Ausweisung des CIA-Chefs in Deutschland: USA wütet, ist mir auch schon passiert

12 Juli 2014 Kein Kommentar Autor: Jürgen (jdo)

Da hat die Berliner Regierung also nun die Ausweisung des CIA-Chefs veranlasst. Ob das nun eine Nebelkerze ist oder nicht, sei dahingestellt. Viel witziger ist allerdings, dass sich die Regierung der USA nun darüber brüskiert. „Nicht angemessen“ sei das Ganze. Ein „Wutanfall“ Berlins. Unter Strich ist es also eine bodenlose Unverschämtheit, dass ich jemanden des Landes verweise, der sich auf illegale Weise Informationen besorgt hat.

Das die Überwachung und Spionage weitergeht, daran zweifelt die Fachwelt kaum. Auch dass es mehr bedarf als einen einzelnen CIA-Heini aus dem Land zu werfen. Da wurde eben ein Sündenbock gesucht, damit man die Bürger beruhigt. Aber es ist zumindest etwas passiert.

Ausweisung hätte ich auch gerne angeordnet

Das ganze erinnert mich an eine Geschichte, die mir vor etlichen Jahren selbst passiert ist. Ich wohnte damals in der Münchner Innenstadt an einer recht befahrenen Straße. Die kleine Wohnung hatte ein einziges, aber sehr großes Fenster mit Ausgang zum Balkon – Richtung Straße und von der anderen Seite konnte also jeder mir schön in die Einzimmer-Wohnung glotzen. Was macht man in so einem Fall? Genau, man hängt Vorhänge auf und zwar solche, die eine Spionage der anderen Seite unmöglich macht.

Damals arbeitete ich bei IBM in München. Morgens so zwischen zehn und 12 Uhr ruft mich der Empfang an. Sie hätten die Polizei am anderen Ende der Leitung, die gerne mit mir sprechen müssten. In diesem Moment schießt einem einiges durch den Kopf, aber mit dem hatte ich nicht gerechnet. Ich verkürze das Gespräch etwas, da es nur um das Prinzip geht.

P(olizei): „Guten Morgen. Sind Sie der Herr …“

I(ch): „Ja. Um was geht es denn bitte.“

P: „Ein Nachbar von gegenüber hat angerufen. Bei Ihnen in der Wohnung würde sich Verdächtiges abspielen.“

I: „Wie bitte? Aha, interessant. Jetzt gerade? Vermuten Sie einen Einbruch?“

P: „Nein generell. Der Nachbar vermutet mehrere ausländische Verdächtige, die sich dauerhaft in Ihrer Wohnung aufhalten.“

I: „Woher wissen Sie denn, dass das meine Wohnung ist? Sind Sie sicher, dass Sie die richtige Wohnung haben?“

P: „Ja. Wir haben den Vermieter kontaktiert und somit an die Daten gekommen.“

I: „Ach. Das mit den Terroristen hätte ich aber merken müssen. Die Wohnung ist ja nur 35qm groß. Irgendwann hätte man sich ja über den Weg laufen müssen, oder? Aber wie kann er denn das sagen, ich habe doch alles mit Vorhängen dicht gemacht, damit mir nicht jeder in die Wohnung glotzen kann.“

P (hört man in der Zwischenzeit am anderen Ende schmunzeln): „Ja. Das ist auch das Hauptproblem des Nachbarn. Er vermutet das auch nur, weil er eben nicht mehr in die Wohnung sehen kann.“

I: „Ja sehen Sie und das ist genau der Grund, warum ich die Vorhänge angebracht habe. Wer ist denn dieser Typ? Vielleicht sollte ich Gegenspionage einleiten. Möglicherweise beherbergt er selbst mehrere verdächtige Personen und will nur davon ablenken?“

P: „Das dürfen wir Ihnen leider nicht sagen. Aber es scheint ja alles in Ordnung zu sein. Schönen Tag noch.“

Den Nachbarn hätte ich am liebsten auch ausgewiesen. Aber vom Prinzip her ist es ähnlich. Ich schütze mich vor „ins Fenster glotzen“ und bin dann sofort verdächtig, weil mir so ein Depp von gegenüber nicht mehr in die Wohnung glotzen kann. Das beste daran ist, dass sich die USA der Spanner von der anderen Straßenseite darüber auch noch aufregt.

Ach genau …

Da die EFF nun ja ein Foto vom NSA Data Center Utah als Public Domain zur Verfügung gestellt hat, sollte man das auch nutzen … 🙂

NSA Data Center in Utah

Der Nachbar von der anderen Straßenseite

 

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