Die besten Linux- / Open-Source-Dinge im Jahre 2013 und der teilweise Unsinn dahinter

6 Dezember 2013 2 Kommentare Autor: Jürgen (jdo)

Tux Logo 150x150Oh je, die grausame Zeit der Rückblicke und “Bestes Tool für … 2013”, “Die geheimsten Bla … 2013”, “Die schlimmsten Dinge … 2013” …

Geht mir persönlich ziemlich auf den Geist, weil so viel Geschmackssache ist und es teilweise auch keine Alternativen gibt. So sind auch bei den Readers’ Choice Awards 2013 des Linux Journal einige bizarre Einträge zu finden. Manche Dinge sind so offensichtlich, dass man sich gleich eine Abstimmung hätte sparen können. Außerdem werden Web-basierte und Standalone-Programme wild durcheinandergemischt. Aber das ist in der heutigen Zeit wohl schon OK. Die Browser werden immer mehr zu einem eigenen System im Betriebssystem.

Es macht dennoch irgendwie Spaß, durch die Liste zu kruschen, schmunzeln und in Unglauben den Kopf zu schütteln. Sehen wir uns mal ein paar Einträge an.

Die besten Linux-Distributionen mit über zehn Prozent sind Ubuntu (16), Debian (14,1), Arch (10,8) und Linux Mint (10,5). In Sachen “beste Desktop-Distribution” sieht es so aus: Ubuntu (23.2), Linux Mint (16), Arch Linux (8.7), Fedora (8.6). Bei den Desktop-Umgebungen hat allerdings KDE die Nase vorne: KDE (17.9), Unity (12.9), KDE Plasma (12.7), Xfce (12.1), GNOME 3 (14.1), Cinnamon (8.6)

Dass sich beim besten “Linux Tablet” das nicht existierende KDE Vivaldi Tablet (9.3 Prozent, Platz 4) und das ebenfalls nicht vorhandene Ubuntu Edge (6,4 Prozent, Platz 6) tummeln, ist mir ein echtes Rätsel. Entweder haben ich etwas verpasst, oder …

Die Linuxer stehen auf Firefox, wenn man der Umfrage Glauben schenken darf: Firefox (52.8), Chrome/Chromium (35.5), Opera (4), Iceweasel (3.1).

In Sachen E-Mail-Client ist Mutt beliebter als Evolution!: Mozilla Thunderbird (41.1), Gmail (29), KMail (7.7), Mutt (4.8), Evolution (4.2).

Google Drive vor Apache OpenOffice als beste Bürosoftware-Sammlung ist auch nicht schlecht: LibreOffice (71.8), Google Drive (11.8), Apache OpenOffice (6.7)

Bestes Cloud-basiertes File Storage – was macht denn rsync da drin? Aber schön, dass ownCloud aufholt: Dropbox (35.5), ownCloud (16.3), Google Drive (16.2), Ubuntu One (7.1), rsync (6.8)

Es ist ja nicht mehr so, dass es nur wenige Spiele für Linux gibt. Aber die Wahl der besten Spiele lässt wohl viel auf die Wähler dieser Umfrage schließen. Minecraft? Wirklich?: Minecraft (21.2), Other (20.9), Half-Life (18.5), Frozen Bubble (11.1)

In Sachen beste SQL-Datenbank gibt es eigentlich fast keinen Gewinner – so eng liegen die erste Drei zusammen. Was man aber dennoch ablesen kann ist, dass Oracle massiv MySQL-Anwender verprellt hat: MySQL (29.7), MariaDB (28.5), PostgreSQL (26.8)

Dropbox als Nummer Zwei der besten Backup-Lösungen ist auch interessant – Clonezilla als Nummer Eins geht mir auch nicht ganz ein – wer sichert denn immer komplette Partitionen oder Festplatten? Hier wäre rsync meine Wahl gewesen (das sich wohl in Other tummel): Clonezilla (19.6), Dropbox (19.3), Other (19.1), Bacula (8.8)

Bei den Kategorien “Best Open-Source Security Tool” und “Best Open-Source Pen Testing Tool” würde ich spontan ein Veto einlegen. Da ist in beiden Nmap vorne, was ich noch einsehen kann. Allerdings ist beim ersteren BackTrack Linux vor Kali Linux und Kali ist die Weiterentwicklung von BackTrack. Das dürfte man gerne zusammenfassen. Bei Pen Testing Tool ist Kali an zweiter Stelle. Mir passt das deswegen irgendwie nicht, weil Kali Linux eigentlich eine Tool-Sammlung ist, die auch Nmap enthält. Eine klare Abgrenzung zwischen “Tool” und “Tool-Sammlung” wäre hier schon wünschenswert.

Erstaunlich, wie populär vi/vim doch noch als Texteditor ist: vi/vim (38), gedit (16.4), Kate (14.3), Emacs (9.6)

Bester Dateimanager … Nummer Drei und Vier?: Dolphin (25), Nautilus (17.4), Bash (10.4), Command line (10.3), Midnight Commander (7.9)

Die schlechtesten Ideen: GNOME 3 (19.9), “Eine neue Distribution anstatt eine gute Applikation zu kreieren” (19.5), Mir Display Server (17.8), “Ubuntus Alleingänge” (15.9)

Steam entscheidet die Kategorie “beste neue kommerzielle Applikation” ganz klar für sich: Steam für Linux (74.6), Krita Studio (5.6), LightWorks Pro (4.6)

Eine Liga für sich ist das Raspberry Pi. Gleich in mehreren Kategorien weit vorne und das völlig zurecht. Auch im “Produkt des Jahres” hat der Winzling die Nase vorne – was hier das Ubuntu Edge noch mal treib – es ist mir ein Rätsel … ich staune: Raspberry Pi (34.6), Jolla/Sailfish OS (19.9), FirefoxOS (11.7), Ubuntu Edge (8)



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2 Kommentare zu “Die besten Linux- / Open-Source-Dinge im Jahre 2013 und der teilweise Unsinn dahinter”

  1. bostaurus sagt:

    Was mich an dieser Rangliste ein wenig wundert: Linuxer sind meistens stolz auf die hohe Sicherheitstufe des Betriebssystems. Bei Cloud-Diensten schlägt das aber nicht ganz so durch: Da steht die Dropbox weit oben (US-amerikanischer Server und Rechtslage) sowie Google Drive (siehe Dropbox); was die Speicherung angeht, wären verschlüsselnden Diensten wie Wuala ein höherer Rang zu wünschen.

  2. Georg sagt:

    Für mich: Raspberry und Firefox OS. der RPi gibt Usern die Möglichkeit, eigene Server zu nutzen, die vorher keine hatten. Dies schafft ganz neue Möglichkeiten für die Masse, und eine eigene Cloud ist in Zeiten von NSA und Co. besonders sinnvoll.

    Firefox OS wird den Markt noch erobern, uns zudem unabhängiger von einzelnen Systemen und Gatekeepern machen. Firefox OS-Apps habe ich bereits auf einem Linux-Desktop, Android und MeeGo genutzt. Ich kann jetzt problemlos mein System wechseln, meine Apps bleiben erhalten. Das wird den Markt noch im Sinne des Kunden nachhaltig verändern. Aber auch die Tizen Webapps ermöglichen dies, und die Systeme mit Paketmanager wie MeeGo ermöglichen zumindest eine einfache Portierung von Desktop-Anwendungen. Das ist alles lobenswert und gehört gefördert.

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