Microsoft: Skandal! UK-Regierung liebäugelt mit Open-Source – wir werden ausgegrenzt!

23 Februar 2014 Ein Kommentar Autor: Jürgen (jdo)

So eine bodenlose Unverschämtheit, was man da dem armen Microsoft antut. Da liebäugelt die britische Regierung doch tatsächlich damit, künftig auf Open-Source zu setzen. Man wolle Kosten sparen und so weiter.

Da muss man natürlich sofort handeln und die Regierung zurechtbiegen aufklären. „Diese Entscheidung beeinflusse wahrscheinlich sowohl die Regierung, als auch die Bürger in UK. Auch Firmen seien davon betroffen, die Geschäfte mit der Regierung oder den Behörden machen wollen.“

Die Regierung überlegt sich, künftig auf das OpenDocument Format (ODF) zu setzen. Somit grenze man laut UK Vice President Michel Van der Bel den weit verbreiteten offenen Standard Open XML (OOXML). Wer kein Programm für die Bearbeitung von ODF habe, bei dem seien Probleme vorprogrammiert. Microsoft unterstütze ODF seit 2007, aber OOXML sei weiter verbreitet – ja warum wohl, weil sich keiner die Mühe macht (oder es nicht besser weiß), das Standard-Format umzustellen. Auch Pages für iOS oder Google Docs seien betroffen.

Das arme Microsoft fühlt sich also schlecht behandelt und ausgegrenzt. Die Regierung solle besser nicht auf Open-Source setzen. Der Engländer würde an dieser Stelle einwerfen: Bollocks!

Das Kettenrasseln ist nichts anderes als das: Man sieht die Felle davonschwimmen. Auch die Kommentare zu dem Beitrag gehen in die Richtung. OOXML sei nichts anderes als ein goldener Käfig und alles andere als offen. Es gleiche mehr einen Schwarzen Loch und hat wenig mit „offen“ zu tun und so weiter.

Dabei ist die offensichtliche Lösung so einfach und Microsofts VP hat anscheinend vergessen, diese zu erwähnen: LibreOffice oder Apache OpenOffice … das kann sich jeder Bürger herunterladen und auf seinem Rechner installieren. Schon wäre man kompatibel. Das beste daran ist, lieber M$ VP, die Programme sind auch noch kostenlos verfügbar! Da staunste, was?

Ich behaupte schon seit Jahre, dass Windows nicht wegen Windows überlebt oder die digitale Welt in Fesseln hält. Aber so langsam aber sicher bröckelt es an allen Ecken und Enden.

  1. Da war die Geschichte mit dem Browser, diesem verfluchten Internet Exploder 6. Damit wollte man das Internet von „offenen Standards befreien“. Mozilla hat mit Firefox das zum Großteil gerichtet und mittlerweile ist das Browser-Universum doch sehr ausgeglichen.
  2. Es sind die Spiele. Nun gut, da gibt es Hoffnung. Angefangen hat es mit den Humble Bundles und nun mischt Valve mit Steam den Markt auf.
  3. Natürlich ist es Microsoft Office – das ist die eigentliche Cash Cow. Wer zur Business-Welt komatibel sein wollte, musste Microsoft Office haben (oder wusste es nicht besser). In der Zwischenzeit ist es so, dass es mit LibreOffice, Apache OpenOffice, SoftMaker und Kingsoft Office Alternativen gibt, die bessere oder schlechtere Filter für OOXML mit sich bringen. Man muss sich nach Microsoft richten.

Das ultimative Ziel ist es aber, den „Goldenen Käfig“ beim Office-Format los zu werden. Dann ist auch die Wahl des Betriebssystems völlig egal. Ich glaube fest daran, dass man mit Sorge bei Microsoft auf das Thema Office sieht. Ist ODF erst mal etabliert und mehr und mehr Leute sowie Businesses setzen es ein, braucht man auch kein Microsoft Office mehr. Ist das Thema Office erledigt, was hält den Standard-Anwender eigentlich noch bei Windows?

Oftmals ist es geschickter, die Leute (vorerst) nicht von Linux als Betriebssystem zu überzeugen. Wobei der Zeitpunkt mit der baldigen Einstellung von Windows XP gar nicht so schlecht wäre. Viel wichtiger ist es, die Leute zunächst für Plattform-übergreifende Software zu sensibilisieren. Die meisten Anwender nutzen auch den Funktions-Umfang von LibreOffice nicht aus. Sobald ich einem Anwender freien und Plattform-übergreifende Alternativen für alle sein Wünsche gezeigt habe, dann kann ich die Frage stellen: „Auf was willste denn die Software einsetzen? Linux, Mac OS X oder Windows? Läuft auf allen dreien.“ – nun ist der Weg frei für Linux. Der Ruf von Linux ist schon sehr viel besser geworden, aber mit dieser Herangehensweise nimmt man den „Frickel-Faktor“ aus dem Spiel und dem Anwender die Angst vor dem System. Übrigens behauptet man mit dieser Umfrage, dass elf Prozent der befragten XP-Anwender auf Linux umsteigen wollen (OK, es haben auch nur knapp 650 Menschen geantwortet – somit nicht repräsentativ – allerdings handelt es sich um befragte Unternehmen und Organisationen – somit schon wieder ein Indikator – das Wichtige an diesen Zahlen ist, dass Linux zumindest auf dem Tisch liegt!).

Gerade in der Business-Welt ist die Wechselbeziehung zwischen Microsoft Office und Windows eine der geschicktesten Fesseln, die man der digitalen Welt jemals angelegt hat. Du brauchst Microsoft Office, also braucht Du auch Windows (gut, CrossOver, Wine und so weiter, aber das sind eher Workarounds – die bizarr gut funktioneren). Obwohl Microsoft Office auf Windows aufsetzt, ist es gleichzeitig die größte Stütze des Betriebssystems. Fällt die Vormachtstellung von Microsoft Office, ist Windows damit empfindlich geschwächt.

Nun kann man nur hoffen, dass Google endlich ODF in Drive unterstützt und die Android-Welt würde ein massiver Pfeiler dieser Bewegung werden. Man arbeitet auch bei LibreOffice an einer Android-Version – keine Ahnung wann die fertig ist. Das einzige Programm mit dem man derzeit einigermaßen vernünftig ODF-Dateien unter Android bearbeiten kann ist TextMaker.

Ach genau, da war noch das erwähnte iOS … wen interessiert das? Apple ist damit in der Minderheit und muss sich halt auch mal nach der Mehrheit richten. Wenn nicht – soll nicht das Problem der anderen sein …

Die Überlegungen der UK-Regierung sind noch nicht durch oder abgesegnet. Hoffentlich wird nicht wieder irgendein Politiker beim Golfspielen mit Microsofties weich …

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