Datenretter: OfficeRecovery Online für 31,61 – Ich probierte es trotzdem zunächst für lau

14 Juni 2012 6 Kommentare Autor: Jürgen (jdo)

File Repair Teaser 150x150Ich liebe Pressemitteilungen – also teilweise. Immer wieder interessant, wie viele Marktführer es in einer Kategorie gibt. Heute hat mich eine von OfficeRecovery Online erreicht, die damit allerdings nicht geprotzt haben – mich aber anderweitig amüsierten.

Mit dem Dienst kann man Daten einfach über das Internet wiederherstellen – via Browser-Upload. Im Speziellen geht es um Dokumente aus den Bereichen Textverarbeitung, Tabellenkalkulation und Präsentationen. Auf Neuhochdeutsch nennt man das wohl Office-Dateien. Neben Word, Excel und Powerpoint kann der Datenrettungs-Dienst laut eigener Aussage auch Access-Datenbanken, ZIP-Archiven und PDF-Dateien umgehen.

Ebenso kann der Online-Dienst Dateien der Formate JPEG, TIF, GIF, PNG, BMP und RAW reparieren. Irgendetwas von OpenOffice wird auch noch erzählt, aber welche Dateiformate damit gemeint sind, ist in der Presseinformation nicht erwähnt. EIn Blick auf die Homepage verrät, dass es sich um odt (Writer) und ods (Calc) handelt. E-Mail-Archive aus den Häusern Lotus Notes und Outlook / Exchange sollen ebenfalls reparabel sein.

Soweit also die Fakten, die ich weder bestätigen, noch dagegen reden kann oder will. Was ich nur witzig in der Pressemitteilung finde ist dieser Abschnitt:

Die Computerbild-Redaktion urteilte in Ihrer Ausgabe 03/2012 über Office-Recovery (Seite 49): Mit dem Datei-Reparierer stellen Sie beschädigte Dateien im Nu wieder her.

Na dann muss es ja wohl stimmen, wenn das die Referenz der Referenzen sagt. In der Ausgabe 05/2012 bestätigt das positive Testergebnis ein Leser via Brief. Auf der Webseite selbst gibt es auch ein paar Dankesreden, aber auch Leute, deren Dateien nicht mehr repariert werden konnten. Das ist natürlich klar, weil es auf den Grad der Beschädigung ankommt. Fairerweise wird das auch in einem Satz der Mitteilung so halbwegs abgefackelt: Oftmals lassen sich solche beschädigten Daten aber doch noch retten.

Der ganze Spaß kostet dann pauschal 31,61 Euro. Nun hab ich erst einmal gerätselt, was es mit dem Preis auf sich hat. Quersumme ist 11, wenn man die Zahlen auf den Kopf stellt macht es auch keinen Sinn – wahrscheinlich irgendetwas mit Steuer oder es wurden einfach nur 40 US-Dollar durch einen Währungsumrechner gejagt.

Natürlich gibt es erst einmal ein Demo der reparierten Datei, ob das Ergebnis auch zufriedenstellend ist, bevor man die Geldbörse auspacken muss.

Fragte mich nun jemand: Würdest Du den Dienst in Anspruch nehmen?

Vielleicht … es kommt darauf an, wie wichtig die Datei ist und wenn sehr, warum hab ich dann keine Datensicherung? Egal, Backups sind etwas für Feiglinge, somit kann es ja mal vorkommen.

File Repair installieren

File Repair: Lässt sich problemlos via Wine installieren

Allerdings würde ich auf jeden Fall noch einen kostenlosen Zwischenschritt versuchen. Das Tool File Repair ist zwar eigentlich für Windows, lässt sich aber problemlos via Wine unter Linux installieren und kostet zudem nichts. Und die Liste der unterstützten Dateiformate ist nicht ohne.

  • beschädigte Word-Dokumente (.doc, .docx, .docm, .rtf)
  • beschädigte Excel-Tabellenkalkulationen (.xls, .xla, .xlsx)
  • beschädigte Zip- oder RAR-Archive (.zip, .rar)
  • beschädigte Videos (.avi, .mp4, .mov, .flv, .wmv, .asf, .mpg)
  • beschädigte Bilder der Typen JPEG, GIF, TIFF, BMP, PNG oder RAW (.jpg, .jpeg, .gif, .tiff, .bmp, .png)
  • beschädigte PDF-Dokumente (.pdf)
  • beschädigte Access-Datenbanken (.mdb, .mde, .accdb, .accde)
  • beschädigte PowerPoint-Präsentationen (.ppt, .pps, .pptx) (wobei man hier oft nur denkt, die seien beschädigt – in Wirklichkeit sind die einfach so)
  • beschädigte Musik-Dateien (.mp3, .wav)
File Repair gestartet

File Repair für Windows unter Linux gestartet

Leider kein Open Document Format (ODF) darunter, aber solche Dateien lassen sich vielleicht noch mit dem Archiv-Manager öffnen. Bevor man damit herumspielt auf jeden Fall eine Sicherung machen, auch wenn die Datei zerstört scheint – sonst wird diese vielleicht noch kaputter. Im Archiv enthält die Datei content.xml den Inhalt und der ist ja in der Regel das Wichtigste. Oder kennt jemand ein kostenloses Datenrettungs-Tool für ODF (im Idealfall für Linux)?

Klar ist das OfficeRecovery Online eine Option – meine erste Anlaufstelle wäre es jedenfalls nicht. Wer ganze Partitionen oder gelöschte Dateien wieder herstellen möchte, sollte sich TestDisk und PhotoRec ansehen. Diese beiden Tools sind zum Beispiel auch in der kürzlich veröffentlichten SystemRescueCd 2.8.0 enthalten – alles kostenlos natürlich.



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6 Kommentare zu “Datenretter: OfficeRecovery Online für 31,61 – Ich probierte es trotzdem zunächst für lau”

  1. nils sagt:

    Also mit PhotoRec war ich mehr als zufrieden:

    http://www.cgsecurity.org/wiki/File_Formats_Recovered_By_PhotoRec

    Opensource, kostenlose und die Liste ist gigantisch...

    • jdo sagt:

      Ja, meines Wissens nach stellt PhotoRec aber Dateien wieder her, die durch Löschen oder Formatieren der Festplatte (oder auch teils kaputten Festplatten) verloren gegangen sind. Es repariert doch keine beschädigten Dateien, oder?

  2. tomboy sagt:

    unter windows kannn ich auf jeden fall 7zip empfehlen. Es ist massiv mächtiger als die Variante unter linux. es kriegt wohl alles auf, was in einer art gepackt ist. tw sogar ex und dll files.

  3. lioman sagt:

    Ein weiteres Tool ist Magicrescue http://www.itu.dk/~jobr/magicrescue/
    Mit diesem kann man mittels Rezepten nahezu jeden Dateityp wiederherstellen.

    Habe damit mal eine defekte Platte gerettet

    Siehe hier: http://www.lioman.de/2009/01/wie-rette-ich-meine-daten/

  4. sumsi sagt:

    Zu Photorec mein Teil:
    http://www.pro-linux.de/forum/viewtopic.php?t=1034686

    have a lot of fun

    PS

    Testdisk und Photorec sin ja irgendwie eine Einheit.
    Testdisk ist ein Kommandozeilenprogramm zur Datenrettung auf Festplatten-Partitionen.
    PhotoRec ist eine freie Datenrettungs-Software zur Wiederherstellung von Dateien, die gelöscht und noch nicht überschrieben wurden oder auf einem beschädigten Dateisystem lagern.

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