Global Menu in Ubuntu 12.04 „Precise Pangolin“: Canonical lenkt scheinbar doch ein

24 Februar 2012 21 Kommentare Autor: Jürgen (jdo)

Es ist manchmal schon erstaunlich, in welcher Weise einem Worte ausgelegt werden. Beim Beitrag „Gedanken: Der Sinn und Unsinn in Ubuntu for Android“ wurde mir unter anderem schlechte Recherche vorgeworfen und dann gleich noch ein Mint-Fanboy an den Kopf geschmissen. Wenn man die Zeilen aber genau liest, war es eher eine Frage und die Bitte zu weiteren Informationen. An dieser Stelle „Danke schön“ an alle, die mich zu diesem Thema schlauer gemacht haben.

Was ich überhaupt nicht leiden kann, Einige der Ubuntu-Gemeinde scheinen schon langsam Apple-Allüren anzusammeln und es wird nicht einmal gestattet, den Sinn gewisser Aktionen zu hinterfragen und gegen Unity Kritik anzuwenden geht überhaupt nicht. In Wirklichkeit ist es aber so, dass ich nie gegen Ubuntu selbst wettere, sondern immer betont habe, dass mich dieses Global Menu aufregt, weil es auf einem großen Bildschirm eine Katastrophe ist. Ich bin nicht alleine damit und die Foren sind voll von „wie kann ich das deaktivieren“. Über Antworten wie sudo apt-get remove appmenu-gtk3 appmenu-gtk appmenu-qt freue ich mich zwar, aber ein Umsteiger oder Neuling wird von solchen Aktionen eher abgeschreckt als begeistert – meine Meinung. Das ist zwar eine Lösung, aber keine schöne.

Als die gesamte Medien-Landschaft den Untergang von Ubuntu orakelte und Linux Mint in den Himmel hob, verteidigte ich Ubuntu sogar und kritisiere auch mal Linux Mint, dass man KDE vielleicht anderen überlassen sollte. Allerdings nervt mich die teilweise Sturheit von Canonical und auch andere sind der Meinung, dass es in Sachen Unity nicht im Alleingang geht (Heise). Ubuntu setzt weiterhin auf Compiz und Unity ist derzeit wohl der einzige Grund, warum Compiz noch am Leben ist – ansonsten liegt es wohl auf dem Sterbebett und der eigene Erfolg war der Sargnagel (picomol.de).

Auch die Einstellung Clement Lefebvres gefällt mir besser als die von Mark Shuttleworth, weil er sich Gedanken macht, wie er dem Anwender entgegen kommen kann und nicht einfach seinen Stiefel ohne Rücksicht auf Verluste durchzieht. Ich sage nicht, dass mir die Ideen von Shuttleworth nicht gefallen und halte ihn sogar für einen echten Visionär in Sachen IT – aber die Alleingänge von Canonical nerven mich einfach. Die schon einige Male gefallene Kritik – Canonical bedient sich bei der Community, gibt aber nichts zurück – kann ich teilweise verstehen – auch wenn Shuttleworth gesagt hat, dass Ubuntu nicht ins Leben gerufen wurde, um Code zu schreiben, sondern Linux an die Massen zu verteilen. Allerdings ist Unity nicht einfach auf andere Distributionen übertragbar – openSUSE-Entwickler: Unity ist ein Alptraum in Sachen Wartung.

App Menu optional

AppMenu optional? (Quelle: omgubuntu.co.uk)

Nur dass es ohne die Anwender (Massen) auch nicht geht, muss wohl auch ein Mark Shuttleworth einsehen und die Abwanderungs-Bewegung von Ubuntu zu anderen Distributionen hat wohl nun doch Spuren hinterlassen und gefruchtet, zumindest wenn man OMG!Ubuntu Glauben schenken darf, die sich wiederum auf die Ubuntu-Design-Team-Mitglieder Christian Giordano & John Lea berufen. Das könnte dann Summasummarum LIM (Locally Integrated Menu) sein, was angeblich in Unity 5.6 kommen soll. Die gerade auf den neuesten Stand gebrachte Precise-Installation hält allerdings noch Unity 5.4 vor.

Anstatt aber einzugestehen: „Ja, war keine so gute Idee … hätten wir von Anfang an optional machen und dem Anwender die Wahl lassen sollen“, wird es als Neuerung verkauft und die Ubuntu-Gemeinde jubelt.

Ich bin seit Jahren begeisterter Linux-Anwender und immer wieder verblüfft und fasziniert, was sich auch ohne Millionen an Euros und als reines Community-Projekt auf die Beine stellen lässt – die letzte Beta-Version von Mageia schaut bisher unglaublich gut aus und das derzeitige Parade-Beispiel ist wohl die rechtskräftige Stiftung LibreOffice. Was ich mir wünsche ist, dass auch die Ubuntu-Anwender mal wieder einen Blick nach rechts oder links wagen und nicht alles ungefragt schlucken, das man ihnen vor die Nase setzt. Im Endeffekt ist die Linux-Bewegung ein Gemeinschafts-Projekt und Alleingänge sind kontraproduktiv. Canonical ist nicht perfekt, Ubuntu ist es nicht und ich bin es schon gleich drei Mal nicht – aber kritisch hinterfragen wird man wohl noch dürfen – vor allen Dingen dann, wenn man es als persönliche Stellungnahme deklariert. Lästigerweise wurde ich so erzogen, nicht einfach alles ungefragt hinzunehmen.

Ich weiß auch, dass ich Ubuntu nicht nutzen muss – ich setz mich aber gerne damit auseinander, weil es ein sehr wichtiger Pfeiler der ganzen Linux-Bewegung ist – aber dann benehmt Euch auch so. Die Streitereien spielen nämlich nur denen in die Karten, die mit dem Finger auf die „Frickler“ zeigen und diese belächeln. In diesem Sinne Allen ein schönes Wochenende!

P.S: Humor geht schon mal gar nicht – IT und Linux ist schließlich ernst! Wenn ich die Überschrift oder besser Ankündigung witzig finde, dass LibreOffice für Windows von SUSE ist in Intels AppUp(SM) Center verfügbar ist, wird man belehrt, dass SUSE auch schon immer OpenOffice-Pakete bereitgestellt hat. Man könnte ja auch mitschmunzeln, dass vier große Namen, die als einzelne Ausdrücke teilweise Gegensätze darstellen sich in einer Überschrift zu einem sinnvollen Gesamten vereinen. Das nächste Mal geh ich in den Keller zum lächeln und schreib dann so trocken wie nur möglich, damit ich dem erhobenen Zeigefinger entgehe. Vielleicht haben mich auch die vielen Jahre im Ausland zur Deutschen Mentalität inkompatibel gemacht. Mir persönlich wurden jedenfalls damals die Augen geöffnet, als ein Bekannter, heute einer meiner besten Freunde (Australier), meinte: „Du wärst eigentlich ganz cool, müsstest nur noch den Stock aus Deinem Arsch ziehen“. Ich entschuldige mich für den Ausdruck, aber der Australier an sich flucht halt gerne.

P.P.S: Wem der Schuh passt, soll ihn sich anziehen. Der Rest kann ja eine Runde mitschmunzeln …

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21 Kommentare zu “Global Menu in Ubuntu 12.04 „Precise Pangolin“: Canonical lenkt scheinbar doch ein”

  1. Didi sagt:

    Urteile erwachsen in Rechtskraft, nicht hingegen Stiftungen. Diese sind allenfalls rechtsfähig.

  2. burli sagt:

    Meine Meinung zum globalen Menü: ich kann damit leben und habe mich inzwischen daran gewöhnt. Genauso wie an die Fensterbuttons auf der linken Seite. Wenn ich mal ein normales System nutzen muss suche ich Menü und Buttons sogar schon manchmal an der falschen Stellen und brauche ein paar Minuten, bis ich mich wieder umgewöhnt habe. Ich habe damit aber kein Problem.

    Der Grund für das globale Menü ist wohl HUD. Man musste die Menüs aus den einzelnen Toolkits umbiegen. Ob damit eine "normale" Anzeige des Menüs nicht mehr möglich ist kann ich nicht beurteilen. Eventuell gab es deshalb keine Option für das globale Menü.

    Zum Thema Community gab es mal einen schönen Blogpost eines Entwicklers

    http://www.codinghorror.com/blog/2012/02/listen-to-your-community-but-dont-let-them-tell-you-what-to-do.html

    Und ich muss dem zustimmen. Vor allem vor dem Gesichtspunkt, dass Canonical immer noch ein Unternehmen ist und keine Community Spielwiese für Nerds. Man sieht ja bei Community Distributionen auch häufig Zankereien zwischen manchen Mitgliedern, was nicht selten zur Spaltung führt.

    Das globale Menü hat einen technischen Hintergrund, der mit den weiteren Plänen von Canonical zusammenhängt, die mit der Vorstellungswelt einiger aus der Community nicht konform geht. Da Mark das alleinige Risiko trägt hat er auch jedes Recht, dass letzte Wort zu haben. Sollte er mit diesen Entscheidungen Ubuntu gegen eine Wand fahren ist er pleite und selbst daran Schuld. Sollte er sich aber nach der Community richten und dadurch wird Ubuntu gegen die Wand gefahren ist er auch pleite und nicht daran Schuld.

    Wenn ich das zu entscheiden hätte würde ich mir zwar anhören, was die Community sagt, aber die letzte Entscheidung würde ich treffen.

  3. rhynax sagt:

    Hi Jürgen,
    ich finde es gut, dass du kein Ubuntu Fanboy bist sondern auch die Entwicklung kritisch hinterfragst, ich habe die selbe Einstellung in dieser Hinsicht auf Neuerungen. Es gibt immer positive und negative Entwicklungen und für manche ist etwas positiv, was für andere negativ ist.
    Ich finde es toll, dass du so viele Artikel dem planet.ubuntuusers.de beiträgst und lass dich nicht unterkriegen von so mancher Kritik! Das ist dein Blog und es gibt viele Leser (mich eingeschlossen) die zwar an News interessiert sind aber auch deine persönliche Meinung hören möchten!
    Vielen Dank für deine vielen Artikel, mach weiter so!!!

  4. gast sagt:

    Lass dich bitte von einem "k1!" nicht fertigmachen.

    Der Typ sucht doch permanent nur Streit und trägt auch zur Ubuntu Community nichts bei.

  5. Max sagt:

    Daumen hoch! Für deine ehrliche Kritik und vor allem für deine gesunde Weltanschauung 🙂

  6. yawny sagt:

    Guter Artikel!
    Was Canonical da in letzter Zeit so abzieht, finde ich ebenso dubios. Warum auch dieses Kindergarten Marketing (Apple)? Neben diesen hat wahrscheinlich auch omgubuntu! eine hohe Schuld am "fan-boy" Zulauf.
    Sind sogar etwas lustig, sobald man etwas kritisiert, ist man gegen die Zukunft ;).

    • dakira sagt:

      Ähm. Tut mir leid, aber dir und anderen möchte ich unbedingt mal diesen Artikel ans Herz legen:
      http://mhall119.com/2012/02/criticism/
      Was zieht Canonical denn ab? Das würde mich echt mal interessieren. Hier ist das was ich sehe:
      Sie bieten ein stabiles Ubuntu (10.04) welches über PPAs auch die aktuellsten Anwendungen bekommt, wo es nötig ist (Firefox & Co.). Das kann jeder benutzen und es funktioniert in vielen Firmen in denen ich arbeite hervorragend.

      Abenteuerlustige können bis 12.04 ausprobieren, woran so gearbeitet wird. Wegen des kurzen Release-zyklus von 6 Monaten sieht man da aber nur Zwischenprodukte und der Sinn gewisser Entscheidungen wird nun mal nicht bei jedem Zwischenschritt deutlich.

      Canonical steckt viel Geld in tatsächliche echte Usability-Forschung. Sie kommen zu den gleichen Ergebnissen, wie alle Usability-Studien, die an Unis durchgeführt wurden. Nämlich: Fensterbuttons oben rechts bedeuten immer höhere gemessene Mauswege. Menus ergeben nur noch in wenigen Anwendungen Sinn und sind ansonsten eher im Weg. Als Zwischenschritt hat Canonical die Fensterbuttons nach links gelegt (nachweislich messbar kürzere Mauswege) und die Menuleiste, die man ohnehin quasi nur noch in LibreOffice und GIMP braucht, an den oberen Rand.

      Seiteneffekt: Man hat libdbusmenu geschaffen und damit die Anwendungsmenus ausserhalb der Anwendungen zugänglich gemacht. Es schreien immer alle so nach Vereinheitlichung. Man stelle sich vor, jede Anwendung würde ihre Fensterdekorationen selber zeichnen. Das macht eben der Desktop. Nun merken aber die Anwendungentwickler selber, dass Menus in ihren Anwendungen Platzverschwendung sind und basteln wie die bekannten Browser diese Menubuttons. Wie wäre es denn, wenn sich darum auch der Desktop kümmert und der Nutzer das einheitlich einstellen kann? In Ubuntu 12.04 kann ich auswählen, ob meine Menu oben, in der Anwendung oder als Button in der Anwendung angezeigt werden.

      Mit HUD wird libdbusmenu weiter ausgenutzt. Ich habe neulich ewig eine Funktion in GIMP gesucht und musste am Ende Google benutzen. Mit HUD hätte ich nur ALT plus ein paar Buchstaben gebraucht. Was HUD noch fehlt, ist eine gute Möglichkeit Menus zu erkunden. Daran arbeiten die Entwickler gerade. Schritt 1 ist es erst mal die Codebasis von appmenu (aka globalmenu) und HUD zusammenzulegen. Es geht insgesamt darum bei menulastigen Anwendungen (wie LO und GIMP) eben diese besser zugänglich zu machen.

      Und auf ein mal ergibt das Menu oben auch langsam Sinn. Ich brauch es fast nie und wenn ich es brauche kann ich Menupunkte die ich kenne schnell mit ALT aufrufen. Die von mir am häufigsten genutzen Punkte werden ohne weitere Eingabe angezeigt, was bei längerer Nutzung deutliche Vorteile bringen dürfte. In seltenen Fällen, wo man doch mit der Maus durch die Menüwüste navigieren will, ist es wohl zumutbar die Maus nach oben zu bewegen.

      Aber das ist noch nicht alles. Canonical stellt in 12.04 seine ganzen Indikatoren auf als nach GTK3 portierte Panel-Applets bereit. Damit kann man die Gnome-Fallback Session nun endlich so konfigurieren, dass sie sich wie ein Gnome2.x benutzen lässt. Und DAS ist im Gegensatz zu Gnome2.x auch zukunftsfähig.

      Eingeleitet habe ich mit dem Artikel zu besserer Kritik. Abschliessend will ich ein paar Worte zur Arbeit als Software-Ingenieur sagen. Software engineering IS NOT emotional engineering! Alle vier Jahre haben wir 80Mio Bundestrainer. Und komischerweise glauben Laien es bei der Softwareentwicklung auch immer besser zu wissen. Gerade wenn mit überholten Paradigmen gebrochen wird obwohl es lange an der Zeit ist (Fitts' Law ist von 1954). Wir wissen es mittlerweile besser und haben die Möglichkeiten es besser zu machen. Wir vertrauen den Ingenieuren die unsere Waschmaschinen, Kaffekocher, Autos und Brücken bauen. Es wird Zeit professionell arbeitenden Softwareentwicklern mit dem gleichen Respekt zu begegnen. Canonical arbeitet nach allen Regeln der Kunst und hat mittlerweile Qualitätssicherungsprozesse implementiert, die ihres gleichen suchen.

      Aber zurück zur ursprünglichen Frage. Was zieht Canonical so ab, was dubios ist?

      • yawny sagt:

        Danke für den wenig bis nichts sagenden Artikel (Fazit: Thou shall not criticize!) Meine haupstächliche (und hier nicht mal geäußerte) Kritik bezieht sich nicht so sehr auf UI-Elemente, sondern mehr auf ihrer sogenannten Neuorientierung.

      • JumpLink sagt:

        Schöner Kommentar,ich denke auch dass Coninical vieles richtig macht und gerade im OpenSource-Bereich hat es lange an Usabilityforschung gefehlt, ich stimme deinem Kommentar also zu. Aber ich denke der Autor des Artikels hat dass, was du schreibst gar nicht angezweifeln wollen, er bezieht sich da bloß auf sich selbst und ist der Meinung, dass Coninical auch dieses Verhalten hätte einbeziehen sollen und zwar in der Form, dass es einstellbar ist.
        Wobei diese Möglichkeit auch eine Usabilityfrage ist und vermutlich eine bewusste Entscheidung von Coninical war, sie wollen eine einheitliches Plattform schaffen bei der sich alle Anwendungen gleich verhalten und die Entwickler nicht unzählige Sonderfälle beachten müssen, die der User möglicherweise eingestellt haben könnte .

        • JumpLink sagt:

          Ach das war ein Kommentar zu einem Kommentar, okay.
          @yawny denkst du wirklich das sein Kommentar wenig-sagend ist? Hast du ihn überhaupt gelesen? Er erklärt doch gerade wieso diese "sogenannten Neuorientierung" ein Vorteil gegenüber anderen Linuxdistributionen ist.
          Oder was meinst du mit der sogenannten Neuorientierung?

  7. dakira sagt:

    Die Option in den Einstellungen setzt lediglich eine Umgebungsvariable auf einen anderen Wert. Das ging schon seit dem es das Appmemu gibt. Das "locally integreated menu" wird eine Zusatzoption, die in 12.04 nicht offiziell supported wird und extra installiert werden muss.

    • dakira sagt:

      ähh.. ein Nachtrag. Also diese Umgebungsvariable gibt es schon seit dem es das Appmenu gibt und man konnte mit ihr steuern, ob es angezeigt wird oder nicht (ohne es deinstallieren zu müssen). Sie heisst übrigens UBUNTU_MENUPROXY und mit ihr kann man das im Grunde auch pro app festlegen.

  8. dakira sagt:

    So. Jetzt noch ein Kommentar allgemein zum Artikel 🙂

    Clement Lefebvre macht gute Sachen, aber wie ich schon anderswo hier kommentiert habe muss man als Softwareentwickler auch Entscheidungen über Anwenderköpfe hinaus treffen können, weil man es einfach besser weiss und weil Studien einfach belegen, dass der Entwickler recht hat (s. "software engineering != emotional engineering" [1] und "linux is not about choice" [2]).

    Die Beiträge in der Fedora Mailingliste, wo ein Opensuse-Entwickler schreibt, dass die Unity-Wartung ein Albtraum ist, solltest du vielleicht mal lesen. So aus dem Kontext gerissen macht es in diesem Artikel zumindest keinen Sinn dieses "Zitat" zu nennen. Der entspr. Entwickler gibt weder Unity noch Canonical die Schuld an diesem Wartungsalbtraum. Es geht um eine Freedesktop.org Spezifikation, die Canonical implementiert hat und bspw. für seine Indikatoren nutzt (KDE hat das übrigens auch implementiert und ist an der Stelle mit Unity kompatibel). Gnome-Entwickler lehnen nun die Spezifikationen als solche ab und lassen aus diesen Gründen den Code nicht in's default-Gnome. Es müssen aber Gnome-Pakete gepatcht werden damit das funktioniert.

    Die Opensuse-Entwickler, die Unity angeboten haben, haben also diese Patches selbst eingepflegt und in einer seperaten Paketquelle unity und die gepatchten gnome-core Pakete angeboten. Das wird natürlich schnell zu einem Wartungsalptraum wenn für die gnome-pakete updates kommen.

    [1] http://mystilleef.blogspot.com/2011/04/emotional-engineering-vs-software.html
    [2] http://www.redhat.com/archives/rhl-devel-list/2008-January/msg00861.html

  9. JumpLink sagt:

    Ich denke mal, dass ist alles gar nicht so schlimm mit den Lesern wie es scheint.
    Die Leute sind halt einfach eher motiviert ein Statement abzugeben, wenn sie dagegen sind, sich über etwas aufregen wollen oder deine Meinung mit ihrer ergänzen wollen.
    Wenn sie sich allerdings denken "joar da ist was dran", dann nicken sie es einfach ab und da lohnt sich kein Kommentar, es könnten dich also möglicherweise viel mehr verstehen als du denkst.

    Bei einem Punkt muss ich dir auf jeden Fall recht geben, man sollte nicht immer nur in eine Richtung schauen und man vergisst schnell, dass man es auch dann machen kann, wenn man in die andere Richtung als alle anderen schaut.

    ich finde persönlich Unity gelungen, auch das Global-Menü ich finde sinnvoll (bis auf ein paar Bugs). Ich denke der komplette PC-Neuling wäre sowieso von dem Menü überfordert und möchte einfach nur Programmicons klicken. Bei dem normalen User welche schon länger Ubuntu verwendet, hat es einen anderen Effekt: Dadurch dass man ihn dazu zwingen es zu verwenden, entdeckt er evtl Vorteile, die er sonst nicht entdeckt hätte, er wäre einfach zu faul zum umgewöhnen gewesen und würde es jedes mal deaktivieren. Nachdem aber nun jeder ein Gefühl dafür bekommen haben sollte, sollte es IMHO in der nächsten Version eine einfache Möglichkeit zum deaktivieren geben. Mit dem HUD wird dann hoffentlich auch das Problem auf großen Bildschirmen gelöst, da ist mir der Weg persönlich auch noch zu lang.
    Die Erfahrenen User hatte ja sowieso schon immer die Möglichkeit das Menü zu deaktivieren, bei ihnen spielt es im Grunde keine große Rolle.

    Obwohl ich dieser Meinung bin, hast du mich nun aber trotzdem dazu angeregt, noch einmal neu darüber nachzudenken, ob es nicht doch von vornherein eine Option dafür hätte geben sollen. Immerhin reicht es evtl auch den User zu zeigen was das Globalmenü bringt, indem es einfach in der Standardeinstellung aktiviert ist.. Darüber muss ich aber noch einmal genauer nachdenken.

    Grüße, JumpLink

  10. volRot sagt:

    Tolle Antwort und der Australier hat Recht, bitte schreib so weiter - super.
    PS: Ich gehe aber nichtr in den Keller sondern lächle offen auch im Forum.

  11. Paradiesstaub sagt:

    Ich spreche hier einfach mal ein paar Punkte an die viele falsch verstehen - IMHO.

    #1 Canonicals Kommunikation/Offenheit
    Die Offenheit von Canonical gegenüber der Community hat Grenzen. Ganz einfach deswegen, da alles was die Community weiß automatisch auch die Gegenspieler (MS, Apple...) wissen. Canonical möchte schließlich „auch“ Geld verdienen und sich auf dem Markt durchsetzen - davon profitiert wiederum die Menschheit indem sie ein gutes kostenloses OS bekommen.

    # Canonicals Innovationen & Kontinuität
    Canonical ist vorausdenkend. Jede „User Interface“ und „User Experience“ Änderung hat einen Grund und dient der Ubuntu-Plattform im Ganzen. In den letzten Jahre wurde viel an Ubuntu herum geschraubt um die Plattform zukunftstauglich zu machen und von altem Ballast zu befreien (Wayland ist der nächste große Schritt). Im Großen und Ganzen wird sich wahrscheinlich an der Kombination „Laucher + Dash + Indicators“ nicht mehr viel ändern. Ist die Neuer-Desktop-Ideenfindungsphase abgeschlossen wird es auch die von vielen Anwendern heiß erwartete Kontinuität geben (bei Ubuntu bekommt der Anwender die Transformation in Form der nicht LTS-Versionen mit – bei proprietären Betriebssystemen ist dies eben nicht der Fall).
    Die Änderungen an den GUI-Toolkits sind clever und erlauben erst solche Spielereien wie das HUD (das sehr viel Potenzial hat) oder Sprachsteuerung in der Zukunft (das fällt alles nicht vom Himmel).

    # Grundlegendes
    Der Großteil der Menschen sind immer keine Experten in einem Gebiet und das trifft auf jedes Fachgebiet zu! Es gibt meistens einen Grund warum etwas so ist wie es ist, nur ist der Grund nicht immer (für Laien) ersichtlich. Wie „dakira“ bereits schrieb, ein Ingenieuren baut nach wissenschaftlichen Kriterien Autos, Brücken..., ein guter Software-Entwickler/UX-Designer (und Canonical ist da im FOSS-Bereich Topp) baut mit den ihm zur Verfügung stehenden Ressourcen nach wissenschaftlichen Kriterien eben Software.

    Canonical ist nicht perfekt und es ist an der ein oder anderen Stelle sicherlich Kritik angebracht, doch stecken sie zurzeit ungerechtfertigt viel Prügel für viele gut durchdachte Konzept ein, die in der Linuxwelt ihresgleichen sucht.

  12. k1l sagt:

    Da der Beitrag ja auch an mich geht will ich auch nochmal etwas dazu schreiben:

    Der Stein des Anstoßes für mich war der Beitrag über die Äußerung eines openSuse Entwicklers über Unity auf der Fedora ML. Das war nicht kritisch hinterfragt oder konstruktiv Kritisiert, das war einfach aus dem Zusammenhang gerissen und falsch dargestellt. Dakira hat das hier weiter oben auch nochmal beschrieben, da du es in diesem Artikel hier schon wieder machst.
    Auf meinen Kommentar unter dem Artikel wurde ja nicht reagiert.
    Stattdessen wird sich dort mit/über Linuxmint/Cinnamon beweihräuchert, da Unity ja vor dem Aus stehe.

    Dann der Beitrag über Unity for Android. Hier sprichst du von "Aber mir schwant halt, dass es wieder im Canonical-Stil durchgezogen wird.". Nennst dann ein anderes Gerät, wo ein Privatmann sich ein Dualboot mit Android und Ubuntu gebaut hat und aufgrund fehlender Anpassung auf LXDE wechselte weil die Performance teilweise schlecht war und verleitest so zu Rückschlüssen auf das vorgestellte Ubuntu for Android. Zudem sprichst du von "ein voll aufgeblasenes Ubuntu" was natürlich wieder zu deinem kritischen Hinterfragen und zur konstruktiven Kritik steht.

    Ob du Unity magst/nutzt/hasst oder nicht ist mir persönlich total egal. Auch ob du LinuxMint oder sonstwas nutzt. Aber mit dieser Art von Beiträgen schürst du den Konflikt innerhalb der Ubuntu und auch innerhalb der Linux Community.

  13. Darvon sagt:

    Ich verfolge diesen Blog seit einiger Zeit, kommentiert habe ich aber noch nie. Aber dieser Beitrag gefällt mir wirklich sehr! Es ist irgendwie ein Apell, die Sachen lockerer zu sehen, in allen "Lagern": egal ob Anti-Unity/Pro-Unity/Anti-Gnome-Shell/Pro-Gnome-Shell/Anti-Gnome-Fork/Anti-Neuerung/Anti-Stillstand... usw.
    Die meisten Linux-User werden zur Zeit wohl einen Desktop benutzen, mit dem sie zurecht kommen, und wenn nicht, haben sie viele Möglichkeiten, einen neuen zu Finden. Klar ist es traurig, dass man manchmal was neues hat, aber die Umstellung ist wohl kaum größer als die von Windows zu Linux, was wohl die meisten einmal im Leben durchgemacht haben.
    Außerdem finde ich es irgendwie auch "schön", dass es einen Streit in der Linux-Communitiy gibt: Nicht der Streit selber ist schön (er könnte etwas ruhiger sein...), sondern die Tatsache, dass Linux anscheinend groß genug ist, Platz für so einen Streit zu bieten. Ich meine, wär diese ganze Sache 1995 vorstellbar gewesen? Wohl kaum. Und was ist mit Gnome, das ja als Alternative zu KDE recht klein angefangen hat? Ist heute (noch zumindest) Platzhirsch am Desktop. Und KDE 4 ist ja jetzt auch nicht so schrecklich, wie zu Anfang immer behauptet. All die Projekte, die jetzt entstehen, haben auch die Möglichkeit zu wachsen und standfester zu werden. Sie werden mit Linux wachsen. Und ja, Linux wächst, die konstanten Marktanteile über Jahre bedeuten ja bei steigenden PC-Zahlen auch immer mehr Linux Nutzer.
    Und wo mehr Leute sind, wird man auch mehrere Meinungen finden, man muss sich ja nicht gleich an den Hals gehen.

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