Zwei Wochen in Schottland / Highlands – meine Eindrücke

7 Oktober 2015 6 Kommentare Autor: Jürgen (jdo)

Die knapp über zwei Wochen Urlaub / Foto-Tour in Schottland gingen recht schnell vorbei, muss ich leider sagen. Das von uns gemietete Haus befand sich am Loch Culag, nahe Lochinver (Sutherland), was wiederum am Anfang der westlichen Highlands und gleichzeitig am Ozean liegt.

In der ersten Woche spielte das Wetter nicht so ganz mit. Während des Tages wechselten sich Regen und Sonne immer wieder ab. Es gibt in Schottland wohl den Spruch: Wenn Dir das Wetter nicht passt, dann warte zehn Minuten. Dann hast Du das Wetter, das Du Dir wünscht. Genau so hat sich das Wetter auch verhalten.

Die zweite Woche war es dann besser und wir hatten recht viel Sonne. Das Wetter war sogar so gut, dass wir den Suilven erklimmen konnten. Der Suilven ist 723 Meter hoch und man kann dort nicht einfach hinfahren. Ich komme später darauf zurück.

So eine Erfahrung in Worte zu fassen, ist nicht immer einfach. Deswegen werde ich einfach Tage herausnehmen und diese mit Bildern beschreiben. Die nachfolgenden Fotos sind teilweise mit einer Canon EOS 7D und teilweise mit einer Sony RX-100 III geschossen. Die Sony deckt 24-70 mm ab und auf der Canon hatte ich meist ein Zoom-Objektiv (70-200 mm). Musste es dann doch weitwinkeliger sein, habe ich mit der Sony einfach mehrere Bilder hintereinander aufgenommen und diese anschließen in Hugin gestitcht.

Wie kommt man eigentlich nach Lochinver?

Um nach Lochinver zu gelangen, fliegt man nach Inverness. Wir sind zunächst nach London geflogen und dann nach Inverness. Von dort geht es dann zwei bis drei Stunden mit dem Auto nach Lochinver. Während der Fahrt fallen die etlichen kleinen Seen auf.

Info: Loch wird in Schottland sowohl für Meeresarm als auch für See verwendet. Ein Dinge mit Wasser eben 🙂 – in manchen Lochs spürt man die Gezeiten, in manchen eben nicht.

Lochinver

Lochinver

An unserem Haus angekommen, hat uns dann dieser Ausblick erwartet. So kann der Urlaub in Schottland anfangen.

Loch Culag

Loch Culag

Hier ist noch ein 360er Panorama vom Garten und dem Haus. Weitere 360°-Panoramas von mir gibt es auf dieser Seite. Das Haus in einem Viewer kannst DU hier betrachten.

Lochside House am Loch Culag

Lochside House am Loch Culag (aufgenommen mit der Sony RX100 III)

Positiv aufgefallen ist mir zu diesem Zeitpunkt, dass der Nordwesten Schottlands nicht sehr dicht besiedelt ist.

Am nächsten Tag haben wir die nähere Umgebung ein bisschen erkundet und sind durch die Culag Woods gestapft. Ein Weg endet an einem recht schönen Strand. Das Wasser ist allerdings ziemlich kalt.

Culag Woods

Culag Woods

Culag Strand

Culag Strand

Die Vögel scheinen an Wanderer gewohnt zu sein. Dieses Rotkelchen hat sich so zwei Meter hinter mir in einen Busch gesetzt.

Rotkelchen

Rotkelchen

Loch Assynt, Ardvreck Castle und Calda House

Im Loch Assynt steht das Ardvreck Castle – zumindest was davon übrig ist. Es wurde im Jahre 1590 vom Clan McLeod gebaut und vom Clan McKenzie im Jahre 1672 zerstört. Angeblich spuken darin gleich zwei Geister. Man kann das alles bei Wikipedia nachlesen.

Ardvreck Castle im Loch Assynt - die Überreste

Ardvreck Castle im Loch Assynt – die Überreste (das sind fünf Fotos – aufgenommen mit der Sony RX-100 III auf einem Stativ und mit Hugin zusammengenäht)

Direkt gegenüber, ebenfalls am Loch Assynt, befindet sich das Calda House, in dem ebenfalls ein Geist sein Unwesen treiben soll.

Calda-Haus am Loch Assynt

Calda-Haus am Loch Assynt

Nur mal als Vergleich das Ardvreck Castle an einem anderen Tag, an dem es nur geregnet hat.

Ardvreck Castle an einem regnerischen Tag

Ardvreck Castle an einem regnerischen Tag

Einige Spaziergänge

Es gibt unzählige Wanderwege in der Nähe von Lochinver. Man stapft einfach los und ist in wenigen Minuten Laufzeit in der Wildnis. Zu verdanken ist das der Assynt Foundation. Kurz gesagt sollte ein riesiges Stück Land verkauft werden und die Leute der Region haben sich zusammengeschlossen und das Stück Natur erworben. Seitdem kümmern sie sich darum und tun alles mögliche, dass es so schön bleibt wie es ist. Finde ich toll und die Leute machen einen großartigen Job.

Wo es viel Wasser gibt, gibt es natürlich auch Wasserfälle. Ein Anblick wie dieser ist nicht selten.

Wasserfall

Wasserfall

Old Man of Stoer

Der alte Mann von Stoer ist aus Stein, zirka 60 Meter hoch und ragt aus dem Meer. Mit dem Auto erreicht man den Old Man of Stoer nicht. Du kannst bis zu einem Leuchtturm fahren und dann geht es zu Fuß weiter.

Der Marsch dauert zirka 1,5 Stunden und geht teilweise durch Morast, Schlamm und entlang der Küste. Angeblich ist das einer der besten Plätz in Sutherland, um Wale und Delfine zu sehen. Haben wir aber nicht.

Old Man of Stoer

Old Man of Stoer

Dieser Tag war wieder von wechselndem Wetter begleitet. Sonnenschein, starker Wind, Regen, alles dabei. Das muss aber nicht immer nerven. Vor allen Dingen gibt es dann Regenbögen.

Regenbogen

Regenbogen

Diese Bachstelze hier war allerdings im Sonnenschein ativer.

Bachstelze

Bachstelze

Zurück am Leuchtturm angekommen, gab es dann ganz nach britischer Tradition erst einmal eine Tasse Tee. Das hat sich aber auch gelohnt. Da das Wetter Kapriolen schlug, hat sich dieses Szenario ergeben.

Leuchtturm mit Regenbogen

Leuchtturm mit Regenbogen

In der Nähe von Stoer sind wir außerdem auf diesen Strand gestoßen. Das ist auch wieder so ein Anblick, den ich persönlich mit Schottland nicht verbunden hätte. Clashnessie nennt sich der Ort.

Der Strand von Clashnessi

Der Strand von Clashnessi

Durness und die Smoo Caves

Durness ist der nödrlichste Ort im Westen Schottlands. Dort gibt es die Smoo Caves zu sehen. Das interessante an den Smoo Caves ist, dass sie teilweise von Meer und teilweise von einem Fluss geformt. Für die äußere Höhle ist das Meer und die Gezeiten verantwortlich und für die inneren beiden Teile ein Fluss, der dort in Form eines Wasserfalls in die Höhle prasselt. Das Ganze ist doch sehr fotogen, wie ich finde.

Smoo Caves in Durness

Smoo Caves in Durness

Man muss sich für die Langezeitbelichtung allerdings etwas Zeit nehmen, da andauernd Leute reingepoltert kommen. Ein Holzsteg ist nicht gerade am stabilsten und somit kommt es immer wieder zu Verwacklern. Bleibt man allerdings geduldig, dann hat man schon mal zehn bis 15 Sekunden für sich und die muss man dann ausnutzen.

Während man an der Küste unterwegs ist, trifft man eigentlich dauernd auf solche Anblicke. Fluss trifft Meer … einfach nur schön.

Fluss trifft Meer

Fluss trifft Meer

Suilven – 23km zu Fuss durch die Highlands

Den Suilven habe ich am Anfang schon erwähnt. Wir haben dem Wetterbericht bezüglich Schottland vertraut und uns auf den Weg gemacht, den Gipfel zu erklimmen. Da sind wir hinauf und ich lasse einfach mal ein Bild für sich sprechen. Der markante Berg in der Mitte ist der Suilven in den Highlands.

Suilven in den Highlands / Schottland

Suilven in den Highlands / Schottland

Man ist insgesamt 23 Kilometer zu Fuß unterwegs. Inklusive Pausen für Fotos und Rast haben wir 9,5 Stunden gebraucht. Ich hatte außerdem noch knapp 10 kg auf dem Rücken, da ich Stativ und Fotoausrüstung mitgeschleppt hatte, um ein 360×180 Panorama zu machen. Auch wenn es noch nicht ganz fertig ist, kann ich jetzt schon sagen, dass sich das gelohnt hat. Ich widme der Tour zum Suilven und dem ganzen Tag einen separaten Eintrag, wenn die Panoramas und die 360er fertig sind.

Mit dem Makro unterwegs

Für den Suilven hatten wir uns definitiv den richtigen Tag ausgesucht, da das Wetter in den Tagen danach doch wieder etwas launischer war, ganz nach schottischer Art eben. Allerdings ist das auch nicht so schlimm, wenn man ein Makro-Objektiv zur Hand hat.

Wir sind einfach noch mal in die Culag Woods gegenüber und haben uns nach kleinen Sachen umgesehen. Macht man die Augen auf, gibt es immer ein Fotomotiv.

Spinne

Spinne

Ein Tropfen Harz

Ein Tropfen Harz

Kleiner Pilz

Kleiner Pilz

Blätter: Übergang von Sommer zu Herbst

Blätter: Übergang von Sommer zu Herbst

Fluss und springender Lachs

Einen Tag vor unserer Abreise haben wir nochmal eine Tour an einem Fluss unternommen. Eigentlich wollten wir Langzeitaufnahmen von Wasser machen, was auch ganz gut geklappt hat.

Fluss: Langzeitblichtung

Fluss: Langzeitblichtung

Fluss: Langzeitbelichtung

Fluss: Langzeitbelichtung

Wir standen da eine Weile und haben immer wieder vernommen, dass etwas aus dem Wasser gesprungen ist. Das waren Lachse auf dem Weg zu ihrem Laichplatz. Mit Geduld und Glück ist mir dann diese Aufnahme gelungen. Dabei hatte ich nicht einmal mein Zoom-Objektiv auf der 7D, sondern bin wegen des nicht so guten Wetters nur mit dem Makro losgezogen. Aber ein 100mm Makro eignet sich dann auch schon mal als Zoom.

Springender Lachs

Springender Lachs

Der Blutmond

Mit viel Spannung haben wir auf die Nacht des Blutmondes gewartet und wollten dafür eigentlich zu Ardvreck Castle fahren. Allerdings hat das Wetter nicht mitgespielt, wobei wir anfangs noch Hoffnung hatten.

Doch kurz nachdem die Mondfinsternis begann, hat sich eine dicke Wolkendecke vor den Mond geschoben und wir konnten das Spektakel leider nicht verfolgen.

Zwei Nächte später war es dann klar – der Mond aber nicht mehr ganz voll und auch keine Finsternis mehr zu sehen. Dafür haben die kleinen Wölkchen davor ganz mystisch ausgesehen.

Mond

Mond

Der Baummarder

Jede Nacht oder am späten Abend kam uns ein Baummarder besuchen. Die Tiere sind meist in der Nacht aktiv und wir haben dem kleinen Räuber immer ein paar Nüsse auf den Balkon gelegt (ungesalzene Haselnüsse). Die nimmt er wohl gerne zu sich und hat sie auch immer brav verputzt. Über den Rest haben sich dann die Meisen gefreut.

Meise und Nüsse

Meise und Nüsse

Die Herausforderung war es aber nun, den schottischen Baummarder zu fotografieren. Wir hatten die Nächte zuvor schon einige Versuche unternommen und die Ergebnisse ließen zu wünschen übrig. Also musste ein anderes Konzept her.

Ich hatte meine Kamera so nah am Boden wie möglich postiert und die Einstellungen einer Zeitrafferaufnahme verwendet. Das Ganze hat dann vier Stunden lang in der Nacht geschossen. Auf diese Weise hat die Sache auf jeden Fall geklappt und ich konnte den Nussdieb (nicht wirklich Dieb, es war ja ein Geschenk) fotografisch festhalten. Ich bin recht zufrieden mit den Bildern, da die Lichtverhältnisse sehr dunkel waren. Hohes ISO und langsame Verschlusszeiten waren gefragt, dazu noch geringe Tiefenschärfe. Dafür lassen sich die Fotos aber sehen, finde ich.

Baummarder

Baummarder

Baummarder

Baummarder

Baummarder

Baummarder

Bereits vorher hat schon ein anderer Besucher an den Nüssen geknabbert – kann man nur hoffen, dass die Maus nicht als Vorspeise für den Baummarder diente.

Maus an den Nüssen

Maus an den Nüssen

Falls of Shin: Noch mehr springende Lachse

Auf dem Rückweg nach Inverness haben wir einen kleinen Umweg in Kauf genommen und sind zu den Falls of Shin. Wie man aus dem Namen bereits ableiten kann, handelt es sich hier um Wasserfälle. Das Besondere daran ist aber, dass auch hier Lachse den Fluss aufwärts wandern und dabei ein ziemliches Hindernis überwinden müssen. Das Spektakel ist beeindruckend und man muss unglaublich schnell mit dem Auslöser hantieren, um die springenden Lachse im Foto festzuhalten. Neben sehr vielen missglückten und unscharfen Versuchen, gibt es wenige Bilder, mit denen ich zufrieden bin.

Wenn man mit einem 200mm (bei einer 7D durch 1,6 Crop eigentlich 320mm) Objektiv voll hineinzoomt, dann wird der Bereich schon recht klein. Hüpft dann ein Lachs durch das Bild, muss man einfach nur schnell sein. Das nachfolgende Bild ist lediglich verkleinert, aber nicht beschnitten.

Falls of Shin: Springender Lachs in Schottland

Falls of Shin: Springender Lachs in Schottland

Schottland ist eine Reise wert

Schottland steht auf jeden Fall auf meiner Liste für einen weiteren Besuch. Besonders die Isle of Skye würde ich gerne besuchen und dort hoffentlich Adler sehen. Raubvögel gab es um Lochinver ebenfalls. Meist waren das Bussarde (das hört man) und die aber so hoch, dass es auf dem Foto lediglich einen kleinen schwarzen Punkt gab.

Die Highlands und der Marsch zum Suilven waren beeindruckend. Eine wunderschöne Landschaft und tatsächlich echte Wildnis. Kommt man nach zwei Wochen am Rande der Zivilisation wieder in Gegenden, die dichter besiedelt sind, wird einem so richtig bewusst, welche Narben der Mensch in die Natur geschlagen hat.

Die Leute von Assynt haben das richtige getan und die Landschaft um sich herum selbst erworben. Ich hoffe, dass das Gebiet noch sehr lange Zeit genau so unberührt bleibt, wie es ist. Diese Reise werde ich auf jeden Fall nicht so schnell vergessen – schon gar nicht den Trip auf den Suilven.

Highland Midges

Was man auf jeden Fall erwähnen muss, sind die Highland Midges. Das sind kleine stechende Plagegeister, die vor allen Dingen an windstillen Tagen nerven. An manchen Tagen braucht man unbedingt ausreichend Schutz und ein Netz. Sonst wird man wahnsinnig.

Das gilt vor allen Dingen dann, wenn man Nahe am Wasser steht und sich längere Zeit kaum oder nicht bewegt.

Teile der von mir in Schottland verwendeten Ausrüstung

 

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6 Kommentare zu “Zwei Wochen in Schottland / Highlands – meine Eindrücke”

  1. Didi sagt:

    Es heißt Greifvögel, nicht Raubvögel *klugscheiß* 😉
    Ansonsten: Tolle Aufnahmen!

  2. Nudelsieb sagt:

    Toller Report. Midges hatten wir dieses Jahr auch in Wales, ekelige kleine Biester.

    Es waere super, wenn in den Bildern die exif-Daten erhalten waeren, da ich mit meinem Brwoser-Plugin gerne solche Daten ansehe :).

    Jedenfalls macht der Bericht schon leicht neidisch und auch Lust auf mehr. Ich muss auch mal wieder nach Schottland ;-).

    Danke.

    • jdo sagt:

      Die exif-Daten gehen teilweise beim Bearbeiten verloren und ich achte nicht weiter drauf, das sie erhalten bleiben. Bei gestitchten Bildern ist es noch schwieriger, da die Daten der Einzelbilder teilweise unterschiedlich ist.
      Nach Wales will ich auch mal.

  3. Didi sagt:

    Wikipedia: "Als Raubvögel bezeichnete (Präteritum!) man...". "Durch diese Klassifikation Fürbringers wurde das Taxon „Raubvögel“ ungültig."

    Andererseits wäre ein klingonischer "Bird of Prey" dann ein Schiff der Greifvogelklasse. Bleiben wir also beim Raubvogel.

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