Lieber Spiegel, Dein neuester Ubuntu-Artikel …

8 April 2013 4 Kommentare Autor: Jürgen (jdo)

… freut mich ja eigentlich als Linux-Anwender. Allerdings ist da schon auch viel Quatsch drin. Zunächst mal ist Ubuntu keine Linux-Software, sondern eine auf Linux (dem Kernel) basierende Distribution.

Der angesprochene Emulator, mit dem man Windows-Software zum Laufen bringen kann – wenn ihr WINE meint, das ist ein Akronym für Wine Is Not an Emulator. Es handelt sich hier um einen Nachbau diverser Windows-APIs für Unices.

Dann würde mich interessieren, welche Grafikkarte im Acer-Laptop verbaut war, die zu Linux inkompatibel war. Verwenden die nun andere Karten als NVIDIA, AMD oder Intel? Dass der Rechner nach einer Installation „komplett den Geist aufgegeben hat“, bezweifle ich einfach mal, ohne es aber beweisen zu können.

Die klügste Lösung ist in der Tat eine Dual-Boot-Lösung, die aber Dank Windows 8 leider nicht mehr so einfach möglich ist – sofern UEFI Secure Boot im Spiel ist.

Am nervigsten finde ich jedoch folgenden Abschnitt:

Meine Arbeitsrechner sind über eine verschlüsselte Ubuntu-Cloud-Applikation ständig synchronisiert, Manuskripte wird mir kein Virus mehr ins digitale Nirvana befördern können.

Das ist der selbe Schwachsinn, den auch Apple und seine Jünger immer vom Stapel lassen – zumindest schlägt er in die selbe Kerbe. Betriebssysteme werden von Menschen gemacht und die machen Fehler. Somit wird es in jedem Betriebssystem immer Sicherheitslücken geben und die Verbreitung von Viren hängt unter anderem auch mit dem Martkanteil zusammen. Gezielte Angriffe auf Linux-Anwender könnten genauso in einem Desaster ändern, wenn sich das Problem vor dem Bildschirm befindet. Man sollte nicht das Betriebssystem als Schutzwall anpreisen, sondern die Anwender sensibilisieren, nicht auf alles zu klicken, was sich bewegt. Sollte man hier eine falschen Klick machen, synchronisieren sich die angesprochenen Manuskripte, sollten diese manipuliert worden sein auch in die Cloud. Als ich das letzte Mal nachgesehen hatte, bot Ubuntu One keine Versionierung an. Somit ist zur Sicherheit ein zusätzliches Backup unbedingt anzuraten, worauf man Anwender auch hinweisen sollte. Sich hinstellen und sagen: „Ubuntu / Linux hat keine Viren und meine Daten sind sicher in der Cloud“ ist Unfug.

Gerade weil Browser und Bürosoftware die selben Versionen wie unter Windows sind, schleichen sich hier auch oft ähnliche Sicherheitslücken in die Anwender-Umgebung.

Und nicht „selbst uralte Rechner funktionieren unter Linux„, sondern gerade uralte Rechner funktionieren mit Linux, weil die neueren Windows-Versionen darauf nicht mal mehr zucken.

Um dem Motzen ein Ende zu setzen: Die gesamte Linux- und Open-Source-Community, ich eingeschlossen, freut sich natürlich über so eine Werbung und viele der hier angesprochenen Details kann man einem „reinen Anwender“ auch sicher nachsehen. Den Aspekt über die Sicherheit allerdings nicht – denn in diesem Fall hat der Anwender leider gar nichts dazu gelernt.

P.S: der Beitrag klingt sicher negativer, als er gemeint ist. Aber diese Dinger mit der Sicherheit nerven mich wirklich tierisch …

Vergessen, der Spiegel-Artikel ist hier

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4 Kommentare zu “Lieber Spiegel, Dein neuester Ubuntu-Artikel …”

  1. Stefan Lohmaier sagt:

    Die technischen Details sind sicher nicht ganz richtig 🙂 Aber ich finde den Artikel eigentlich sonst ganz gut. Die Zusammenfassungen in den letzten beiden Absätzen finde ich eigentlich sehr zutreffend.

    Die Grafikkarte könnte eine von diesen Poulsbo Grafikkarten sein?

    • jdo sagt:

      Wie gesagt klingt mein Beitrag sicher negativer als er eigentlich gemeint ist. Aber das mit der Sicherheit und Datensicherheit, weil man in die Ubuntu-Cloud synchronisiert ist ganz großer Mist. Das schützt vielleicht vor nem Crash - aber wenn die Festplatte schleichend den Geist aufgibt, werden vielleicht auch ohne Viren-Angriff falsche Daten synchronisiert. Die Problematik hier ist nicht abhängig vom Betriebssystem, sondern vom Anwender und es wird falsche Sicherheit suggeriert.

  2. rr sagt:

    die im Spiegel-Artikel eingangs erwähnten Daten, die mehrere monate Arbeit enthalten und auf die nun kein Zugriff mehr besteht hätten den Schreiberling lieber zu einem Artikel über Backups als unbedingt einen über Ubuntu verleiten sollen. Da wäre mehr bei rausgekommen. Das mit dem Emulator habe ich hingegen fat schon überlesen. Das ist die üblich Ungenauigkeit damit es jeder versteht.

    • jdo sagt:

      Ok, ganz so schlimm ist es nicht. Aber die reiten halt auf der Ubuntu-Welle mit, erwähnen dann aber doch auch Mint und dass es sich um Linux handelt, kommt doch reht gut raus. Mit den Backups geb ich Dir vollkommen Recht.

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