Windows cool, Linux schwul!!

3 Februar 2013 5 Kommentare Autor: Jürgen (jdo)
Nüchtern cool, saufen schwul: (© Screenshot/Pfälzischer Merkur)

Nüchtern cool, saufen schwul: (© Screenshot/Pfälzischer Merkur)

Die meisten werden es ja mitbekommen haben, dass sich da ein ganz kreativer Kopf den Spruch Nüchtern cool, saufen schwul!! für einen Schulkalender hat einfallen lassen. Somit will man jungen Menschen suggerieren, dass Alkohol böse oder verpöhnt ist. Man setzt also das Wort schwul mit etwas Negativem gleich.

Aber praktisch ist das schon, weil es sich eben reimt: Reime cool, einfach Sätze schwul!! – und schon habe ich dem Ganzen mehr Nachdruck verliehen. Das ist auch viel einfacher als mit Hirn zu argumentieren und man kann es überall anwenden – es ist praktisch und macht Spaß!! Allerdings ist es natürlich auch immer eine Sache des Standpunkts.

Die Entwickler von openSUSE und Fedora haben sich das auch gedacht: MariaDB cool, MySQL schwul!! – und haben Oracle einfach als Standard-Datenbank rausgeworfen. Fedora / openSUSE cool, Oracle schwul!! – wie praktisch, muss man gar nicht weiter begründen, oder? Wen interessiert es noch, dass Oracle MySQL immer mehr hinter verschlossenen Türen entwickelt und spärlich mit Informationen umgeht? Ein Slogan und es ist alles gesagt!!

Apple war zum Beispiel von den neuerlichen Java-Lücken „not amused“ und hat einfach pro-aktiv einen Patch rausgegeben, der das Benutzen von Java-basierter Software unterbindet. Die Associated Press konnte darauf hin ihre Foto-Abteilung erst einmal dicht machen. Während Apple auf dem Standpunk Sicherheit cool, Java schwul!! ist, denken sich die Administratoren der Associated Press vielleicht Java cool, Apple schwul!!. Die Firefox-Entwickler deaktivieren schon auch mal ein Java-Plugin, aber da darf der Anwender dann selbst entscheiden, ob er es laufen lassen möchte oder nicht. Mozilla legt also die Verantwortung in die Hände des Anwenders, während Apple den Gefängniswärter mimt. Hätte man natürlich auch viel schneller ausdrücken können: Firefox cool, Apple schwul!!

Microsoft hätte sich die Untersuchung auch sparen können, in der man behauptet, dass der Stadt München die Umstellung auf LiMux wesentlich teurer kommt, als wenn man bei Windows uns MS-Produkten geblieben wäre. Zuerst wollte man die Untersuchung gar nicht öffentlich machen, hat dann aber doch eine Zusammenfassung zur Verfügung gestellt. Nun müssen sich Microsoft und die durchführende Firma Hewlett Packard alle möglichen Fragen gefallen und unsaubere Recherche vorwerfen lassen. Hätte man sich alles sparen können: Windows cool, Linux schwul!!

Das ist so praktisch, weil es mit Allem funktioniert, was die Menschheit so bewegt. Halt! Da ist eine Sache, wo es nicht funktioniert: Laura Himmelreich cool, Rainer Brüderle … zack – geht nicht!! Sobald Politiker involviert sind, scheint der gesunde Menschenverstand nicht mehr zu gelten. Die Stadt Freiburg geht zum Beispiel wieder zurück zu Microsoft Office, will aber nicht so richtig sagen, warum – muss man auch nicht, man ist ja Politiker und irgendeiner hat eine Empfehlung ausgesprochen. Wäre in diesem Fall wieder schneller gegangen – obwohl Politiker involviert sind: Microsoft Office cool, OpenOffice schwul!! – das ist aber jetzt saublöd, dass sich Dinge nicht einfach pauschalisieren lassen.

Dass sich die Schwulen- und Lesben-Verbände zurecht beschweren und die Aussage aus dem Kalender absolut diskriminierend ist, versteht sich von selbst. Und da es sich um einen Schulkalender handelt, kann man den Verantwortlichen eigentlich nur sagen: Setzen, Sechs!!

P.S: Was mag sich der kreative homophobe Texter dabei eigentlich gedacht haben – Schwul cool, anderes Wort schwul!! … ??? Will man dem Ganzen etwas Gutes abgewinnen: Nun hatte der Schmierfink seine 5 Minuten im Rampenlicht und kann wieder unter seinen Stein kriechen, wo er seit dem Mittelalter zu leben scheint.

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5 Kommentare zu “Windows cool, Linux schwul!!”

  1. Patrick sagt:

    Danke für den Artikel Jürgen 😉 Ich musste gerade echt ziemlich schmunzeln!

  2. Rayman sagt:

    Leider benutzen diese Metapher im Alltag doch recht viele – auch ältere – Menschen. Und leider ist oft wenig Einsicht da, etwas falsch gemacht zu haben. Für die meisten ist das völlig normal solch diskriminierende Begriffe rauszuhauen. Völlig unproblematisch. Ist ja nicht so gemeint.

    Viele Leute begreifen nich, dass Sprache ein mächtiges Instrument ist, die auf Dauer auch Einfluss auf das Denken übt. Wenn solche Assoziationen schon bei öffentlichen Einrichtungen aufkommen, kann man sich vorstellen, wie weit unsere Gesellschaft von Rechspekt und Gleichberechtigung für Homosexuelle entfernt ist.

    • jdo sagt:

      Und deswegen lässt sich Sprache auch dazu benutzen, solche Menchen als rückständig darzustellen ... mir fällt dazu immer wieder Walter Mörs ein, der nach Herausgabe seines Comics "Adolf" auf die Frage Darf man sich über Nazis lustig machen? mit Nein. MAN MUSS! geantwortet hat.

  3. dion sagt:

    super artikel.

    gegen homophopbie!

  4. postlet sagt:

    Danke, ein sehr gut ausgeführter, kritischer Kommentar zu diesem Thema. Weiter so!

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