software über das gute alte apt-get install nicht drin. Das geht nur dann, wenn Du die System-Partition zwingst, beschreibbar zu sein. Das bringt aber die Einschränkung mit sich, dass es dann keine OTA (Over The Air)Updates mehr gibt. Das ist aber ebenfalls nicht wünschenswert, das sich gerade im Bereich mit der Konvergenz schnell Neues tut.

Somit kann sich der Anwender entscheiden. Entweder er hackt sein System und kann dann andere für ARM gemachte Pakete installieren, oder er nimmt nur die Apps aus dem Ubuntu Store und bekommt dafür auch OTA Updates. Beide Lösungen seien nicht zufriedenstellend.

Ein großes Problem stellt die Auswahl der Apps dar. Erstens gibt es sehr wenige und dann seien 80 Prozent davon einfach Wrapper von Web Apps oder Websites. Das spart zwar teilweise Platz, aber die Sache sei einfach nicht optimiert und fühlt sich holprig an. Es fehlen nach Meinung des Schreibers einfach native Apps.

Die Sache mit der Konvergenz

Die Konvergenz ist ein reizvolles Konzept und würde es vernünftig funktionieren, würde ich es auch nutzen. Theoretisch lässt sich damit das Tablet in einen Desktop verwandeln, wenn entsprechende Peripherie-Geräte angeschlossen werden.

In de Praxis sieht die Sache anscheinend wesentlich weniger rosig aus. Ein Problem sei schon mal, dass sich nicht alle gewünschten Anwendungen installieren lassen. Auf dem Aquaris M10 sind Firefox, LibreOffice, GIMP und Gedit vorinstalliert. Dann ist aber derzeit auch schon Schluss.

Schlimmer ist noch, dass Copy & Paste nicht funktioniert. Es klappt nur zwischen nativen Apps für Ubuntu Touch. Zwischen Ubuntu Touch und den Desktop Apps klappt das nicht und auch nicht von Desktop-Anwendung zu Desktop-Anwendung. Das Problem lässt sich auf das Sandboxing zurückführen.

Bei der Konvergenz unter Ubuntu Touch ist nicht alles Gold, was glänzt (Quelle: Canonical)

Bei der Konvergenz unter Ubuntu Touch ist nicht alles Gold, was glänzt (Quelle: Canonical)

Das Review zu Ubuntu Touch ist ernüchternd

Es ist ein sehr ernüchtendes Review, dass noch einen langen Weg erahnen lässt. Wenn ich mir das so durchlese, dann werde ich wohl noch eine ganze Zeit lang warten bis ich zu einem tragbaren Ubuntu-Geräte greife. Ich bin Fan neuer Technologien und liebe neues Spielzeug. Aber das hört sich noch nicht gut an, wenn ich ehrlich bin. Dann lieber ein Ultrabook. Das ist etwas teurer, aber damit kann ich vernünftig arbeiten, Fotos bearbeiten, alles aus den Repositories installieren und so weiter.

Bald soll OTA-12 mit neuen Funktionen kommen (drahtlose Konvergenz). Aber gerade das Problem mit den Apps lässt sich auf keinen Fall über Nacht lösen.

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2 Kommentare zu “Ernüchterndes Review über Ubuntu Touch – Tablet und Smartphone”

  1. Reiner sagt:

    Für Linux auf mobilen Geräten muss manches anders angegangen werden als wir es vom Desktop gewöhnt sind. Canonical hat das erkannt und setzt es um, aber der Benutzer muss auch umdenken und das kann anfangs ein bisschen frustrierend sein. Dazu gehört zum Beispiel das nicht beschreibbare Root Dateisystem. Das ist gut für Konsistenz und Sicherheit und OTA Updates sind sehr schnell installiert (sogar viel schneller als bei Android). Der andere wesentliche Punkt ist Mir statt X. Um nun trotzdem Desktop (Legacy) Programme verwenden zu können, gibt es Container (Libertine) und Xmir. Man kann sich einen eigenen Container anlegen und darin alles installieren was die Repos hergeben. Da gibt's noch so manche Probleme weil nicht alle Programme in einem abgeschotteten Container laufen mögen, aber das Grundprinzip ist sinnvoll und die Probleme werden sich lösen lassen. Wem das nicht genug ist der kann sich selbst ein chroot System anlegen und darin agieren wie er es vom Desktop gewohnt ist. Bei mir läuft ein komplettes Ubuntu Mate (Caveat: Hardware-beschleunigte Graphik geht (noch) nicht). Dass Apps fehlen ist erstmal unvermeidbar, für so eine Nische programmieren nur ein paar Enthusiasten. Auf dem Tablett finde ich das nicht so einschränkend weil auf dem grösseren Bildschirm kann man gut mit Browser und Web-Apps auskommen. Ich mag mein M10 und die Flexibilität die es jetzt schon bietet. Beim Telefon bleibt es erstmal bei Android.

    • jdo sagt:

      Das ist auch in Ordnung und völlig legitim. Das Problem ist nur, wie Canonical die Sache kommuniziert. Die tun nämlich immer so, als würde alles schon ganz toll laufen. Das stimmt aber nicht. Würde die Kommunikation oder das Marketing seitens Canonical anders laufen, dann gäbe es wesentlich weniger frustrierte Anwender.

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