Populäre Cloud-Dienste miteinander verbinden: DriveMaxx ausführlich unter die Lupe genommen

20 Juli 2012 2 Kommentare Autor: Jürgen (jdo)

Drivemaxx Teaser 150x150Ausnahmsweise mache ich heute mal einen kleinen Test für eine Windows-Software und möchte darüber berichten. Warum? Weil mir die Idee dahinter ganz gut gefällt, die Cloud nun mal ein sehr präsentes Thema ist und Linuxer auch mal über den Tellerrand schauen ;-). Es handelt sich bei der Software um DriveMaxx. Diese bietet mir diverse Protokolle an, damit ich die Daten in die Cloud verteilen kann – auch über mehrere Anbieter. Das Ganze wird dann noch mit AES 256 verschlüsselt.

Und nein, ich bin nicht für diesen Beitrag bezahlt worden, nur falls jemand auf komische Ideen kommt. Ich hatte bei der Anfrage auch geantwortet, dass ich einen kleinen Test machen würde und hart aber fair sein werde. Außerdem habe ich mich bemüht, den Artikel in der Sicht von heterogenen Systemen zu schreiben – also an den entsprechenden Stellen auch hingewiesen, wie sich das Ganze mit Linux in Verbindung bringen ließe. Anhand der Fakten kann sich jeder nun selbst überlegen, ob er die Software einsetzen würde oder nicht.

DriveMaxx Installation

Installation

Die Installation verläuft recht Windows-üblich und meine Testumgebung war Windows 7 64-Bit. Also exe aufrufen und einfach den Anweisungen folgen. Nach einer erfolgreichen Installation erfolgt die grundlegende Konfiguration. Hier legst Du den lokalen DriveMaxx-Ordner fest, das Synchronisations-Intervall, das Passwort für die Verschlüsselung (lässt sich auf  Wunsch auch salzen – Salt) und die Komprimierung. Das Passwort und den Salt-Wert sollen Sie laut Anweisung der Software unbedingt an einem sicheren Ort aufbewahren oder auf gar keinen Fall vergessen! Also nicht in einer Datei unter DriveMaxx speichern, obwohl das relativ sicher wäre – wenn Deine Festplatte abraucht und Du die Software neu einrichten muss, brauchst Du diese Werte – dachte ich.

Weiterhin ist wichtig, dass von mehreren Rechnern gemeinsam genutzte Speicherdienste identisch konfiguriert sein müssen – die Software weist Dich darauf hin. Das gilt auch beim Entfernen von Diensten!

DriveMaxx Konfiguration

DriveMaxx: Konfiguration

Ist die Konfiguration abgeschlossen, kannst Du einen Online-Dienst hinzufügen. Derzeit unterstützt DriveMaxx Dropbox, SkyDrive, FTP und auch WebDAV. Letztere sind natürlich interessant, da sich die Software somit theoretisch auch an jeglichen (Linux-)Server mit FTP-Dienst oder der ownCloud anflanschen lässt. Bei den einzelnen Diensten kannst Du hinterlegen, wieviel Speicherplatz von der jeweiligen Cloud DriveMaxx zugewiesen werden soll.

Cloud-Dienste einrichten und Synchronisation

DriveMaxx: Dropbox

DriveMaxx: Dropbox

Wenn Du Dropbox verwenden möchtest, musst Du einen Basis-Ordner dafür angeben – also einen Ordner, der dann in der Dropbox dafür im Unterordner Apps angelegt wird. Außerdem öffnet DriveMaxx einen Browser, damit Du die Software mit dem Anbieter verbandeln kannst. Also die Dropbox fragt Dich, ob eine Verknüpfung mit DriveMaxx in Ordnung geht.

DriveMaxx: Dropbox verbinden

DriveMaxx: Dropbox verbinden

Bei SkyDrive legt DriveMaxx die Daten unter Dokumente und dann das ausgewählte Basisverzeichnis ab. Äquivalent sollte das auch WebDAV und FTP funktionieren. Also ich habe ungefähr eine Stunde damit herungespielt und versucht, DriveMaxx an Strato Hidrive und die ownCloud anzubinden. Beide via WebDAV. Mit der ownCloud kommuniziert die Software und legt sogar noch einen von mir angegebenen Basisordner an. Allerdings wirft die Spplikation einen kryptischen Programmfehler aus. Mit HiDrive funktioniert eine Verbindung meines Erachtens deswegen nicht, da Strato  nicht erlaubt, in den root-Ordner zu schreiben. Die Struktur ist /users/<username>/<beschreibbarer Platz>. Das Feld Basisordner bei DriveMaxx nimmt aber keinen Backslash an … die in der Anleitung beschriebene Methode mit https://webdav.hidrive.strato.com/public funktioniert auch nicht´.

DriveMaxx: ownCloud-Fehler

DriveMaxx: ownCloud-Fehler

Nächster Versuch war, eine FTP-Verbindung zu meinem Hoster aufzubauen. Es klappte nicht. Nun überprüfte ich die Zugangsdaten anhand von Filezilla und hier gibt es keine Probleme. Nun dachte ich mir, dass vielleicht der angegebene Basis-Ordner bereits bestehen muss, damit DriveMaxx mit der FTP-Verbindung zusammenarbeiten möchte – auch Fehlanzeige. Ich habe es wie erwähnt nach einer Stunde gelassen und diese Implementierung von WebDAV und FTP ist in meinen Augen ungenügend. Ich behaupte nun mal frech, dass ich schon recht fit in Sachen Client-Konfiguration bin – auch ohne Anleitung. Ich habe es selbst mit Hilfe des Benutzerhandbuchs nicht hinbekommen und wie soll das dann eine kompletter Laie auf die Reihe bringen? Wenn ich etwas übersehen haben sollte, darf sich der/die Entwickler aber gerne dazu äußern.

DriveMaxx: Status-Leiste

DriveMaxx: Status-Leiste

Nach dem Einrichten von Dropbox und Skydrive habe ich der Software bei der Synchronisation auf die Finger gesehen. Die Daten werden auf die verschiedenen Dienste verteilt und Du hast auch einen schönen Überblick, wieviel des in der Konfiguration zugewiesenen Speichers schon verwendet wird. Die Software verteilt die Daten, also wenn man den Vergleich nutzen möchte, in einer Art Round-Robin-Verfahren. Einzelne Dateien werden nicht zerstückelt und auf die Cloud-Dienste verteilt, sondern im Ganzen aber verschlüsselt auf die Cloud-Dienste verteilt. Die Software läuft im Hintergrund und wird in Form einer kleinen Wolke in der Windows-Leiste angezeigt.

Gedanken

An der Software ansich und der Idee gibt es wenig auszusetzen. Was mich wirklich stört ist, dass ich DriveMaxx in irgendeiner Form online aktivieren und mir dazu ein Benutzerkonto anlegen muss. Mir persönlich geht so etwas wirklich gegen den Strich und nimmt mir schon mal 50% des Spaßfaktors. Warum muss die Firma wissen (Pflichtfelder), wo ich wohne? Auf der einen Seite wurde DriveMaxx entwickelt, um meine Daten zu schützen, auf der anderen Seite werden gleich welche gesammelt. Es sollte meine Sache sein, ob ich diesen Schritt durchführen will. Sollten mir dann Dienste, wie zum Beispiel Anspruch auf Support flöten gehen, ist das auch meine Sache. Da könnte man darauf hinweisen und dem Nutzer die Wahl überlassen.

DriveMaxx: Daten in Dropbox

DriveMaxx: Daten in Dropbox

Ein Kritikpunkt an der Software selbst ist aus Sicht eines absoluten Schwarzmalers. Dazu eine kleine Geschichte, wie die Software umgeht, sollte ich einen Cloud-Dienst aus der Liste nehmen. Dann würde DriveMaxx die Daten von der lokalen Festplatte auf die anderen, vorhandenen Dienste verteilen. Ich habe nachgefragt, wie es sich denn verhalten würde, wenn gleichzeitig ein Cloud-Anbieter aus irgendwelchen Gründen nicht mehr erreichbar wäre und gleichzeitig die lokale Festplatte ausfällt. Dafür gibt es nicht wirklich eine Lösung. DriveMaxx lässt sich allerdings auf drei Rechnern gleichzeitig installieren und somit könnte man sich irgendwie absichern. Sollten die Daten allerdings wichtig sein, kann ein zusätzliches Backup des lokalen DriveMaxx-Ordners auf keinen Fall etwas schaden. Der Software eine Art RAID-5-Mechanismus zu spendieren, gefiele mir ganz gut. Das würde aber voraussetzen, dass allen Cloud-Diensten gleich viel Speicherplatz zugewiesen wird. Wie sagt man so schön: Einen Tod muss man sterben und ich weise noch einmal auf eine Datensicherung auf einen externen Datenträger hin!

Wer Windows einsetzt und plant auch etwas sensiblere Daten in die Cloud hochzuladen und dabei Dropbox und SkyDrive nutzt, sollte sich die Software vielleicht einmal ansehen. Die Verteilung auf mehrere Dienste ist clever und ein Ausschnüffeln der Daten wird wesentlich erschwert. Windows-Anwendern, denen die Privatsphäre ihrer Daten 50 Euro wert sind …

Auf Nachfrage, ob auch Linux- oder Mac-Versionen geplant sind, wurde dies verneint (also mit hoher Wahrscheinlichkeit – nein). Da der Linuxer an sich nicht so schnell aufgibt, hab ich mal versucht, DriveMaxx mit Wine zum Laufen zu bekommen.

Ein Versuch das Programm zu installieren endete zunächst in der Fehlermeldung, dass die Bibliothek isskin.dll nicht gefunden werden kann. Wer schon öfter mit Wine zu tun hatte, kennt diesen Fehler recht gut und er lässt sich einfach aus der Welt schaffen. Der Schlüssel ist winetricks, das Du in der Regel in den Repositories Deiner favorisierten Linux-Distribution finden solltest. Danach führst Du auf der Konsole folgenden Befehl aus

  1. winetricks mfc42

Folge den Anweisungen und probiere nun noch einmal, DriveMaxx via Wine zu installieren – also bei mir hat es nun geklappt. Das Anbandeln mit Dropbox schlägt aber fehlt. DriveMaxx macht unter Wine zwar ein Browser-Fenster auf, übergibt die URL aber nicht – aberwie gesagt ist die Software nicht für Linux geschrieben. Für Android und iOS sind wohl Apps in Planung.

Fazit

Update:Das mit der Verteilung / Segmentierung der Daten wurde etwas missverständlich formuliert und ich habe ein E-Mail mit der Richtigstellung erhalten. In erster Linie geht es darum, Upload-Limits zu umgehen und nicht die Daten zerstückelt auf verschiedene Speicherdienste zu verteilen:

Dateien werden segmentiert, und zwar ab der Größe, die man in den Einstellungen angegeben hat (Standardeinstellung: ab 16 MB). Die Segmentierung dient dazu, mögliche Upload-Limits bei Onlinespeicher-Anbietern zu umgehen. Beispiel: Ein File darf max. 20 MB haben. Nun hat man aber ein Video mit einer Größe von 200 MB. Die Segmentierung hilft und sorgt dafür, dass man das File trotzdem „in Segmenten“ hochladen kann.

Die Funktion dient also nicht dazu, die unterschiedlichen Segmente auf unterschiedliche Speicheranbieter zu verteilen. Die Dateien werden auf die Speicheranbieter verteilt, nicht aber die Segmente einer Datei. Für die Sicherheit sorgt die clientseitige Verschlüsselung. Die Segmentierung ist dazu gedacht, mögliche Uploadlimits zu umgehen.

Ich dachte mir eigentlich, dass die Daten komplett zerstückelt in die Cloud hochgeladen werden und dann auf dem Rechner wieder zusammengebastelt. So wird das auch im Blog von DataBecker behauptet -was sich wie erwähnt als Missverständnis herausstellte. Dass dem nicht so ist, lässt sich ganz einfach überprüfen, indem man Dateien einzeln in den “Hotfolder” schiebt und dann den Speicherzuwachs auf den Cloud-Diensten beobachtet. Gut, ich habe nur kleine Dateien hoch geschoben, vielleicht tritt diese Funktion erst bei größeren Dateien auf. Aus meiner Sicht wird einfach pro Datei verteilt und entsprechend verschlüsselt. Recht enttäuschend finde ich die Implementierung der Protokolle FTP und WebDAV, das bei mir einfach nicht funktionieren wollte. Die ausgegebenen Fehlermeldungen wie “Verbindung konnte nicht hergestellt werden” lassen mir viel Raum für Fantasie, was denn nun da nicht geklappt hat.

Eigentlich schade, da die Idee an sich gar nicht schlecht ist. An der Umsetzung ist sicherlich noch Potential nach oben vorhanden.

DriveMaxx: Salt-Änderung

DriveMaxx: Salt-Änderung

Was mir komplett komisch vorkam ist dies: Die Software sagte mir, dass ich Passwort und Salt unbedingt an einem sicheren Ort speichern soll. Nun habe ich aus Neugierde noch mal mit DriveMaxx unter Linux einen Versuch gemacht, dies an die ownCloud anzubinden. Kommt auch eine Absturzmeldung. Aus reiner Neugierde habe ich dann die SkyDrive-Anmeldung eingegeben und siehe da, DriveMaxx hat mir die Daten aus SkyDrive synchronisiert. Somit ist also bewiesen, dass die Dateien an sich nicht zerstückelt werden.

Was mich auch gewundert hat: Die Salt-Werte der Windows- und Linux-Installation sind unterschiedlich. Die Software warnt sogar bei einer Änderung des Salt, dass man diesen Wert auf allen Geräten, wo man die Daten gemeinsam nutzt ändern soll, weil man sonst auf die bestehenden verschlüsselten Daten nicht mehr zugreifen kann. Ich hab den Salt-Wert dennoch geändert, eine Synchronisation angestoßen und bekam die Daten dennoch wieder lesbar in meinen Ordner geladen. Also entweder wird das Salt gar nicht zu Rate gezogen, oder die Software erzählt Unsinn. Auch hier eine Anmerkung der Entwickler:

Zu Salt: Das Konzept funktioniert so: Zum Entschlüsseln braucht man zwingend das Passwort. Ein Salt-Wert ist nur ein zusätzlicher Schutz gegen Brute-Force-Attacken mit Hilfe von Rainbow-Tabellen. Ohne den korrekten Salt-Wert (aber mit dem richtigen PW), kann man die Datei zwar immer noch entschlüsseln, es dauert aber um ein Vielfaches länger.

Im Detail: Die Ver-/Entschlüsselung funktioniert mit einem 256-Bit-Key, der aus dem Kennwort + Salt-Wert abgeleitet wird. Der Salt-Wert ist im Gegensatz zum Kennwort nicht geheim und wird im Header der verschlüsselten Dateien gespeichert. Wird also versucht, eine Datei zu entschlüsseln und dabei festgestellt, dass der in der Datei gespeicherte Salt-Wert nicht mit dem aktuell verwendeten übereinstimmt, kann zur Not (gedacht für die Datenrettung) ein neues Key-Objekt mit dem gespeicherten Salt-Wert erzeugt und verwendet werden. Nachteil dabei ist, dass die Erzeugung des Keys aus Kennwort+Salt recht lange dauert und Rechenzeit verbraucht, z.B. 1 Sekunde. Das ist mit Absicht so als Schutz gegen Brute-Force-Angriffe, die mit dem bekannten Algorithmus der Key-Erzeugung versuchen, viele Kennwörter durchzuprobieren. Daraus folgt, dass wenn der Salt-Wert nicht im Voraus bekannt ist, dass dann die Zugriffe auf die verschlüsselten Daten sehr lange dauert. Da auch die Meta-Informationen zu den Dateien (*.m-Dateien) verschlüsselt sind, dauert allein das Auflisten der Dateien aus dem Speicherdienst für 100 Dateien z.B. 1 Minute statt 1 Sekunde.

 



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2 Kommentare zu “Populäre Cloud-Dienste miteinander verbinden: DriveMaxx ausführlich unter die Lupe genommen”

  1. Thomas sagt:

    Also bei mir hats mit HiDrive auch erst nicht funktioniert deswegen bin ich hier gelandet. Danke für den Tipp mit der URL. Das klappte und zwar in der Form: https://webdav.hidrive.strato.com/users/%5Busername%5D Das Basis-Verzeichnis wurde sogar automatisch angelegt. Vielleicht hilfts dem einen oder anderen...

  2. marco sagt:

    Ich wollte mir Drivemaxx eigentlich nach der 10tägigen Testphase kaufen. Aber scheinbar wurde das Programm eingestellt. Schaden eigentlich. Weiß jemand eine Möglichkleit noch eine gebrauchte Lizenz kaufen zu können? Freischalten würde es sich auf der Seite von Data Becker noch lassen (nach bezahlung natürlich) aber der DEMO Download hat keine Lizenznummer...

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