Das GNOME-3-Problem – sehr interessant zu lesen

9 November 2012 3 Kommentare Autor: Jürgen (jdo)

GNOME Logo 150x150Ich bin da auf einen sehr interessanten Artikel gestoßen, wo sich jemand Luft über GTK3 macht – eigentlich über Entwicklung generell. Der Beitrag ist sehr lang und es gibt auch eine üppige Diskussion darunter. Ich versuche mal, die Hauptargumente des Artikels zusammenzufassen.

Der Entwickler hört immer mehr Feedback zu GTK3 und macht selbst auch ähnliche Erfahrungen. Es geht ihm hier hauptsächlich um das Theming. SpaceFM funktioniere gut mit einigen Themes, die nicht fehlerhaft sind und er schiebt das Problem auf die schlechte Wartung von GTK.

Oberflächlich gesehen habe man den Eindruck, dass mit jedem kleinen Update in GTK3 Themes nicht mehr funktionieren. Er habe diese Erfahrung mit SpaceFM gemacht, indem er ein Theme gesucht hat, das gut funktionierte. Fast alle Themes seien mit dem Upgrade von GTK 3.4 auf 3.6 fehlerhaft geworden. Man könne die Warnungen sehen, wenn man SpaceFM in einem Terminal aufrufe. Ebenso seien Funktionen innerhalb der App nicht mehr brauchbar. Die besser gewarteten Themens, wie Clearlooks-Phenix und DarkMint bringen für jeden kleinen Versions-Sprung eine eigene Version mit sich.

GNOME 3.6: Mit der Live-CD spielen

GNOME 3.6

Theme-Entwicklung sei eine schwierige und zeitaufwendige Aufgabe. Die GTK-Entwickler würden mit den API-Änderungen die Arbeiten und vielen Stunden der Theme-Entwickler geringschätzen. Einige der Kommentare der GNOME-Entwickler machen ihn glauben, dass diese Einstellung schon ein Microsoft-ähnliches Klima annimmt und man Anwender davon abhalten möchte, ihr System anzupassen. Außerdem wolle man so zeigen, dass Marke die beste sei. Jedesmal wenn er das Wort “Brand” im Zusammenhang mit Linux hört, hat er das Gefühl, das etwas Wertvolles vergiftet wird.

Er wolle hier aber kein GNOME-Bashing betreiben, weil es auch andere Bereiche betreffe. Allerdings höre er bei GNOME v3 deutlicher heraus, dass das Ziel sei, die eigene Marke (Brand) voranzutreiben und den Anwendern immer weniger Möglichkeiten zu geben, das System an eigene Bedürfnisse anzupassen. Diese egoistische und kurzsichtige Entwicklungsweise würde über GNOME hinausgehen und GTK-Apps im Allgemeinen betreffen.

Es scheint derzeit, als würden nicht nur Windows-Anwender zu Linux wechseln, sondern auch Windows-Entwickler. Diese würden alle bekannten Windows-Krankheiten mit sich bringen – die anderen eliminieren und ihnen Steine in den Weg legen – und das diene Linux nicht. Er belegt diese Aussagen durch eine ganze Menge an Aussagen, die von diversen Entwicklern getroffen wurden.

Wer des Englischen mächtig ist, sollte sich den kompletten Beitrag inklusive der Kommentare ansehen. Im Speziellen möchte ich auf Kommentar 21 und die entsprechende Antwort hinweisen. Der oft zitierte Allan Day sei kein Entwickler, sondern ein Designer. In der Antwort darauf steht, dass der Beitrag das GNOME-Trauerspiel und die nicht vorhandene Dokumentation / Kommunikation von GTK+ vertausche. Man müsse einfach klarer sagen, dass sich die Theming-API in einem instabilen Zustand befindet.



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3 Kommentare zu “Das GNOME-3-Problem – sehr interessant zu lesen”

  1. Florian sagt:

    Von mir aus könnte man auf das Theming komplett bleiben lassen (auf Programm-Ebene!).

    Was ich an GNOME (insbesonders) bzw. KDE, oder (vielen) Linux-DEs so toll finde, ist die Konsistenz der Benutzeroberfläche, alles ist halbwegs intuitiv bedienbar, und harmoniert ästhetisch miteinander.

    Von den Windows-Programmen hab ich's so in Erinnerung (lang ist's her), dass jeder gefühlt zweite Softwareentwickler gemeint hat, er müsse sich mit dem coolsten und GOILSTEN User-Interface vom Rest abheben. Bei sowas kam dann halt meistens hässlicher abgespaceter dunkel glänzender Schrott raus, der mit Usability wenig am Hut hatte.
    Zum Glück ist man im Linux-Umfeld nicht auf solche Software angewiesen.

  2. TuxKanone sagt:

    Ein sehr lesenswerter Beitrag, dem ich gerade, was die Windows-Übergänger betrifft, beipflichten möchte.

    Gestern Abend erst gab es im Chatroom der Steam Gruppe "Linux Beta Access" eine Diskussion darüber, dass FOSS zunähmend von den Idealen der closed source Welt eingenommen wird.
    Das ist vielleixcht ganz das selbe, doch Wir kamen auch zu Gnome3, wo ebenfalls erwähnt wurde, dass sich viele, unter anderem wegen der nicht leicht anpassbaren Oberfläche, schwer mit dieser Version tun und lieber auf Alternativen ausweichen.

    Man sollte zwar nicht den Teufel an die Wand malen, doch eine engstirnige Politik führen, wie sie auch schon bei Canonical teils am werkeln ist, sehe ich persönlich als falschen Weg.

  3. Papa Schlumpf sagt:

    Sollte mit Gnome 3 nicht alles besser werden, anscheinend ist das nicht der Fall. Entwickler haben ihre Probleme, User verlassen z.B. Gnome in Richtung KDE, XFCE, LXDM und nicht zuletzt gehen viele zu Mate. Gnome 2 hat Linux voran gebracht und nicht zuletzt durch Ubuntu Popularität verschafft, doch warum sollte das so bleiben und auch noch User glücklich sein. Da ist es besser man macht es wie die beiden großen Konkurrenten und bevormundet seine Anwender, war es nicht die Freiheit auf dem Desktop bei der es hier ging. Sicherlich ist Gnome mehr als nur eine Benutzeroberfläche und viele Faktoren spielen eine Rolle doch Sturheit bringen keinen weiter. Die Popularität von Linux Mint 13 mit Mate Desktop sollte etwas zu denken geben was zumindest die Anpassbarkeit des Desktops angeht. Was GTK2 betrifft so schlecht kann es doch nicht gewesen sein, zumindest gab es weniger Klagen vermute ich mal.

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