Kommentar: Ist Linux Mint 15 überhaupt einen Blick wert?

1 Juni 2013 9 Kommentare Autor: Jürgen (jdo)

Diese Woche debütierte Linux Mint 15 “Olivia”. Ich bin ja bekennender Linux-Mint-Fan, zumal mir Cinnamon sehr gut gefällt. Im Moment hüpfe ich zwischen Kubuntu 13.04 “Raring Ringtail” und Linux Mint 14 mit aktivierten Romeo-Repositories hin und her. Romeo ist deswegen aktiv, da ich hier in dieser Woche auch Zugriff auf Cinnamon 1.8 habe.

Lassen wir den Kernel und damit weitere Unterstützung für Hardware mal außen vor. Auf meinem Notebook funktioniert auch mit dem auf Ubuntu 12.10 “Quantal Quetzal” basierenden Linux Mint 14 alles reibungslos – inklusive Bumblebee mit primusrun für die NVIDIA-KArte mit Optimus-Technologie.

Ich will eigentlich auf etwas anderes hinaus. Die größte Schwäche von Linux Mint ist, dass man nicht von einem Distributions-Sprung auf den nächsten so ohne weitere aktualisieren kann. Die Mint-Entwickler bieten zwar ein Backup-Tool an, das selbst eine Paket-Liste der installierten Applikationen anbietet. Allerdings kommt man um eine Neuinstallation nicht herum.

Bisher war das nicht ganz so tragisch, da selbst die Nicht-LTS-Versionen von Ubuntu 18 Monate Unterstützung erhielten. Mit Raring Ringtail beschränkt sich der Support allerdings auf nur 9 Monate. Linux Mint 15 ist zudem zirka einen Monat später als Ubuntu 13.04 erschienen und hat also nur noch acht Monate Unterstützung. Und das ist selbst mir zu wenig, auch wenn ich dann und wann meinen Rechner gerne neu aufsetze. Mein derzeit installiertes Linux Mint 14 hat also länger Unterstützung als das neue.

Vielleicht ist es an der Zeit, sich im Mint-Lager eine neue Strategie zu überlegen. Lohnt es sich überhaupt, Nicht-LTS-Versionen auszugeben. Sicher kann man in diesen Zwischenversionen viel testen, aber vielleicht wären die Ressourcen anderweitig besser aufgehoben. Über Romeo bietet man ja sowieso Backports an und könnte die Anwender dann in den LTS-Versionen mit neueren Applikationen versorgen. Oder man überlegt sich einen Upgrade-Mechanismus.

Wer wie ich einen dedizierten “Rumspielrechner” hat, der wird sicherlich mit der neuesten Version viel Spaß haben. Ich probiere gerne neue Sachen aus und bin neugierig, was denn die nächste Generation an Linux-Betriebssystemen mit sich bringt. Mir gefallen auch die Neuerungen von Cinnamon 1.8 und die Verbesserungen an Nemo. Allerdings bekomme ich die, wie bereits erwähnt, mit Linux Mint 14 auch geliefert. Aber ein Arbeitsgerät muss meiner Ansicht nach mehr als 8 Monate Support haben.

Eine weitere Alternative für Mint-Fans ist die Semi-Rolling-Option LMDE (Linux Mint Debian Edition) zu verwenden. Allerdings würde man sich hier von Ubuntu wegbewegen und auf Debian setzen. Das hat viele Vorteile, weil es derzeit die Zukunft von Ubuntu-Derivaten wegen Mir sowieso etwas in der Schwebe hängt. Aber auch die Ubuntu-Basis ist sehr angenehm. Viele Software-Hersteller unterstützen nun mal Ubuntu.

Wer mit Linux Mint 14 zufrieden ist und keine Probleme hat – dem würde ich raten dabei zu bleiben. Es lohnt sich wahrscheinlich, die nächsten beiden Mint-Versionen auszusitzen und dann auf eine Version zu setzen, die auf Ubuntu 14.04 LTS basiert – es sei denn, Linux Mint macht das Aktualisieren etwas angenehmer – meine Meinung.

Anmerkung: Ich möchte hier keinesfalls die Leistung der Entwickler schmälern – aber der Support-Zyklus ist einfach zu kurz, um diese Version als ernst zu nehmende Option für eine Standard-Installation in Betracht zu ziehen – vor allen Dingen für andere, die einen Computer lediglich benutzen und nicht hinter die Kulissen sehen möchten.

Dateimanager Nemo (Quelle: cinnamon.linuxmint.com)

Dateimanager Nemo (Quelle: cinnamon.linuxmint.com)

Spices (Quelle: cinnamon.linuxmint.com)

Spices (Quelle: cinnamon.linuxmint.com)

Desklets (Quelle: cinnamon.linuxmint.com)

Desklets (Quelle: cinnamon.linuxmint.com)

Kontrollzentrum (Quelle: cinnamon.linuxmint.com)

Kontrollzentrum (Quelle: cinnamon.linuxmint.com)

Bin bald zurück! (Quelle: cinnamon.linuxmint.com)

Bin bald zurück! (Quelle: cinnamon.linuxmint.com)

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9 Kommentare zu “Kommentar: Ist Linux Mint 15 überhaupt einen Blick wert?”

  1. Georg sagt:

    Wenn sudo update-manager -d oder apt-get dist-upgrade zuverlässig funktioniert, ist für den Normaluser ein kurzer Supportzyklus doch kein Problem? Popup auf dem Desktop, Befehl eingeben, 10 Minuten warten, Neustart, fertig. Jedes Update unter Win7 läuft genauso ab, dort aber alle paar Tage bis Wochen und nicht nach x Monaten. Nervig, aber nichts, was von produktivem Arbeiten abhält.

    Für *mich* war Linux Mint nie wirklich einen Blick wert. Die Mint-Tools sind Kleinkram, unterm Strich ist Linux Mint nicht mehr oder weniger als Xubuntu, Lubuntu etc. MATE und Cinnamon sind super, aber es ist eben "nur" ein CinnBuntu oder ein MATEBuntu oder so, keine vollwertige Distribution, wie die Macher immer tun. Ich installiere lieber eine Minimalinstallation von Ubuntu + das PPA/Repo für MATE bzw. Cinnamon. Gibt aber auch Nutzer, die erst seit Mint auf dem Linux-Desktop heimisch geworden sind....

    • jdo sagt:

      Du gehst von Dir aus, der viel mit Linux macht - ich gehe von einem ganz normalen Anwender aus, der sich mit so Kram nicht beschäftigen möchte. Und da war Linux Mint in meinen Augen schon immer Anwender-freundlicher als Ubuntu.

  2. Marcus sagt:

    sudo sed -i 's/quantal/raring/' /etc/apt/sources.list
    sudo sed -i 's/nadia/olivia/' /etc/apt/sources.list
    sudo apt-get update && sudo apt-get dist-upgrade

    Ist zwar nicht offiziell supported, sollte aber ohne grössere Probleme funktionieren.

  3. Jens sagt:

    Eine Frage zu den Romeo-Repositories von Cinnamon 1.8 unter LM 14,

    Gibt es bei Dir / Euch auch den Fehler bei den Desklets noch, das die Auswahldialoge leer sind und somit keine Deskletts oder andere Addon's geladen werden. Unter LM 15 wurde der Fehler behoben, dafür habe ich bei LM 15 große Probleme mit meiner "Wallpaper" die verschwindet einfach mal so. Ich bin erst mal wieder bei LM 14 geblieben.

    • jdo sagt:

      So, musste schnell Mint starten :) ... also bei mir zeigen sich unter Linux Mint 14 drei Desklets: Clock Desklet, Digital photo frame und Launcher desklet. Ich verwende das OS allerdings auf Englisch, falls das nen Unterschied machen könnte. Unter Get more online könnte ich dann noch zwei weitere installieren.

  4. Geb sagt:

    who cares about update cycles?

    1) Einen Durchschnitts-user (=eher wenig IT Wissen) interessieren die updates relativ wenig.

    2) Wir haben einige zig Rechner von Windows (meist XP) auf Linux migriert, wass sollen wir den Leuten anbieten?
    * Unity + Ubuntu: eher nicht, wesentlich anderer Desktop, Programme schwer zu finden, Amazon - no thanks, ..
    * KDE Oberfläche + xxx: doch etwas zu fancy für die meisten
    * Gnome + xxx: etwas zu viel downstripping
    bleibt also Mint, das auch XP vom Prinzip nahe ist und einen Umstieg erleichtert

    3) Erfahrungen:
    * wir hatten bereits upgrades von Mint11 zu machen, die waren so zufrieden, wir haben trotzdem ein upgrade empfohlen
    * absolute DAUs: umgestellt von XP auf Mint 14, "satisfaction guaranteed", von Pensionisten bis Computerverweigerer waren höchst zufrieden bzw. werden nicht mehr zurückwechseln
    * die Linie ist richtig, upgrades sollten etwa jährlich gemacht werden, da sich die Programme laufend weiterenwickeln (zB LibreOffice) bzw. auch die Oberfläche
    * eine jährliche Neuinstallation hat den Vorteil, dass ich die aufgrund der aktuellen Festplattengrösse und -preise parallel installieren kann, daher das Risiko eines Umstiegs reduzieren kann und das schludrige Backup-Verhalten der o.a. Klientel kompensieren kann
    * wo ist das Problem einer Neuinstallation? Zeitbedarf = 1 h, Datensicherung sowieso gemacht, daher nur zu kopieren ;-), die restlichen Settings wären bei einem Harddisk crash sowieso weg, kann also nicht so dramatisch sein
    * customizations: grossteils individueller Ballast, bei passender Distri sollte das obsolet sein

    4) Sicherheit:
    alles andere als Windows ist sowieso schon vergleichsweise sicher, Migrationen von XP Rechnern mit Bundestrojaner erschliessen ungewohnte Weiten

    Abschliessend bemerkt finde ich es sehr gut gelungen, Erfahrene User und absolute DAUs mit einer Distri bedienen zu können, von Experten spreche ich nun nicht, da die eine vergleichsweise kleine Gruppe darstellen.

    • jdo sagt:

      Bei einem Support-Fenster von 8 Monaten ist aber eine jährliche Neuinstallation auch zu spät. Ich sage ja nicht, dass man nicht aktualisieren soll - ich sage lediglich, dass sich die Mint-Entwickler Gedanken machen müssen, wie man unbedarftere Anwender so einfach wie möglich aktualisieren kann.

  5. Peterli sagt:

    Ich finde Mint 15 optisch gesehen einfach Spitze. Auch das Suchen im Startmenü gefällt. Ist viel besser als das, was KDE zu bieten hat. Ich würde es auch installieren und benutzen, aber ich brauch eine LTS Version. Darunter will ich einfach nicht mehr. Mag ja sein, dass ein dist-upgrade klappt. Aber oft genug wird die ein oder andere Software danach unbrauchbar weil nicht mehr weiterentwickelt.

    Daher werde ich wohl zwischen OpenSuse (tumbleweed) und Ubuntu (LTS) wählen (jeweils mit KDE).

  6. Emanuel sagt:

    Auch wenn selbst Mint 16 schon bald Geschichte ist noch einen Kommentar:
    In meinen Augen ist die Strategie der Mint-Entwickler gar nicht so verkehrt, anders als der Artikel das kommentiert. Wer LTS will, kann ja entsprechend nur jede 3. oder 4. Version, die LTS hat, mitziehen.
    Der Autor vermutet, dass die kurzzeitunterstützten "Zwischenversionen" mehr Kapazitäten verschlingen und ein Einsparen dieser mehr Fokus auf die LTS-Versionen erlauben würde. Ich denke, dass es aber doch eine nennenswerte Zahl an Usern gibt, die die Zwischenversionen mitnehmen und dadurch eine große Zahl an Testern existiert, die letztendlich der Produktqualität zugute kommen dürften, anders als wenn nur ein kleiner Entwicklerkreis testet.
    Wer also nicht zu oft seinen Rechner aufsetzen will, der blendet die Nicht-LTS-Versionen einfach aus. Das dann übrig bleibende Updateintervall von 3 Jahren o.ä. ist doch halbwegs zumutbar. Zumal die Installation und anschließende Einrichtung deutlich komfortabler geht, als ich es aus der Windowswelt kenne.

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