Zero360 – 360° Panoramas mit Raspberry Pi

28 Juni 2016 3 Kommentare Autor: Jürgen (jdo)

Die erste Raspberry Pi Panorama Kamera Zero360 hat mich schon auch zum Schmunzeln gebracht, auch wenn ich es wirklich mehr als Spielerei sehe. Ich erkläre später, warum.

Zero360 besteht aus acht Raspberry Pi Zeros

Das Ding sieht irgendwie wie ein Dalek aus – das macht es schon mal irre sympatisch. 🙂

Zero360 (Quelle: raspberryjamberlin.de)

Zero360 (Quelle: raspberryjamberlin.de)

Die Idee dahinter ist klar. Ein 360° Panorama schießen zu können und dafür den gleichen Moment zu benutzen.

Das Zero360 besteht aus einem MDF-Gehäuse, auf dem sich acht Raspberry Pi Zeros (v1.3) tummeln. Sie sind wiederum mit acht Raspberry Pi Cameras (v2.1) verbunden.

Diese acht Raspberry Pi Zeros sind wiederum via OTG mit zwei Geräten der Serie Raspberry Pi 3 verbunden. Das macht vier Zeros für jeden Pi 3. Beide Pi 3 B sind wiederum zu einem Access Point via Wi-Fi verbunden. Genau genommen hat der Entwickler dafür sein Smartphone benutzt.

Das Setup ist in diesem Beitrag erklärt und der Entwickler will eine Artikelserie daraus machen. Dort gibt es auch Beispielbilder, die allerdings noch nicht ganz optimal sind. Es haben wohl nur sieben Kameras funktioniert und beim Stitchen hat es auch Probleme gegeben.

Meine Meinung dazu

Das Projekt ist Klasse, ganz ehrlich. Da ich aber selbst ein Fan von 360° Panoramas bin und schon einige gemacht habe, sehe ich das Projekt vielleicht mit etwas anderen Augen.

Werfen wird zunächst einmal einen Blick auf die Kosten. Ich habe dazu die Preise von ThePiHut genommen und nicht die Apothekenpreise aus Deutschland. Die Preise sind in Britischen Pfund angegeben.

  • Acht Raspberry Pi Zero -> 32 GBP (bei Pollin kostet ein Pi Zero fast 15 Euro!)
  • Acht Kamera-Kabel -> 32 GBP
  • Zwei Raspberry Pi 3 -> 60 GBP
  • Acht Raspberry Pi Camera Module -> 168 GBP

Das Gehäuse wurde gesponsert und ich lasse die Kosten dafür weg. Ebenfalls rechne ich die Stromversorgungen und die Kabel nicht. Auch das Stativ bleibt außen vor, denn das benötige ich bei einem anderen Setup auch. Selbst ohne diese Dinge kommen wir auf einen Preis von 292 GBP, was derzeit ungefähr 350 Euro entspricht.

Kein 360×180 mit dem Zero360 und Parallaxenfehler

Das nächst Problem ist, dass die Bilder keine 360×180-Aufnahmen werden – wenn ich das richtig sehe. Wie auch – das Kamera-Modul des Raspberry Pi entspricht einem 35mm-Objektiv (verglichen mit Vollformat). Möchte ich tatsächlich ein 360×180 Bild schaffen, dann müsste ich das Setup oben um mindestens zwei weitere Reihen vervielfachen. Das wären zusätzlich mindestens 462 GBP an Kosten, wo wir schon bei 754 GBP oder zirka 900 Euro wären. Ich bin gerade am Zweifeln, ob zwei weitere Reihen reichen – aber auch zu faul zum Ausrechnen … 🙂

Ein weitere Problem scheint mir bei diesem Setup ein Parallaxenfehler zu sein. Die aufgenommenen Bilder haben nicht alle das gleiche Zentrum, was beim Stitchen eines 360° Panoramas echte Kopfschmerzen verursachen kann. Genau aus diesem Grund gibt es diese Panorama-Köpfe, dass ein Parallaxenfehler vermieden wird.

Andere Hardware günstiger

Wenn ich mir den Preis, den Aufwand und den Kabelsalat oben ansehe oder vorstelle, dann bin ich mit anderer Hardware wohl besser beraten. An Strom muss ich ja auch noch denken, was bei anderen Kameras logischerweise implementiert ist.

Zum Beispiel eine GoPro HERO 4 Silver und ein Panosaurus würden mich zirka 500 Euro kosten. Gut, ich müsste den Panoramakopf selbst drehen.

Kaufe ich mir eine kleine Sony RX100 III und einen Panosaurus, dann bin ich bei 840 Euro und kann aber damit sehr wohl 360×180-Grad-Aufnahmen machen. Auch hier muss ich mehrere Reihen schießen und dann stitchen, aber die Qualität der Bilder dürfte ungleich besser sein als mit RasPi-Kameras, zumal die Sony in RAW schießen kann. Nehme ich die Sony RX100 für 360 Euro und den Panoramakopf für 140 Euro, bin ich bei 500 Euro und bekomme trotzdem wesentlich bessere Bilder.

Dabei muss es keine Sony sein, sondern es gibt noch günstigere Kameras, die ebenfalls bessere Fotos liefern als eine RasPi-Kamera.

Ich bekomme übrigens für 560 Euro bereits eine Canon 700D mit einem 18-55mm Objektiv. Mit dem Panosaurus läge ich da bei 700 Euro. Leichter tut man sich natürlich bei 360×180° Panoramas mit einem Fischauge.

Wer ein 360° Panorama mit nur einem Knopfdruck haben möchte, der bekommt eine Ricoh THETA S Vollsphärenkamera für 380 Euro. Damit lässt es sich zusätzlich noch einfacher filmen.

Oder ganz kurz gesagt: beim Zero360 erschließt sich mir das Preis-Leistungs-Verhältnis nicht.

Fazit

Ich will das Projekt auf keinen Fall schlecht reden, da ich ein großer Fan solcher Basteleien bin. Aber bei aller Liebe zum Raspberry Pi und zur Fotografie … praktikabel ist das Zero360 nicht – das ist für mich eine Machbarkeitsstudie oder auf neudeutsch Proof of Concept. So nett ich das Projekt finde, muss man hier aber wirklich die Kirche im Dorf lassen.

Es eignet sich ja auch nur bedingt für 360° Timelapse oder so. Ich müsste jedes einzelne Bild manuell stitchen. Diese Arbeit wird sich kein Mensch machen wollen.

Auf der anderen Seite – wen kümmert es?! Solange es Spaß macht, oder?

Teile meiner Ausrüstung

 

Nette Pi-Konstellation

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3 Kommentare zu “Zero360 – 360° Panoramas mit Raspberry Pi”

  1. Sorry I have to reply in english.

    Totally hit the nail on the head there with your comments... Not efficient.. Not the cheapest...

    But will like to point this much out... Stitching I am hoping to make this more automatic either with OpenCV or Panotools like hugin? That part I am still working out. If that works out then stitching is only down to processing time.

    Also this setup is a proof of concept for another more exciting project I am working on. 😉

  2. Frank Kipp sagt:

    Ich finde es immer schön zu lesen das andere Anwender sich mit dem Thema befassen.
    Gerade der Raspberry Pi ist ideal für solche Entwicklungen. Bestimmt wird demnächst der Raspberry Pi Zero mit Kamera Anschluß preiswerter, am Anfang ist alles noch nicht Preiswert, daher Daumen hoch für den Entwickler und auch den Daumen hoch für den Berichterstatter von diesem Artikel.
    Ich selber habe eine Zeit lang auch Kugelpanoramen gemacht, jedoch statt irgend einem Panosaurus, habe ich den Merlin motorisierten Kopf genommen, damals 2011 hat meine Technik mit einer EOS600D und 18mm Objektiv und einem Handheld N800 von Nokia mit Linux-Anwendung (gerade jetzt fiel mir die Software nicht mehr ein, werde es nach legen) jedoch die Technik hat circa 1000 EUR gekostet, ich empfehle diese Methode. Denn man stellt nur die Daten an Kamera und im N800 ein und startet den Vorgang und die Kamera fotografiert alles automatisch, man muss nur immer hinter der Kamera sich aufhalten.
    Ideal für Nachtaufnahmen, ein verzetteln mit den Schritte kommen nicht zu Stande, denn es wird alles automatisch fotografiert.
    Falls Jemand meine 360 Grad Bilder ansehen möchte, beachte ich habe damals alles in Adobe Flash online gestellt, das ging einfacher als in HTML 5. http://www.flyer360.net

    Derzeit versuche ich 360 Grad Video-Technik zu entwickeln und wie schon gesagt der Rpi ist dafür ideal, wenn nicht nur die Kamera des Rpi so minimale Auflösung produziert 5 M, bzw. 8M-Pixel. Ein Vollformat mit einem Fisheye und 4-5 Rpi währen schön, dann könnte man auch Videos in 360 Grad produzieren und wenn dann man die Lichtempfindlichkeit auf mehr ISO einstellen könnte – würde ich diese Technik gerne in Clubs oder draußen Nachts gerne einsetzen. Die Ricoh THETA hat mich nicht überzeugt, die Technik der Gopro Black Hero 4 schon eher nur nicht Preiswert.

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