Matthew Garret wundert über Canonicals Mir, CLA und GPLv3

20 Juni 2013 Ein Kommentar Autor: Jürgen (jdo)

Ubuntu Phone Teaser 150x150Was Mir ist, braucht man eigentlich nicht mehr lang und breit erklären. Es ist Canonicals Alleingang, einen Display-Server ähnlich zu Wayland zu entwickeln. Diesen will der Ubuntu-Hersteller dann vom Desktop bis zum mobilen Gerät einsetzen (im Moment benutzt Ubuntu Phone als Interims-Lösung den Android-Display-Server SurfaceFlinger). Es sind etliche Diskussionen im Gange, ob dieser Alleingang gerechtfertigt ist und auch Matthew Garret hat sich dazu geäußert.

Wie viele andere von Canonical betriebene Projekte ist auch Mir unter der GPLv3. In der GPLv3 gibt es einige Aspekte, die den Anwender schützen sollen. Er darf auf die Rechte pochen, die im laut GPLv3 zustehen. Sollte ein Produkt mit der GPLv3 ausgeliefert werden, darf man den Code auch ersetzen. Somit ist das für Geräte ein Problem, die man komplett dicht machen möchte und auf dem nur Hersteller-Code laufen soll. Weiterhin gestattet die GPLv3 eine eindeutige Paten-Lizenz für Downstream-Empfänger. Denen wird ausdrücklich die erlaubt, die durch die GPLv3 gewährten Patente in verwandten Arbeiten zu verwenden.

Wegen dieser Einschränkungen hielten sich Firmen mit geschlossenen Systemen oder eigenen Patenten vornehm zurück, die GPLv3 einzusetzen. Sieht man es von dieser Seite aus, macht die GPLv3 einen sehr guten Job. Einige Firmen hätten sogar beschlossen, dass Code unter der GPLv3 teurer kommt als bestehenden Code zu verbessern oder Software gleich komplett neu zu schreiben. Garret nennt hier Android als ein Beispiel. Darin findet man keinen GPLv3-Code und selbst GPLv2 (außerhalb des Kernels) ist auf ein Minimum reduziert.

Canonical versuche, Ubuntu in einen GPLv3-unfreundlichen Markt zu drücken. Aus diesem Grund findet Garret, dass der Einsatz von GPLv3 etwas komisch ist. Solange sie der einzige Copyright-Besitzer sind, sei das auch kein Problem. Wer das Copyright besitzt, kann den Code natürlich unter so vielen Lizenzen ausgeben, wie er das möchte. Allerdings wolle Canonical weiterhin die Community mit einbeziehen und im Idealfall auch Code von außerhalb akzeptieren. Sollte Canonical diesen unter der GPLv3 stehenden Code akzeptieren, könnten Sie die komplette Codebasis nicht einfach mehr neu lizenzieren. Deswegen akzeptiert man Arbeiten nur, wenn der Entwickler eine CLA (Contributor Licence Agreement) unterschrieben hat.

Damit räumt der Entwickler Canonical das Recht ein, den Code zu verwenden, zu modifizieren und auszuliefern. Weiterhin ist es Canonical nun erlaubt, den Code unter eine Lizenz ihrer Wahl zu stellen – auch wenn sie nicht der Copyright-Besitzer sind.

Sieht man sich laut Garret Canonicals Ziele an, ist das sinnvoll. Somit können Sie Mir unter eine neue Lizenz stellen und machen somit die Hardware-Partner glücklich. Es schaut fast so aus, als würde damit jeder gewinnen.

Nicht so schnell …

Allerdings glaubt Garret nicht an dieses Szenario. Er hinterfragt, warum man Mir nicht gleich unter eine Lizenz gestellt habe, die das Ausliefern von proprietären Versionen erlaubt. Android würde zum Beispiel mit einer Lizenz ausgeliefert, dass jeder den Google-Code nehmen und verändern und auf anderer Hardware ausliefern kann. Jeder könne modifizierte Versionen von Android ausliefern und muss sich nicht um die GPLv3 kümmern. Mit Ubuntu Phone sei das nicht möglich.

Garret sagt, dass er ein Fan der GPLv3 ist. Er mag den Trend nicht, dass freie Software für das Erstellen von Geräten verwendet wird und der Anwender kann diese aber nicht modifizieren. Sollte Canonical Software unter der GPLv3 ausgeben, um freie Software zu stärken, wäre das sehr wünschenswert. Allerdings passe dann das CLA nicht richtig ins Bild. Canonical kann ja einfach andere Lizenzen vergeben. Für Garret sieht es eher so aus als würde man sich Mitstreiter vom Hals halten wollen – also solche, die Canonicals Software einsetzen wollen.

Garret betont, dass Canonical tun und lassen kann, was die Firma will. Auch sei nichts illegales an dieser Sache zu finden. Allerdings behalte man sich das selbst das Recht vor, proprietäre Versionen zu produzieren – auch mit von extern beigesteuertem Code. Auf der anderen Seite räumt man den umgekehrten Fall nicht ein und das findet Garret etwas inkonsequent. Er versteht nicht ganz, wie sich das mit freier Software und der Linux-Community in Einklang bringen lässt.

P.S: Mir ist übrigens nur ein Codename und soll im finalen Produkt anders heißen. Weiterhin verstehe ich nicht ganz, ob Garret nun dafür oder dagegen ist. Normalerweise trifft Garret eigentlich schon immer den Kern sehr präzise. Bei diesem Beitrag suche ich ihn noch.

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Ein Kommentar zu “Matthew Garret wundert über Canonicals Mir, CLA und GPLv3”

  1. Matthias sagt:

    Der Kern ist meiner Meinung nach, dass sämtliche Software von Ubuntu in Zukunft nur noch auf Mir/Unity rennen wird und diese Lizenzierung eine Begleiterscheinung ist: Garret wird das vermuten und jetzt noch die Klappe halten?

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